
WIEN / Globe Theater:
SINGLE BELLS von Ulrike Schwarzenberger
Buch, Musik und Regie: Matthias Bauer
6.Dezember 2025 nachmittags
Ein Hoch den Omamas!
Ist es nicht überall so? Zu Weihnachten expandiert die Kernfamilie (im allgemeinen Vater, Mutter und zwei Kinder), weil natürlich die Verwandtschaft eingeladen werden muss. Es ist Weihnachten, das geht nicht anders. Manche kommen auch uneingeladen. Und dass da Leute aufeinander treffen, die sich eigentlich nicht mögen und dann nicht die Nerven haben, ihre Antipathien zu beherrschen… das kommt vor.
Das war auch der Grund für den ungeheuren Erfolg der Fernsehkomödie „Single Bells“ aus dem Jahre 1997. Ulrike Schwarzenberger hat für ihren regieführenden Gatten Xaver Schwarzenberger 16 Drehbücher für ORF-Fernsehfilme geschrieben, alle waren gut und hoch besetzt, und dennoch hat man sie vergessen.
Außer „Single Bells“. Diese Weihnachtsgeschichte mit ihren äußerst komplexen, komplizierten Familienbeziehungen war zwar hoch komödiantisch überzeichnet, traf aber dermaßen den Kern der da versammelten Menschen, dass jeder Zuschauer vermeinte, sie aus dem wirklichen Leben zu erkennen. Der Stress, den Familie bereitet, und der Stress, den jeder einzelne erlebt, entfaltete sich mit den ganzen Einzelproblemen der Figuren höchst überzeugend.
Und diese Qualität hat sich erhalten, wenn der „Kultfilm auf der Bühne“ nun im ziemlich sehr großen Globe Theater in St. Marx ausverkauft an den Start ging.
Matthias Bauer ist nicht nur für die Bühnenfassung des Fernsehstücks verantwortlich (das nun in der Familie bleibt und Personen außen eliminiert hat), er sorgte auch für den üppigen Musikteil, der das Werk nun zu einer Art Musical macht – die Melodien von Weihnachtsliedern poppig aufbereitet und mit frechen Texten versehen. Außerdem führte Bauer Regie und sorgte für exakte Pointen, die ja wie von selbst ganz leicht kommen müssen, um richtig einzuschlagen…

Schon im Film war die Omama Mitzerl der Inge Konradi der Star der Geschichte, auf der Bühne ist es Inge Maux in dieser Rolle, nicht zur bremsen in ihrer Betriebsamkeit, aber auch eine recht empfindsame Seele, die es nicht verwindet, dass sie es im Leben so schwer hatte. Die nicht aufhören kann zu erzählen, was sie für den Sohn und den leider verstorbenen Gatten alles getan hat. Alles an ihr, Körpersprache, Sprache, Miene, ist beleidigt, die Bosheiten kommen ihr wie von selbst von den Lippen – und obwohl man diese schrecklichen älteren Frauen gut kennt, möchte man sie dennoch in die Arme nehmen. Denn diese Frauen haben alles für ihre Familien getan – kein Wunder, wenn sie wollen, dass man das weiß und auch anerkennt.
Omama beherrscht die Szene, bis die andere Omama auftaucht, das Buch spricht die ewigen Schwiegermütter-Spannungen in allen Familien an. Wenn Verena Scheitz als mondäne „Lilibet“ hereinrauscht, holt sie sich einen großen Anteil der Lacher. Die Omamas sind einfach die Stars des Abends. Lästig, die herrlichen Damen, aber lustig.
Kristina Sprenger als Hausfrau „Luiserl“ kennt sehr wohl das Problem eines Gatten, der mehr unter der Fuchtel seiner Mutter steht als unter jener seiner Ehefrau. Sie säuft sich schließlich mit einer Flasche Wodka den Hausfrauen-Frust weg, dass alle Arbeit an ihr hängen bleibt – und keiner es zu merken scheint.
Gregor Seberg als Joe ist der in jeder Hinsicht überforderte Familienvater, dem auch seine Kinder (Clara-Theresa Lackner-Zinner als Sissi und Johannes Brand als Gregor) keinen Respekt zollen, weil sie seine Schwäche spüren. Und da ist dann noch Luiserls Schwester (und Lilibeths zweite Tochter) Kati in Gestalt einer seelisch überzeugend zernepften Julia Jelinek.
Mit der Weihnachtsgans wird es bekanntlich nichts, weil das Backrohr explodiert, der Christbaum brennt ab, die Bosheiten fliegen durch die Luft, die Nerven liegen blank – aber das Vergnügen des Publikums ist riesig, und das zurecht. Es ist nämlich, wie wir alle wissen, nicht so einfach mit Weihnachten – und hier darf man herzlich darüber lachen.
Renate Wagner

