Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Festwochen/ Theater an der Wien: COSÌ FAN TUTTE – mit dem Scharfblick des Filmemachers

06.06.2014 | KRITIKEN, Oper

Wiener Festwochen: „COSÌ FAN TUTTE“ im Theater an der Wien

 Mit dem Scharfblick des Filmemachers 5. Juni 2014

 csm_CosiTutte_3047_d6e3642bbe~1
Foto: Javier de Real / Teatro Real

So wie es sein soll und so wie es gut ist. Nicht viel mehr. Richtig gutes Operntheater. Michael Hanekes Inszenierung aus dem Vorjahr für das Madrider Teatro Real zielt mit dem Scharfblick des großen Filmemachers auf psychologische Feinzeichnung hin, schlägt eine Brücke zwischen damals und heute und erreicht dies mit einer penibel erarbeiteten Personenführung und einer in jeder Hinsicht akkurat auskalkulierten stilvollen Ästhetik (Bühne: Christoph Kanter, Kostüme: Moidele Bickel). Haneke setzt immer wieder Fragezeichen, peilt wiederholt Stillstand oder Ruhepunkte an, lässt nur in wenigen Momenten eine leichte ironisch-spielerische Komödiantik aufblitzen. Mozarts „Così fan tutte“ist aber auch schon ein besonders heikles Stück, um in all diesem genialen musikalischen Fluss doch auch für Lorenzo da Pontes geistreiche Konversation mit langem Atem eine gewisse Spannung durchzuhalten.

Trockener Partystimmung in bester Gesellschaft am Beginn, am Ende des gewagten Partnertausch-Spieles eine sich an den Händen haltende, immer wieder auseinander reißende Kette der drei Paare. Haneke zeigt Don Alfonso (William Shimell) und Despina (Kerstin Avemo) als verbittertes, sich gegenseitig misstrauendes  Gespan. Fiordiligi (Anett Fritsch) und Dorabella (Paola Gardina), Guglielmo (Andreas Wolf) und Ferrando (Juan Francisco Gatell) schwanken zwischen Hingabe, Gefühlschaos und schließlich zwischenmenschlicher Kälte. Nicht der Gesang, doch im Hin und Her der Emotionen: überwiegend leicht unterkühlt.

csm_CosiTutte_Schlussbild
Foto: Javier del Real / Teatro Real

  Dirigent Sylvain Cambreling passt sich mit der Deutschen Kammerphilharmonie Michael Hanekes Intentionen völlig an. Somit ist er ein idealer Partner für die Sänger, denen er all die feinen Phrasierungen auszuleben ermöglicht, um die gewünschten zahlreichen ausgetüftelten Nuancierungen zu erzielen. Nicht außergewöhnlich schöne Stimmen, doch alle mit Ausdrucksqualitäten. Drei lange, vom Publikum höchst positiv aufgenommene Abende im Theater an der Wien.  Und nach dem Kurzgastspiel schon wieder das gewohnte Festwochen-Adieu: Choristen und Statisten retour nach Madrid, das Orchester nach Bremen, die Solisten zerstreut. Bloß Regisseur Haneke bleibt in Österreich zurück.

Meinhard Rüdenauer
 

 

Diese Seite drucken