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WIEN / Albertina: MICHAEL HOROWITZ

01.03.2020 | Ausstellungen, KRITIKEN

WIEN / Albertina / Galerie in der Basteihalle:
MICHAEL HOROWITZ
Vom 28. Februar 2020 bis zum 13. April 2020

Gemma Promis schau’n!

Michael Horowitz, Jahrgang 1950 und unentwegt aktiv, war pudeljung, als er sich in den späten sechziger und siebziger und achtziger Jahren in die Promi-Szene Wiens stürzte. Mit seiner Schwarzweiß-Kamera war er dabei, wurde akzeptiert und konnte erstaunliche Fotos machen. Immer wieder hat man seine Bilder gesehen, zuletzt im Jüdischen Museum. Nun ist er im Kellergeschoß (der Basteihalle) der Albertina gelandet, wo es unter dem schlichten Titel „Michael Horowitz“ vor allem Fotos aus der Wiener Kulturszene zu sehen gibt. Ein Eindruck, der sich sofort einstellt: Wie jung sie alle damals waren!

Von Renate Wagner


Alle Fotos gehören rechtlich Michael Horowitz und wurden in der Ausstellung fotografiert

Michael Horowitz   Er war und ist immer da, unermüdlich, ein Vierteljahrhundert leitete er das „Kurier“-Magazin und machte daraus eine vor allem fotografisch anspruchsvolle Beilage. Seither schreibt er seine kulturhistorischen Essays für die „Presse“, im übrigen war er vielen großen Österreichern (von Karl Kraus und Egon Erwin Kisch bis Qualtinger) biographisch auf der Spur. Und verwertete immer wieder seine weit vernetzten Beziehungen zu den Künstlern des Landes. Man sollte nicht glauben, dass er nur in der Vergangenheit unter ihnen zuhause war. Auch wenn die derzeitige Albertina-Ausstellung – nur ein Raum, die seitliche „Galerie“ im Keller – vor allem in die Geschichte zurückgeht: Friederike Mayröcker sitzt 2019 inmitten ihres Papier-Chaos, in dem wahrscheinlich nur sie sich auskennt…

Immer dabei     Er hat schon als 15jähriger seine Kamera gezückt, damals als es in Wien zu den Protesten gegen den antisemitischen Professor Taras Borodajkewycz kam, und er war 18, als er in New York Kiki Kogelnik besuchte und in ihrer „Seltsamkeit“ einfing. Er fotografierte für den „Spiegel“ die Muehl-Kommune, und er hatte früh Kontakt zu den schnell berühmt werdenden Künstlern von Gugging. Er hielt Simon Wiesenthal vor einer Deutschland-Karte fest, die die KZs einzeichnete, und Arnulf Rainer als „Blackface“, was selbst dieser heute nicht mehr wagen dürfte… Horowitz war dabei, als 1969 John Lennon und Yoko Ono in Wien aus dem Flugzeug stiegen, und auch, als 1980 Andy Warhol in Wien die Dichand-Tochter porträtierte – Horowitz dokumentierte.

Dabei will er in dieser Ausstellung doch nicht gänzlich ausschließlich die „Promis“ wissen – es ist ein berührendes Foto, das alte Frauen zeigt, die im Bellaria Kino (mittlerweile auch Geschichte…) auf einen Film aus der „guten, alten Zeit“ warten.

Wer berühmt war oder es wurde   Ein junger Niki Lauda, dem man ansieht, wie entschlossen er ist, es zu schaffen; ein breit grinsender Arnold Schwarzenegger; eine junge Senta Berger, die immer wusste, wie sie sich am schönsten präsentiert. Alfred Hrdlicka, der provokant ein Riesenrohr zwischen den Beinen hält, und Qualtinger, der einen verlogenen Weihnachtsmann (oder Heiligen Drei König an der Seite von Fatty George und Al Fats Edwards) grinst…

Udo Proksch, als er noch nicht lebenslang im Gefängnis saß, sondern die Wiener Szene (vor allem die Politszene) aufmischte, während seine Erika Pluhar auf geheimnisvoll-dämonisch machte. Die Leherbs, die sich so effektvoll in Szene setzten, er so verrückt, die Lotte so blond… Brandauer, den Horowitz erwischt hat, wie er über den See ruderte. Aber im Grunde sind die „poetischen“, die stillen Fotos die schönsten: Thomas Bernhard, noch so jung, auf einem Fahrrad. Und – wenn man sein Lieblingsfoto wählen dürfte: ein ganz einsamer Oskar Werner im Kaffeehaus…

Albertina / Galerie in der Basteihalle:
MICHAEL HOROWITZ
Bis zum 13. April 2020,
täglich 10.00 bis 18.00 Uhr,
Mittwoch und Freitag 10.00 bis 21.00 Uhr

 

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