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WIEN/ Amtshaus Brigittenau: OPERETTENKONZERT/ FILMMUSIK

Brigittenauer Operettenkonzerte,18.06.2013 im Festsaal des Amtshauses am Brigittaplatz

 Dieser Abend stand diesmal ganz im Zeichen der Filmmusik aus den dreißiger/ vierziger und fünfziger Jahren.

Unvergessene Tonfilm – Melodien von Franz DOELLE (1883 – 1965) und Werner BOCHMANN (1900 – 1993)ließen das Publikum in alte Erinnerungen schwelgen.

 Nicht wenige Babelsberger Kino – und Fernsehfilme – mehr als 3000 insgesamt – sind berühmt oder gar zur Legende geworden.

Doch Jahre nach Beginn des Tonfilms, wo man sich nicht nur mit Regie-, Bild – und Schauspielkunst zufrieden war, ergab sich für viele junge Komponisten, insbesondere unter der 23 Jahre führenden Leitung der UFA, die Chance für mehrere Filmproduktionen die Musik zu schreiben. Im Babelsberger Olymp gingen Götter wie Asta Nielsen, Henry Porten, Heinz Rühmann oder Hans Albers ihren Regiegeschäften nach. Die Ufa entwickelte sich parallel zu Hollywood zu einer Traumfabrik.

Die DEFA, 1946 gegründet, wurde dann nach der UFA zu einem volkseigenen Betrieb (VEB) bestimmt, und wurde aber vom einheimischen Publikum als eine Art Außenstelle von ehemaliger DDR – Regierung empfunden.

 Die Babelsberger Filmstudios haben nicht nur Filmgeschichte geschrieben, denn als die Nationalsozialisten im Januar 1933 an die Macht kamen, wehte hier ein neuer frischer Wind. Wo zwar wie am Fließband ein Film nach dem anderen gedreht wurde, aber diese Produktionen standen meistens unter einem politisch künstlerischen Einfluss, durch den der Film als Massenmedium ausgenutzt wurde und sich mit dem braunen Gedankengut wirksam propagieren ließ.

Ganz raffiniert und ganz ausdrücklich richtete sich der Film an linksorientierte Arbeiter, um sie für den Nationalsozialismus zu gewinnen. Eine neue Garde von Funktionären, Regisseuren und Stars trat an die Stelle derer, die Hitlers Rassenwahn zum Opfer gefallen waren, die aus dem Land vertrieben oder ihm freiwillig den Rücken gekehrt hatten.

 Kommerz und Kunst – Propaganda und Unterhaltung lautete die Devise!

Umso mehr ist es erstaunlich, dass gerade zu dieser Zeit Stars wie Hans Albers, Heinz Rühmann, Zarah Leander, Marika Rökk, Magda Schneider – um nur einige zu nennen –  in der deutschen Filmgeschichte zu unvergleichbaren und unvergessenen Stars wurden.

Auch die Wien Film 1939 – 1945 profitierte von der nationalsozialistischen Unterhaltungskultur, wo reichstreue Propagandafilme hervorgebracht wurden. Stars wie Paul Hörbiger, Hans Moser, Fred Liewehr, Hans Holt, Attila Hörbiger, O.W. Fischer, Hans Prack, Wolf Albach – Retty, Käte Dorsch, Susi Nicoletti, Paula Wessely, Anny Rosar, Marte Harell, Jane Tilden, Inge Konradi. Die Liste wäre lang, wenn über alle berichtet würde, die unter dem braunen Regime zu absoluten Publikumslieblingen wurden.

 Nun die Zeit war sicherlich für viele Künstler kein Wunschkonzert, aber das gerade auch in dieser Zeit die Filmmusik ihre Blüte fand, dass man hier oft auch unter den absurdesten Bedingungen versuchte, professionelle Unterhaltungskultur zu schaffen, ist all jenen zu verdanken, die weniger dem politischen, sondern doch eher dem künstlerischen Gedankengut dienten und somit Großartiges hervorgebracht haben.

 Doelle und Bochmann haben zwar ganze musikalische Arbeit geleistet, aber vielleicht auch in ihrem politisch naiven Denken, unbewusst Schlager komponiert, die zwar der Zeit angepasst, aber für die heutige Zeit doch eher abgedroschen klingen und zu den kitschigsten Klischees einer verlogenen Unterhaltungsbranche zählen. Wobei man außerdem auch versucht, in der heutigen Unterhaltungsindustrie all diese Musik zu verdrängen, wenn möglich erst gar nicht mehr zu spielen.

