
Wien / Albertina / Basteihalle:
PICASSO – BACON
WHAT IT FEELS LIKE TO BE HUMAN
Vom 18. September 2026 bis zum 31. Jänner 2027
Treffen der Spitzenstars

Man wolle nicht die teuersten Künstler unserer Tage zeigen, sondern Gemeinsamkeiten und Gegensätze heraus arbeiten, meinte Albertina-Direktor Ralph Gleis bei der Präsentation der Ausstellung „Picasso – Bacon“. Und doch ist es genau diese Parade der Superstars geworden, die in einer beeindruckenden Fülle von Werken, viele spektakulär großformatig, hier vertreten sind. Und zu den teuersten zählen sie auch – Picasso mit reisen bis zu 190 Millionen Dollar, Bacon immerhin bis zu 142 Millionen Dollar, die auf Auktionen erzielt wurden. Die Leuchtkraft ihrer Namen wird der Albertina im Jahr ihres 250 Bestandes zweifellos einen Publikumshit bescheren.
Von Renate Wagner

Picasso und Bacon Der Spanier Pablo Picasso (1881-1973) und der Brite Francis Bacon (1909-1992) hätten von ihren Lebensdaten her zwar die Gelegenheit gehabt, einander zu begegnen, aber es kam nie dazu. Picasso als die übergroße Vatergestalt der modernen Kunst hat allerdings bei dem jungen Bacon quasi die Initialzündung für das eigene Künstlertum ausgelöst. Der britische Kurator Michael Peppiatt, über Jahrzehnte ein intensiver Beobachter und Kommentator von Bacons Werk, konnte aus erster Hand berichten, dass Bacon Picasso gewissermaßen immer im Hinterkopf gehabt hätte.

Überwältigende Fülle Die Albertina Ausstellung konnte rund 70 Werke buchstäblich aus aller Welt zusammen tragen (die Zeiten, wo man nicht mehr borgen – und verborgen – konnten, sind glücklicherweise vorbei), Museen und Privatsammlungen von Chicago über Mexico-City bis London, Paris und Stockholm, auch die Familie Picasso ist unter den Leihgebern, verhalfen zu teils atemberaubenden Leihgaben- An ihnen erforschen sich nun die Gemeinsamkeiten der Künstler, wenn Ralph Gleis auch eher von einem „Schlagabtausch“ sprechen will. Der Doppel-Parcours ist übrigens so reichhaltig, dass er für zwei Einzelausstellungen über den jeweiligen Künstler gereicht hätte. Aber die Konfrontation nach thematischen Schwerpunkten ist natürlich noch spannender.

Das Gemeinsame Tatsache ist jedenfalls, dass ihr Blick vor allem auf den Menschen, in Porträts, von ähnlichem Zugang zeugt: Kein realistisches Abbild, sondern auch dort, wo sich die Gesichter zerlegen, verzerren, verschwimmen, die eindeutige Suche nach dem tieferen Wesen. Beide abstrahieren, aber nur selten bis zur Unkenntlichkeit, der Kern des Gezeigten bleibt sichtbar und fühlbar, sie sind die großen „Figurativen“ des 20. Jahrhunderts. Bacons Aussage „What It Feels Like to Be Human“, die man als Untertitel der Ausstellung gewählt hat, gilt für beide Künstler, die nie das „Schöne“, aber immer das Schmerzliche, Fragwürdige, Tragische des Lebens aufblättern. Picassos Gnadenlosigkeit offenbart sich auch beispielsweise in schaurig abgeschlagenen drei Lammköpfen oder in einer Studie zu „Guernica“.

Form und Farbe Die Unterschiede werden allerdings auch deutlich. Bei Picasso kann man für einen Großteils des Werks von exakten Umrissen (wenn auch nicht exakten Abbildern) sprechen, von klaren, oft offensiven Farben. Bei Bacon verschwimmt vieles, auch in Düsterkeit, Zwielicht, und wenn er, wie Picasso, die Bewegung ins Zentrum stellt, wird auch diese diffus (wo Picasso dann eben zwei Nasen hinsetzt).

Eine Herausforderung Es ist, wenn man genau hinsieht, keine erbauliche Ausstellung, zu der man in das Kellergeschoß der Albertina, die „Basteihalle“, hinab steigt. Das Schöne, das die Kunst so lange beherrscht hat (und auch seine schönen Seiten hat!), wird ausgespart. Aber wie zwei große Künstlerpersönlichkeiten die Welt sahen und gestalteten, das sollte man sich in dieser Zusammenstellung nicht entgehen lassen.
Albertina / Basteihalle
PICASSO – BACON.
WHAT IT FEELS LIKE TO BE HUMAN
Vom 18. September 2026 bis 31. Jänner 2027
Täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr
Mittwoch und Freitag von 10.00 bis 21.00 Uhr

