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WIEN / Belvedere: SELBSTVERSTÄNDLICH MALEREI!

07.07.2015 | Ausstellungen, KRITIKEN

Belvedere, Ploner Ploner Aufschrift 700
 Fotos: Renate Wagner

WIEN / Belvedere / Orangerie: 
SELBSTVERSTÄNDLICH MALEREI!
SAMMLUNG PLONER
Vom 8. Juli 2015 bis zum 27. September 2015 

Sammlung Ploner zum zweiten

Auch Agnes Husslein-Arco und ihr Belvedere haben einen beträchtlichen Teil der großen Schenkung erhalten, die Regine Ploner, die Witwe des 2011 verstorbenen, aus Oberösterreich stammenden Industriellen und Sammlers Heinz Ploner, an wichtige Institutionen gegeben hat. Klaus Albrecht Schröder bekam einen Teil, und er hat die Werke im Rahmen der wichtigen Ausstellung über „Abstraktion in Österreich“ integriert. Das Belvedere hingegen zeigt Teile „seiner“ Sammlung Ploner – 43 Werke der insgesamt 108, die man mit Dank und Begeisterung erhalten hat –  in der Orangerie unter dem Titel „Selbstverständlich Malerei“ sozusagen pur: Es geht um nichts anderes, als die Interessen des Sammlers Ploner in markanten Werken zu umreißen.

Von Renate Wagner

Mit Mikl begann’s    Dass er mit den Abstrakten begann und ihnen lange die Treue hielt, weiß man: Im Belvedere begrüßt den Besucher zentral jenes großformatige (eineinhalb mal zwei Meter) Gemälde von Josef Mikl, mit dem Ploners Sammeltätigkeit 1997 begann: „Der blaue Schreiende“. Dass Sammler als Freunde, Käufer und solcherart im übertragenen Sinn als Mäzene noch heute existieren, zeigt im Fall Ploner die Verbundenheit: So hat Mikl, mit dem sich eine enge Beziehung ergab, Heinz Ploner auch gemalt (sehr in Orange): Auch dieses Bild ist in der Orangerie zu sehen (wenn auch an der Außenwand, neben Ploners Biographie).

Belvedere, Ploner Mikl beim Eintritt xxx~1 

Die großen Abstrakten    Da die Museen ja aus der Sammlung Ploner auswählen konnten (im Belvedere stand Kurator Harald Krejci neben der Direktorin), sieht man auch die Interessensschwerpunkte: Während die Albertina natürlich viele graphische Blätter wählte, nahm sich das Belvedere einige großformatige Gemälde von stupender Eindrücklichkeit, große Abstrakte, die für das Beste dieser Kunstrichtung stehen: den farbenprächtigen „HolunderZWEIG“ von Wolfgang Hollegha (wo es natürlich keinen Zweig gibt, sondern nur Farbflächen), das „Querfeldflimmern“ von Gunter Damisch („getropft“ scheinend wie Jasper Johns, aber noch dichter und intensiver), das titellose Blau des Erwin Bohatsch, Bilder, die in doppeltem Sinn „groß“ sind.

Belvedere, Ploner Brandl Hollegha~1

Belvedere, Ploner Dreimal Damisch~2

„Change“ leuchtet rot   Allerdings ist Ploner, wie bekannt, von der Abstraktion aus weiter gegangen, hat seine Sammlerinteressen erweitert. Das Belvedere nahm sich auch „Objekte“, die schwer einzuordnen sind wie die rote Neonleuchtschrift „Change“ von Brigitte Kowanz, die als Blickfang wirkt und auch für den Wandel des Sammler-Verständnisses signifikant sein kann. Dass sich die Abstraktion als allein seligmachende Lösung für die bildenden Künstler nicht ewig halten konnte, ist klar: Die „neue Figuration“ ist etwa mit den titellosen, in eigenwilligen Ausschnitten gebotenen Kinderbildnissen von Maja Vukoje zu finden.

Belvedere, Ploner Change~1

Installation, Foto und Film     Die roten Farbkugeln des Gerwald Rockenschaub („GRO7C003“ genannt, Farbfolie auf Alucore) zeigen den Sammler Ploner schon auf dem Weg in die Welt der Installation, und einiges an „konzeptuellen, postmodernen Foto- und Filmarbeiten“, wie es heißt, hat sich das Museum auch gesichert. Kurz, Heinz Ploner war ein ganz „offener“ Sammler, er erkannte auch Papiersschnitzel oder eine Collage aus Papier, Acryl, Lack und Schaum (von Adrian Schiess) als Kunstausdruck.

Ploner zum zweiten   Hat man einen Teil von Ploners Sammlung in der Albertina bei den Abstrakten besichtigt, unternimmt man also in der Orangerie des Belvederes, gewissermaßen von diesem bemerkenswerten Sammler an der Hand genommen, einen äußerst spannenden Spaziergang durch die moderne Kunst. Der Katalog ist derselbe wie für die Albertina, und wer es nicht nach Graz in die Neue Galerie schafft, wo nächstes Jahr deren Teil der Schenkung ausgestellt wird, der weiß wenigstens zwischen Buchdeckeln, was Ploner sammelte – und wovon sich seine Gattin zu Gunsten der Allgemeinheit großzügig getrennt hat.

Orangerie im Unteren Belvedere: „Selbstverständlich Malerei! Sammlung Ploner“. Bis 27. September 2015, täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr

 

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