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WIEN / Albertina: HERMANN NITSCH

17.05.2019 | Ausstellungen, KRITIKEN

 
Fotos: Wagner

WIEN / Albertina / Basteihalle:
HERMANN NITSCH: Räume aus Farbe
Vom 17. Mai 2019 bis zum 11. August 2019

Der Maler, der Musiker…

Eine Ausstellung wie diese ist auf Überwältigung angelegt. Die Albertina hat ihre prachtvolle Schau moderner Kunst im Untergeschoß ausgeräumt und etwas nicht weniger Spektakuläres dafür in die Räume „eingepasst“: den Maler Hermann Nitsch, großformatige Werkzyklen, die in Farbigkeit aber auch Formenreichtum gewaltig auf den Betrachter zukommen. „Nitsch: Räume aus Farbe“ nennt die Albertina diese Ausstellung, die Direktor Klaus Albrecht Schröder zum 80. Geburtstag des Künstlers ausgerichtet hat.

Von Renate Wagner

Hermann Nitsch    Er ist ein Aufreger für seine Umwelt, eine Reibebaum für alle, für seine ekstatischen Bewunderer ebenso wie für seine Zweifler. Vor allem ist Hermann Nitsch, geboren am 29. August 1938 in Wien, als „Aktionist“ bekannt, Veranstalter seiner unikaten, mit katholisch-religiösen Accessoires bestückten Orgien-Mysterien-Spiele. Und vielfach herrscht auch die Meinung, seine „Schüttbilder“ (Blut auf Leinwand) seien willkürlich und ohnedies immer „dasselbe“. Mit dieser Ausstellung, die sich auf seine Malerei (plus Musik) konzentriert, will Klaus Albrecht Schröder (Kuratorin: Elsy Lahner) klar machen, wie vielfältig der Zugang Nitschs zur Malerei an sich ist. Der Künstler selbst bedankte sich bei der Pressekonferenz sehr für diese „Konzentration auf das Optische“, unabgelenkt von den üblichen Diskussionen.

 

Malerei pur     Also zeigt die Ausstellung nur Bilder, alle im Riesenformat, Zyklen, und lässt das übliche Beiwerk von Nitsch-Ausstellungen bewusst vermissen. Mit Ausnahme einer Videowand in einem Seitenraum, wo man dann Eingeweide und Blut aus den Aktionen betrachten kann – der typische Nitsch, den diese Ausstellung transzendiert. Im übrigen erlebt man ihn nun in einer Farbigkeit, die über das „Rot“ von „Blut“ oder „blutrot“ weit hinausgeht, da bestrickt Schwarz ebenso wie Gelb, und selbst dort, wo Farbe zuerst auf Leinwand „aufrinnt“, hat der Maler ihr dann noch (und sei es mit den Fingern) bewusste Bearbeitung zukommen lassen. Die oft geäußerte Idee, Nitschs Werk sei „unveränderlich“, will Schröder hier als Vorurteil weggewischt finden.

Verschiedene Ereignisse      Saal für Saal kann man an den Wänden lesen, in welchem Kontext – Malaktionen, Theateraktionen, Relikte, Springbrunnenbilder – die einzelnen Werkgruppen entstanden sind. Man umfasst hier mit rund 100 Werken nicht weniger als die Zeitspanne von den sechziger Jahren bis heute. So zeigt sich etwa die „Kathedrale der Farben“ (im Rahmen seiner bisher größten Malaktion, 2009 in seinem Museum in Mistelbach) in einer Buntheit, die man nicht mit dem doch schon recht verfestigten Nitsch-Klischee verbinden. Da wird nun „Sprengungs“-Arbeit geleistet. Besonders wichtig ist, abgesehen vom historischen Zusammenhang der Entstehung, für den Besucher aber der Stimmungsgehalt der Werke: Das ist es, was letztlich überwältigt.

Und der Musiker…   Wie wichtig ihm immer die Musik sei, betonte Nitsch auch bei der Pressekonferenz. All seine Aktionen sind mit Musik begleitet, er selbst ist Komponist, freut sich darauf, dass die Albertina im Rahmen dieser Ausstellung am 29. Mai sein „Streichquartett Nr. 2“ uraufführen wird, ein Werk, dem besondere „Sprengkraft“ vorausgesagt wird. Entscheidend zum Eindruck der „Bilder“-Ausstellung trägt aber bei, dass in allen Sälen (in unterschiedlicher Lautstärke) Nitsch-Musik läuft und den Betrachter nicht nur in Farben, sondern auch in Klänge eintaucht.

Albertina / Basteihalle:
NITSCH. Räume aus Farbe
Bis 11. August 2019, täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch und Freitag bis 21 Uhr

 

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