Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN / Albertina: RUDOLF VON ALT UND SEINE ZEIT

18.02.2019 | Ausstellungen, KRITIKEN
WIEN / Albertina / Tietze Galleries:
RUDOLF VON ALT UND SEINE ZEIT
Aquarelle aus den Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein
Vom 16. Februar 2019 bis zum 10. Juni 2019 

Die große Kunst der kleinen Form

Gemälde und Skulpturen sind der spektakuläre Ausdruck der Kunst. Dass die „kleine Form“ des Aquarells nicht minder kostbar ist, haben Kunstfreunde und Sammler immer gewusst. Darum bietet die Albertina, die nun Beispiele aus der außerordentlichen Kunstsammlung der Fürsten von Liechtenstein zeigt, neben den „großen“ Werken auch noch eine Ausstellung, die 90 außerordentliche Beispiele vor allem des 19. Jahrhunderts präsentiert (ausgewählt aus den rund 1000 besten Aquarellen dieser Epoche aus Liechtenstein’schem Besitz). Eine Kostbarkeit für sich, die einen eigenen Besuch wert ist.

Von Heiner Wesemann

Als es noch keine Fotografie gab   Die „Aquarelle“-Ausstellung der Liechtenstein-Schätze, die sich Rudolf von Alt als Signatur-Namen gewählt hat, beginnt mit diesem: Fürst Alois II. und seine Gattin, Fürstin Franziska, hatten das logische Bedürfnis, nicht nur sich selbst, sondern auch die Welt, in der sie lebten, zu dokumentieren. Dass die Atmosphäre der Räume, dass die darin befindlichen Möbel und Kunstwerke auch mit absoluter Genauigkeit abgebildet wurden, dafür war Rudolf von Alt ein Garant. Seine Innenansichten fürstlicher Palais geben biedermeierliche Home-Stories, die in scheinbar bescheidenen Zeiten von höchstem Prunk erzählten. Natürlich reisten die Künstler auch – es gab schließlich die Liechtenstein-Schlösser in Eisgrub und Felsberg, die gleichfalls zu dokumentieren waren.

Biedermeier in Stadt und Land     Die großen Maler des Biedermeier, die nicht nur in Öl, sondern auch mit großer Vorliebe mit Wasserfarben malten, liefern der Nachwelt Stadtansichten, für deren Kenntnis man nur dankbar sein kann. Viele von ihnen sind gereist, haben den Süden in leuchtenden Farben wiedergegeben, schwelgten in den Ruinen der Antike und Küstenlandschaften. Doch sie liebten auch die heimischen Landschaften, die Berge, Seen und Wälder – Joseph Höger, der Zeichenlehrer der Liechtenstein- Kinder war, hat hier Bedeutendes geleistet, desgleichen Thomas Ender, der Kammermaler von Erzherzog Johann.

Fürstlich-bürgerlicher Alltag     Natürlich hat man nicht nur die Fürsten in repräsentativen Ölgemälden (in voller Pracht, mit ihren Orden) dargestellt, sondern auch Szenen aus der Familie malen lassen – Eltern mit Kindern, spielende Kinder, Miniaturporträts. Viele Aquarelle sind auch Vorstudien zu Ölgemälden. Als besondere Kostbarkeit empfindet man das Skizzenbuch von Peter Fendi, der diese kleinen Genreszenen zur Meisterschaft erhob.

Botanik und Zoologie   Und schließlich war es auch der wissenschaftliche Aspekt, der das Zeitalter prägte: Blumen, Tiere, Muscheln mit höchster Detailgenauigkeit darzustellen, galt als Herausforderung, der sich selbst ein Mann wie Moritz Michael Daffinger unterzog. Die Buntheit und Vielfalt dieser „kleinen“ Welt des Aquarells, die auffordert, sich bewundernd ins Detail zu vertiefen, macht verständlich, warum echte Kenner hier zu leidenschaftlichen Sammlern wurden.

Albertina: Rudolf von Alt und seine Zeit.
Aquarelle aus den Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein
Bis 10. Juni 2019, täglich von 10 bis 18 Uhr, Mittwoch und Freitag bis 21 Uhr

 

Diese Seite drucken