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WIEN / Bank Austria Kunstforum: MESSENSEE

03.09.2013 | Allgemein, Ausstellungen

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WIEN / Bank Austria Kunstforum:
MESSENSEE
Vom 4. September bis zum 6. Oktober 2013  

Die hintergründige Erotik

Nur einen Monat lang zeigt das Bank Austria Kunstforum (das jetzt bereits ihre ab Mitte Oktober laufende Großausstellung Warhol / Basquiat bewirbt) das Werk von Jürgen Messensee, heimischer Altmeister mit unverkennbar eigenwilliger Handschrift. „Ich will nix sagen“, wehrte er in der Pressekonferenz ab. Im privaten Gespräch war er durchaus bereit, die Ausstellung in Auswahl und Präsentation als seine Eigenverantwortung (zusammen mit Kurator Florian Steininger) zu erklären: „Wenn ich nicht damit zufrieden wäre, wäre ich nicht da.“

Von Renate Wagner

Jürgen Messensee     Geboren 1933 in Wien, hat Jürgen Messensee Ende August seinen 77. Geburtstag gefeiert. Seine erste Einzelausstellung hatte er schon 1960 im Alter von 24 Jahren in Wien nach Vollendung seines Studiums an der Akademie der Bildenden Künste. Die gar nicht so oft anzutreffende Charakteristik „lebt und arbeitet in Wien“, bedeutet in seinem Fall nicht die Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Einzig in der Secession war er von 1973 bis 2000 Mitglied, aber das bedeutet keine stilistische Fixierung. Tatsächlich zählt er zu den „Modernen“, die Collage- und vor allem Drucktechniken in ihrem Werk verwenden, ohne dabei irgendwelche Vergleiche zu Zeitgenossen zu evozieren.

Die Infantinnen      Beachtung über die Kunstszene hinaus erzielte Messensee, als er 1993 im Kunsthistorischen Museum seine „Infantinnen“ in direkter Konfrontation zu jenen von Diego Velasquez ausstellen durfte, die ihn zu seinen Variationen inspiriert hatten. Obwohl solche thematische Zusammenhänge in der bildenden Kunst geradezu Tradition sind, zeigte das Unternehmen – zumal Messensees Ästhetik nichts mit der „Schönheit“ der spanischen Originale zu tun hat – einige provokante Kraft. Dass man seither an die Infantinnen denkt, wenn der Name Jürgen Messensee fällt, ist in unserer Medienwelt nicht zu vermeiden.

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Frauen aller Arten      Eine Infantin begrüßt die Besucher der Messensee-Ausstellung im Kunstforum der Bank Austria. Kennt man den Zusammenhang mit Velasquez nicht, man würde ihn nicht erahnen. Aber das Motiv „Frau“ wird nachdrücklich angeschlagen. Und kommt in allen erdenklichen Variationen wieder – drei rosa Münder, Porträts mit gespreizten Beinen (so man Reales aus dem Surrealen erkennen will), aber plötzlich auch spontan und geradezu erschreckend Anderes: „Design for Easy Living“ zeigt die Seitenansicht einer Frau, die fast noch ein Kind sein muss und die so gänzlich in einen Mantel mit Kapuze gehüllt ist, dass sie nur als Silhouette erscheint. Anderes kommt fast aggressiv auf den Betrachter zu – ein „Piscina di Venere“ ist eine riesige (über 2 x 3 Meter) große blaue Kreation, Inkjetprint und Acryl, so wie viele seiner Werke – Öl auf Holz ist nur ein Teil von Messensees Schaffen. Die so genannte „Metrofrau“ ist schließlich auch zu einem Messensee-Markenzeichen geworden, sechsfach füllt sie eine ganze riesige Ausstellungswand (wie seine Gemälde überhaupt grundsätzlich ziemlich groß sind): „Metro“ steht hier durchaus auch für U-Bahn, die Wände, die Graffiti, alles da.

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Gestalten am Kalender    Es mag viele nervöse Geschäftsleute geben, die auf ihren Tischkalendern oder in ihren Wochenkalendern herumkritzeln, aber bei Messensee, der dies gewissermaßen auch macht, wird die Sache aufwendiger und komplizierter durch die zahlreichen Druckverfahren, die er in die Entstehung seiner Werke einbezieht. Von der Realität von Wochentagen ausgehend, häuft er gewissermaßen Schichten über die Zeit. „Zeitschiebung der Spalt“ ist darum für ihn, so seltsam es klingt, eine ganz logische Bezeichnung…

Die „Trance“ des Schaffens     Die Bilder wirken leicht, sind aber nicht leicht entstanden. Ein Zitat wird immer wieder hervorgeholt, in dem Messensee sein Schaffen, das von jeglicher lockerer Improvisation weit entfernt ist, so nachdrücklich beschrieben hat, dass es wohl nicht besser ausgedrückt werden kann: „Vor allem anderen bedeutet das eine ungeheuerliche Anstrengung, die ich fast mit einem Trancezustand vergleichen möchte. Man tut alles, damit dieser Zustand eintritt. Und wenn er eintritt, dann kann auch etwas geschehen. Geschieht das nicht, dann passiert auch nichts, und das Ganze bleibt eine geradezu mechanische Angelegenheit. Man muss einen Zustand erreichen, bei dem die Mitteilung, die man zu machen hat, aus einem herausspringt wie angeblich die Athene aus dem Kopf des Zeus.“

Bank Austria Kunstforum, Freyung 8. Bis 6. Oktober 2013, täglich 10 bis 19 Uhr, Freitag bis 21 Uhr

 

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