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WIEN / Belvedere: KLIMT IST NICHT DAS ENDE

23.03.2018 | Ausstellungen, KRITIKEN

WIEN / Belvedere / Unteres Belvedere:
KLIMT IST NICHT DAS ENDE
AUFBRUCH IN MITTELEUROPA
Vom 23. März 2018 bis zum 26. August 2018

Der künstlerische Reichtum der Zwischenkriegszeit

Es ist werbemäßig nicht ohne Raffinement, den Jahresregenten Gustav Klimt in den Titel einer Ausstellung zu setzen, die dann von ihm bloß vier Werke bringt und vordringlich die Epoche nach ihm dokumentiert. Dies geschieht derzeit im Unteren Belvedere. Dabei ist „Klimt ist nicht das Ende“ mit dem Untertitel „Aufbruch in Mitteleuropa“ zwar ein Gemeinschaftsprojekt von Ungarn, Belgien und Österreich, aber auch als Österreichs Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 gedacht. Ab September ist die Ausstellung in Brüssel im Rahmen der der EU-Ratspräsidentschaft Österreichs zu sehen.

Von Heiner Wesemann

1918 – das Ende von so vielen     1918 endete der Erste Weltkrieg und damit die Donau-Monarchie. Die Herrschaft Habsburgs, die 700 Jahre gewährt hatte, wich der Ersten Republik Österreich – auf reduziertem Territorium, umgeben von Nachfolgestaaten. Es starben Klimt, Schiele, Otto Wagner, Koloman Moser. Von Klimt, hier letztendlich doch als Endpunkt begriffen, zeigt das Belvedere vier Werke aus seiner letzten Schaffenszeit, davon zwei seiner Frauenporträts: Johanna Staud und Amalie Zuckerkandl, deren Kleid er nicht mehr ausgeführt hat.

Bilder vom Krieg     Wobei die von Alexander Klee kuratierte Ausstellung zuerst noch in den Ersten Weltkrieg zurückblendet, der besonders von Künstlern in seiner ganzen Schrecklichkeit eingefangen wurde: Kriegsgräuel (Kubin!), aber auch Kriegsalltag. Da zeigt ein besonders schönes Schiele-Blatt einen bosnischen Kriegsgefangenen, da malte László Mednyánszky die traurige Weihnacht der Kriegsgefangenen. Dergleichen bringt man nicht politisch wertfrei auf das Papier oder die Leinwand, dahinter steht die Aussage. So, wie Hanaks „Ecce Homo“ nackt und lebensgroß dasteht (die Ausstellung bietet viele Gemälde und einige Skulpturen). Nach dem Krieg herrschte dann das Gefühl, Altes hinter sich gelassen zu haben und Neues beginnen zu können. Und doch: Anfang der dreißiger Jahre malte Wilhelm Thöny „Kaiser Franz Joseph im Wiener Prater“. Vielleicht konnte man dann, in politischer Düsternis, wieder Sehnsucht nach früher haben…

Was kam danach?       Ein verändertes Europa sah sich mit neuer Politik – und neuer Kunst konfrontiert. Die Nationalitätenstaaten waren geboren, aber gerade die Kunst dachte kosmopolitisch. Eine neue europäische Identität wurde gesucht, die sich dann mit den jungen ambitionierten Künstlern länderübergreifend in viele Richtungen manifestiert hat. Stilistisch war Klimt tot und damit gewissermaßen auch der Jugendstil – das war die Avantgarde von gestern gewesen. Für die Tschechen und die Ungarn waren Alfons Mucha oder József Rippl-Rónai ähnliche „Väterfiguren“ gewesen, die es zu überwinden galt. Den Expressionismus gab es bereits (Werke Schieles kann man dazu zählen), jetzt konnte er sich voll entfalten: Einer der Hauptvertreter dieser neuen Sicht- und Darstellungsweise ist Oskar Kokoschka, dessen Arbeiten wie ein roter Faden die Sonder-Ausstellungsräume im Unteren Belvedere durchziehen. Fest steht allerdings, dass Wien den Monarchie-Status verloren hatte, Bezugspunkt und Zentrum der Kultur zu sein.

Die „-ismen“ der Nachkriegszeit     Viele –ismen werden beim Durchschreiten der Ausstellung bedient, wenn die neue Welt und das neue Bewusstsein reflektiert werden, vom Realismus bis zum Surrealismus und alles was dazwischen liegt, ein Abstecher führt zum Bauhaus, andere zur Abstraktionen. Eine Entwicklung voll von Brüchen, die aber auch den künstlerischen Reichtum ausmacht. Dass unter den rund 80 gezeigten Künstlern (Gesamtzahl der Exponate: 180) viele Ungarn, Tschechen und andere Künstler aus den Nachfolgeländern der Donaumonarchie zu finden sind, liegt am Konzept der Ausstellung. Nicht alle hier gezeigten Künstler sind einer breiten Öffentlichkeit bekannt – das macht die Auswahl noch interessanter.

Das Ende      Dass die politisch so schwierigen zwanziger und dreißiger Jahre künstlerisch so reich und vielfältig waren, wie hier gezeigt, fand sein Ende angesichts nationalsozialistischer Machtübernahme und des Zweiten Weltkriegs. Da legte die „Internationalität“ der Kunst eine Pause ein. Immerhin – man protestierte auch gegen den Totalitarismus, wie Helmut Herzfeld, der sich später John Heartfield nannte, mit der „Stimme aus dem Sumpf“. Aber er hatte auch rechtzeitig den Absprung in die Emigration geschafft…

Unteres Belvedere
KLIMT IST NICHT DAS ENDE
AUFBRUCH IN MITTELEUROPA
Bis 26. August 2018, täglich 10 bis 18 Uhr, Freitag bis 21 Uhr

 

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