 Thomas SCHMIDT greift hier nicht nur ein heikles Thema an, sondern erzählt in seiner Konferenz auch die positiven Seiten einer Zeit , deren künstlerischen Werte Priorität haben, und dass eben jede Zeit ihre politisch negativen Seiten hat, aber dass selbst gerade in den schlechtesten Zeiten, wo Hunger und Armut herrscht, der alleinige Hoffnungsträger in der Unterhaltung zu finden ist.

 Seinerzeit waren die Berliner Theater, Varietees, Kleinkunstbühnen und Kinos derart überfüllt, sodass man kaum noch einen Sitzplatz bekam. Heute durch die Unterhaltungsindustrie derart übersättigt, sind Kleinkunstbühnen und Kinos halb leer. Die aggressive und arbeitlose Jugend hat andere Interessen und Sorgen, sitzt dafür lieber am Computer und berauscht sich mit Animationen von Gewaltspielen, oder vergnügt sich auf dem Donauinselfest mit derart primitiver Unterhaltung, weil das alles wie gesagt Mega – und supergeil ist!

 Wir leben zwar nicht im Krieg, denn unser Krieg in Europa ist ein anderer, der nur noch durch Gewalt, Gier, Habgier, Korruption, Dummheit und Konsumdenken beherrscht wird. Die Gewalt wird uns frei Haus geliefert und das entwickelt ein gehöriges Potential an Aggressionen, und bei labilen Menschen zu einer gewissen Gewalttätigkeit.

 Also schwelgen wir ruhig zumindest musikalisch in eine Zeit, die wenn der weiße Flieder wieder blüht auf seine Art und Weise das Gemüt erregt.

Oder der Weltschlager „Komm’ doch ein bisschen mit nach Madrid“ (Viktor und Viktoria 1934) mögen doch so manchen Kinobesucher seinerzeit in eine Phantasiewelt versetzt haben, um die Realität des Bösen zu vergessen.

Daher auch der Titel „Kinozauber“ wo an diesem Abend die Tonfilmmelodien, in scherzhafter und musikalischer Form interpretiert von Anna GÖHR und Katrin KRIEGL, wo aber doch allein der Name sehr passend diese Zeit des Schreckens und Grauens doch eher verharmloste. Denn ohne Kinozauber hätten viele Frauen, deren Männer in den Krieg geschickt wurden undviele auf dem Schlachtfeld ihr Leben lassen mussten, wahrscheinlich diesen letzten Weltkrieg nicht überlebt.

 Ebenso auch Werner BOCHMANNS Filmkompositionen lassen erahnen „die Suche nach dem großen Glück“ wo alles Wunschdenken doch letztendlich in einer Traumfabrik und in der Musik zu finden ist.

„Die kleine Stadt will schlafen geh’n“ Lied und Slowfox oder „Gute Nacht, Mutter“ die Thomas Schmidt schon beinahe melodramatisch in Szene setzt, ebenso auch interpretieren lässt, scheint hier doch neben den vielen anderen humorvoll musikalischen Schmankerln, doch viele Dinge erahnen von denen wir heute keine Vorstellungen mehr haben.

 Da freut es einen dann ebenso wenn hier „Der Theodor im Fußballtor“ von Thomas Schmidt übrigens köstlich interpretiert, für gute und erfrischende Laune sorgt. Wo hier übrigens auch bei Schmidt eine positive stimmliche Entwicklung zu beobachten war.

Musikalisch wurde das Dreierteam schwungvoll begleitet von Manfred SCHIEBEL, wo unter anderem auch die Malerin Caroline KÖBERL zu erwähnen wäre, die freundlicherweise für eine bühnenbildnerische Szene ihre Bilder zur Verfügung gestellt hatte.

 Heimat, deine Sterne aus dem Film „Quax der Bruchpilot“ (1942) mit Heinz Rühmann, wo sind deine wahrhaften und wirklichen Sterne?

Die Zeit heilt offenbar alle Wunden – wenn wir als Zeitvertreib alle Hoffnungen und Wünsche in der Unterhaltung versuchen zu finden. Diese Art von Verdrängungsmechanismen hat offenbar durch Jahrhunderte funktioniert – wo aber insbesondere der kulturelle Wert einer heutigen Spaßgesellschaft doch eher verloren gegangen ist.

 Dieser Abend war vielleicht ein Denkanstoß, aber in erster Linie diente er der Unterhalt die durchaus gelungen ist.

Manuela Miebach

 

 

 

 

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