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WIEN / Albertina modern: TANZBILD

Die Bewegung im Moment

04.03.2026 | Ausstellungen, KRITIKEN

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WIEN / Albertina modern: 
TANZBILD
Vom 3. März 2026 bis zum 7. Juni 2026 

Die Bewegung im Moment

Im Grunde sind Tanz und Fotografie extrem widersprüchliche Medien. Der Tanz besteht in kontinuierlicher Bewegung, die Fotografie ist statisch, indem sie einen Augenblick festhält, also Bewegung zum Stillstand bringt. Und dennoch hat gerade die Tanzfotografie ganz erstaunliche Ergebnisse gezeitigt, wie die Albertina derzeit im Untergeschoß ihrer Albertina modern-Dependance im Künstlerhaus zeigt.

Von Renate Wagner

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Das Wühlen in den Fotos     Seit Ralph Gleis die Albertina leitet, hat er es zum Prinzip gemacht, die eigene Sammlung in allen ihren Bereichen gründlich zu durchforsten und nach Schwerpunkten zu durchkämmen. Das betrifft auch die mit rund 110.000 Werken reich bestückte Fotosammlung des Hauses. Hier ist vieles zu finden – und Kuratorin Astrid Mahler hat anhand von 120 Beispielen Material zum Thema Tanzfotografie, von den Anfängen der Fotografie in die zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die späten 30er Jahre des 20. Jahrhunderts, zusammengetragen, womit gleicherweise die Entwicklung der Tanzformen, der Tanzfotografie gezeigt wird wie man auch berühmten Namen dieser Kunst begegnet.

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Die schöne Pose     Zu Beginn der Fotografie gab es für Tänzer nur dieselbe Möglichkeit wie für jeden anderen Menschen und Künstler auch: Man ging ins Atelier eines Fotografen und ließ sich in selbst gewähltem Aufzug und selbst gewählter Pose, oft in  Kostümen, ablichten. Das allerdings war schon der Beginn des „Starfotos“ für Schauspieler ebenso wie für berühmte Tänzer, und die Fans sammelten diese Aufnahmen, klebten sie auch in Alben, „In Aktion“ konnte man Bewegung erst mit der Weiterentwicklung der Kameras (als die Belichtungszeiten kurz wurden) festhalten. Nun war es möglich, quasi bei Auftritten mitzufotografieren.

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Vom Ballett zum freien Tanz    Mit Isadora Duncan begann der Siegeszug der freien Bewegung jenseits der klassischen Tanzformen, und da zeigen die Fotos dann auch die Originalität der Künstler und ihrer Darbietungen, etwa die Performances, mit denen eine Josephine Baker auch in Wien gastierte. Und zumal im Wien des Fin de Siècle bezog den Tanz als Kunstform in die Gesamtentwicklung ein. Eines der wahrscheinlich berühmtesten Fotos der Tanzgeschichte zeigt die drei Schwestern Berta, Elsa und Grete Wiesenthal mit Blütenkränzen im Haar mit ekstatischem Gesichtsausdruck und ausgebreiteten Armen im Sprung – da ist auch in „gefrorenen“ Bild die ganze Bewegung enthalten. Hier spürt man auch, wie viel „Befreiung“ in dieser Kunst damals lag.

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In diese Epoche fällt auch ein interessantes Foto, das nur peripher mit Tanz zu tun hat und doch hierher gehört. Denn der Künstler Egon Schiele „posiert“ als Person, besonders durch die Haltung seiner Hände – Händen galt ja, wie man weiß, auch immer sein besonderes Interesse.

 

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Eine weibliche Kunst    Es gab berühmte Tänzer, aber noch mehr berühmte Tänzerinnen. Tanz war gerade in der gezeigten Epoche eine „weibliche“ Kunst – wie übrigens auch die Fotografie. Viele berühmte Ateliers wurden von Frauen geführt, und bei Madame d’Ora etwa fanden sich unter den Künstlerinnen auch Tänzerinnen ein, so wie die große Anna Pawlowa, wobei hier das Interesse des Betrachters weniger von der Pose als von dem ungemein ausdrucksvollen Gesicht gefangen genommen wird. Stand die Pawlowa noch für das große Ballett, schritten die Künstlerinnen nach dem Ersten Weltkrieg zur offenen körperlichen „Befreiung“, von der exzentrischen Bewegung bis zum Schockelement der totalen Nacktheit auf der Bühne und auf den Fotos – Anita Berber empörte  ihre Mitwelt geradezu. Mary Wigman in seltsam verrenkter  Pose ziert das Plakat der Ausstellung.

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Aber der Film    So interessant die Fotografien sind, so handelt es sich doch um viele Kleinformate und alle in Schwarzweiß (in der Farbe gräulich, bräunlich, beige und oft des Alters wegen nicht mehr deutlich), also hat man als Blickfang auch einige bunte, spektakuläre Plakate in die Ausstellung aufgenommen. Dass aber der Film jenes Medium war, das dem Tanz (im weitesten Sinn) am nächsten kam, beweist das einzige Beispiel im letzten Raum: Da sieht man Valeska Gert, die 1925 in pantomimischen Rollentänzen eingefangen ist, eine Performance von schillernder Nostalgie.

WIEN / Albertina modern im Künstlerhaus am Karlsplatz:: 
TANZBILD
Vom 3. März 2026 bis zum 7. Juni 2026 
Täglich von 10 bis 18 Uhr

 

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