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WIEN / Freie Bühne Wieden: FROST / NIXON

25.10.2019 | KRITIKEN, Theater


Foto: Freie Bühne / Rolf Bock

WIEN / Freie Bühne Wieden:
FROST / NIXON von Peter Morgan
Österreichische Erstaufführung
Premiere: 22. Oktober 2019,
besucht wurde die Vorstellung am 25. Oktober 2019

Napoleon, der bestimmt nicht furchtsam war, hatte Angst vor der Macht der Presse. Und nicht nur heutige Politiker, unsere unmittelbaren Zeitgenossen, können ein Lied davon singen, wie zerstörerisch die Medien zu wirken vermögen. Das war schon vor den „Social Media“ so, als die US-Presse „Watergate“ aufdeckte und damit Präsident Richard Nixon zu Fall brachte. Und der britische Fernsehjournalist David Frost ging noch weiter – er grillte in einem Fernsehinterview den zweifellos abgebrühten „Tricky Dickie“, wie man Nixon nannte, so gründlich, dass dieser ungewollt sein Schuldeingeständnis abgab.

Was er als Präsident getan habe, meinte er, stünde über dem Gesetz… Donald Trump wird absolut dieser Meinung sein. Der schließlich ganz derselben Vergehen (versuchte Diffamierung der politischen Gegner durch Missbrauch der eigenen Macht) angeklagt ist. Die Frage ist nur, ob es ihm den Hals kostet wie einst Nixon…

In der Freien Bühne Wieden hat man jetzt Gelegenheit, sich den Kopf über Politik und Moral, über Macht und auch Sadismus der Presse zu zerbrechen, denn David Frost, berühmter britischer Fernsehmoderator, suchte 1977 das Gespräch mit Nixon, drei Jahre nach dessen Rücktritt, ja nur, um ihn „fertig zu machen“ – zum eigenen Ruhm, zur Unterhaltung eines gierigen Publikums und vielleicht auch, nebenbei, um der „Gerechtigkeit“ zu ihrem Recht zu verhelfen. Aber wirklich nur nebenbei, da muss man sich keine Illusionen machen. „Sauber“ ging es da auf keiner Seite zu.

Wenn man sich fragt, warum sich Richard Nixon auf dieses Fernsehinterview eingelassen hat, nachdem er nach „Watergate“ im Grunde wunderbar unbehelligt ausgestiegen war, gibt es zwei Gründe: Zuerst das Geld. Die 600.000 Dollar, die man ihm zahlte, war für niemanden eine Kleinigkeit. Und vielleicht hat er, gewiefter Politiker, der er war  (und als solcher begnadeter Schwätzer und Schaumschläger), eine Möglichkeit zur Rechtfertigkeit erhofft.

Autor Peter Morgan, der das Stück „Frost / Nixon“ geschrieben hat (Historisches ist seine Spezialität), konzentriert sich nicht allein auf das Fernseh-Duell. Mit Hilfe einer Anzahl von historischen Randfiguren bettet er dieses gewaltige journalistische Unternehmen in sein Umfeld ein, holt auf die Seite von Frost Agenten, Produzenten, Berater, stellt Nixon einen Militär zur Seite, der dafür sorgen sollte, dass zumindest zum Thema Vietnam nichts Falsches gesagt wird. Nur die Frau, die man künstlich ins Geschehen gepfropft hat, könnte überflüssiger nicht sein.

Und dann geht es um das Gespräch, um die erst nur versuchte, dann gelungene Hinrichtung, um das Katz-und-Maus-Spiel, bei dem Nixon lange Zeit phrasendreschend Oberhand behält, bis dann die eindeutigen Schuldbeweise auf dem Tisch liegen. Die Moral von der Geschichte wird dem Publikum am Ende noch expressis verbis verkündet: Dass Politik und Showbusiness nicht so weit von einander entfernt seien. Ja, das hat man schon gewusst.

Regisseur Gerhard Dorfer hatte zwei höchst überzeugende Darsteller der Hauptrollen – Johannes Terne, nicht ganz so unsympathisch, wie uns der reale Richard Nixon immer vorgekommen ist, und Boris Popovic, nicht so glatt und siegessicher, wie man sich einen medialen Erfolgsstar vorstellt. Der Rest ist menschliche Dekoration in Gestalt von Klaus Haberl, Alfons Noventa, Oliver Leidenfrost, Andreas Roder, Oliver Hebeler und Anna Sophie Krenn, die wie erwähnt, eigentlich gar keine Rolle hat, aber dafür sehr hübsch aussieht.

Das Publikum war gespannt. Auch wenn die Geschichte räumlich und zeitlich weit weg ist – in der Substanz bleibt es sich doch, zwischen Ibiza und Trump, immer gleich. Das Fehlverhalten der Politiker, die trickreiche Arbeit der Presse, und das Warten darauf, wie es ausgeht… und für das Zeitung lesende und Internet surfende Publikum ist es Showbusiness und Unterhaltung pur.

Renate Wagner

 

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