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WIEN / Albertina: GUNTER DAMISCH

18.06.2013 | Allgemein, Ausstellungen

  

WIEN / Albertina / Pfeilerhalle: 
GUNTER DAMISCH: „Macro Micro“
Vom 19. Juni 2013 bis zum 22. September 2013  

Groß, klein, magisch

Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder meint eine Verschiebung des Publikumsinteresses in Richtung Gegenwartskunst zu erkennen. Dem trägt er Rechnung, indem er neben Gottfried Helnwein nun gleichzeitig einen zweiten lebenden Österreicher ausstellt. Der 1958 in Steyr geborene Gunter Damisch zählte per definitionem einst zu Österreichs „Neuen Wilden“. „Macro Micro“ in der Pfeilerhalle der Albertina hingegen fasziniert durch Ästhetik wie durch Kunstfertigkeit – und feiert eine uralte Kunst: den Holzschnitt.

Von Renate Wagner

Die Arbeit am Druckstock    Damisch, der seit über 20 Jahren an der Akademie der bildenden Künste die Meisterklasse für Graphik leitet, widmet sich seit 2009 vor allem riesigen, an die zwei Meter hohen Holzschnitte unter der Bezeichnung „Macro Micro“ – die äußere Größe und die innere Kleinteiligkeit damit benennend. Damisch bearbeitet einen Druckstock ohne vorherige Skizze (!), er geht direkt in das Holz hinein, eine „gefährliche“ (weil nicht korrigierbare) und einsame Art des Arbeitens  – während die vielfachen Abzüge dann im „Dialog“ mit Fachleuten in den Druckereien entstehen, wobei Damisch bei Zein in Wien und bei Woolworth in Paris arbeitet. In ungeheurem Fleiß hat er hier über 120 Werke geschaffen, von denen rund die Hälfte in den drei Räumen dieses Albertina-Traktes präsentiert werden – so schön gestaltet übrigens, dass es für den Künstler selbst, wie er bei der Pressekonferenz betonte, nur zutiefst „befriedigend“ sein kann.

   

Die Faszination des Ornamentalen        Die Werke sind durchwegs großformatige Holzschnitte, Farbdrucke und Collagen, die auf den ersten Blick vor allem ornamental und auch „floral“ wirken und den Betrachter ungemein ansprechen. Wie kompliziert die alte Technik des Holzschnitts ist, wird man kaum gewahr, zumal die Reduktion auf einen Schwarz-Weiß-Abzug, die Damisch auf vielen Bildern wählt, die Wirkung keineswegs reduziert, sondern fast noch steigert. Der ganze Hauptsaal ist (mit einer Ausnahme in Gelb) in dieser „Farblosigkeit“ gehalten, während der Raum dahinter vordringlich rote Bilder zeigt, im der Raum rechts unten dann das Changieren der Farben zeigt, wobei die Silbrigkeit eine prägende Rolle spielt.

 

Spielerisch und tiefgründig    Die Werke von Damisch verlangen nach genauer Betrachtung, dann erschließt sich ein Detailreichtum, der in originellen Titeln angesprochen wird – „Silberweltlochflämmlercollage“ oder „Rote Weltlochquerwegdichte“ oder „Weltflimmerzentren“. Betrachtet man die großformatigen „Muster“ hingegen aus der Distanz, dann könnte man sich vorstellen, dass Damisch, ginge er in die Welt des „Kunsthandwerks“, vermutlich als Designer dekorativer, ungewöhnlicher Stoffe ein Vermögen verdienen könnte…

 
Fotos: Wagner

Plastiken: Das Vergängliche bewahren   Darüber hinaus bietet die Ausstellung noch drei plastische Arbeiten, die – etwa eine „rote“ Baumkonstruktion im „schwarz-weißen“ ersten Raum – den Aspekt der Verwandtschaft, Überlappung und Befruchtung der Künste signalisiert. „Diese Werke bestehen aus Dingen, die ich gefunden habe“, sagt Gunter Damisch dazu, „das können Zapfen sein, Stängel, kleine Kürbisse, Knochen – ich habe eine starke Beziehung zur Natur und sammle, was am Weg liegt.“ Allerdings bringt er diese Stücke nicht im Original, sondern nachgebildet ein: „Alles wird in Aluminium gegossen – und indem ich die Natur so umwandle, kann ich vergänglichen Dingen durch das Metall zwar nicht Ewigkeit, aber doch einen Hauch von Beständigkeit verleihen.“

Albertina: Gunter Damisch. Marcro Micro. Bis 22. September 2013. Täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr.
Katalog im Snoeck Verlag, herausgegeben von der Ausstellungskuratorin Antonia Hoerschelmann

 

 

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