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WIEN / Albertina: HELEN LEVITT

14.10.2018 | Ausstellungen, KRITIKEN

WIEN / Albertina / Tietze Galleries:
HELEN LEVITT
Vom 11. Oktober 2018 bis zum 27. Jänner 2019

Ein Auge für die Wirklichkeit

Die Albertina setzt ihre Ausstellungen zum Thema Fotografie beharrlich fort (sie sind ja auch, wie er selbst immer wieder betont, ein besonderes Anliegen von Direktor Klaus Albrecht Schröder). Die Arbeiten von Helen Levitt sind dabei besonders interessant – eine Künstlerin der Street-Photography, die ein unbestechliches Auge für die Wirklichkeit hat und mit keinem einzigen ihrer Bilder (die Albertina hat 130 ausgewählt) je Gefahr läuft, irgend einen geschminkten Glamour darüber zu legen…

Von Renate Wagner

Helen Levitt    Geboren 1913 in Brooklyn, Tochter litauischer Einwanderer, hat Helen Levitt früh Fotografie als Handwerk gelernt. Dass man sie als Kunst betreiben kann, gerade, auch wenn man „nur“ die Zeit dokumentiert, wurde ihr nicht zuletzt nach der Bekanntschaft mit Henri Cartier-Bresson klar. New York war der bevorzugte Schauplatz der Fotografin, die in die Straßen ging, um das Leben einzufangen. Schon mit Mitte 20 veröffentliche sie in Zeitschriften, mit 30 hatte sie ihre erste Einzelausstellung, in den sechziger Jahren konnte sie mit Hilfe von Guggenheim-Stipendien arbeiten. Sie nahm an der „documenta“ teil, erhielt Preise und gilt heute als eine Meisterin ihrer spezifischen Kunst. Helen Levitt ist hoch betagt 2009 in New York gestorben und hat es geschafft, so sehr hinter ihrem Werk zurück zu treten, dass man von ihr als Privatperson sehr wenig weiß.

Blick auf die Menschen     Kurator: Walter Moser hat die Objekte (es handelt sich, bevor man am Ende zu den Farbfotos kommt, um kleinformatige Schwarzweißbilder) durch große Bilder an den Wänden oder „Schmankerln“ aufgeputzt: Ein Negativstreifen erinnert daran, dass das alles noch „analog“ war, Filmspulen in Kameras eingelegt wurden – was man im digitalen Zeitalter längst vergessen hat… Grundsätzlich wird klar, dass es Menschen sind, die die Fotografin Helen Levitt mit ihrer Kamera einfing – wofür sie auch manchen kritischen Blick ihrer Objekte zugeworfen bekam. Aber es steht außer Zweifel – so alltäglich der Alltag sein mag, den sie damit zeigte, nie ist ihr Blick auf Menschen denunziatorisch oder herablassend. So ist es, scheint sie zu sagen, urteilsfrei und aussagestark stehen die Fotos dar. Wenn es zu den wenigen bekannten Tatsachen gehörte, dass Helen Levitt kommunistisches Parteimitglied war, erklärt sich daher ihr ausschließliches Interesse an den nicht Reichen und nicht Schönen.

Geschichten erzählen     Immer wieder erzählen die Fotos von Helen Levitt Geschichten. Was will man sich zu all den alten Damen ausdenken, die so skurril und dabei selbstverständlich in ihrer Existenz ruhen. Und wie viel sagt ein U-Bahn-Foto aus, das keinesfalls „gestellt“ ist: eine Frau, „black“, und ein Mann, „caucasian“, wie die Amerikaner zu den Weißen sagen, beide erstarrt angesichts der Tatsache, dass sie nebeneinander sitzen. Jeder hat ein Kind bei sich – und im Gegensatz zu dem Unbehagen, das die beiden Erwachsenen ausstrahlen, scheint der weiße kleine Junge an seinem „anderen“ Gegenüber hoch interessiert… Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Themenschwerpunkte   Die Fotos von Helen Levitt werden in den diversen Räumen nach Schwerpunkten präsentiert – die Bilder aus der U-Bahn, die Straßenszenen, die spielenden Kinder, „Gesten“, Bilder aus Mexiko, die sich im Ansatz und im Inhalt kaum von den Amerika-Fotos unterscheiden (außer dass das Ambiente eben „mexikanisch“ ist), und auch jene Fotos werden berücksichtigt, wo sich der Alltag surreal verfremdet, einfach durch den Zufall von Posen, Gesten und Blickwinkel. Es sind viele Details zu erschauen, wenn man durch die Ausstellung geht.

Die Welt wird bunt     Wie man im Leopold Museum parallel bei Madame d’Ora sehen kann, hat sich auch Helen Levitt der Farbfotografie zugewendet, und da sie es ab 1959, in der Frühzeit dieser Entwicklung, tat, war sie eine Pionierin. Sie hat ihre Sujets nicht grundlegend geändert, aber durch die Farbe dann auch tatsächlich „Farbigkeit“ im Ausdruck gewonnen.

Zeit für einen Film     Und dann gibt es noch die Filmemacherin und Kamerafrau Helen Levitt, die sogar kurze Zeit mit Luis Bunuel arbeitet, von dem man als Beispiel in einem Raum der Ausstellung den Kurzfilm „In the Street“ betrachten kann (was vom Publikum stark wahrgenommen wird). Auch das Filmmuseum widmet sich im Zusammenhang mit ihrer Ausstellung ihrem Werk.

ALBERTINA:
Helen Levitt
Vom 11. Oktober 2018 bis zum 27. Jänner 2019, täglich von 10 bis 18 Uhr, Mittwoch und Freitag bis 21 Uhr  

 

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