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WIEN / Albertina: FRANZ HUBMANN – KÜNSTLERPORTRÄTS

04.07.2021 | Ausstellungen, KRITIKEN

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WIEN / Albertina:
FRANZ HUBMANN: KÜNSTLERPORTRÄTS
DIE SCHENKUNG HELMUT KLEWAN
Vom 2. Juli 2021 bis zum 10. Oktober 2021

Mit Fotos von Künstlern erzählen…

Österreich hatte in der Nachkriegszeit eine stattliche Anzahl herausragender, international bewunderter Fotografen aufzuweisen. Erich Lessing etwa, der das Staatsvertragsfoto vom Belvedere-Balkon machte. Ernst Haas, von dem das ergreifendste Foto zum Thema der „Heimkehrer“ stammte. Und, der Älteste unter ihnen, Franz Hubmann (1914 – 2007), der für vieles berühmt wurde, aber dessen Künstlerfotos eine Kategorie für sich darstellten. Das sind nicht nur künstlerisch hervorragende Bilder – sie haben als Dokumentation hohen historischen Wert. Die Albertina hat eine Schenkung des Galeristen Helmut Klewan mit Dank angenommen und den „Künstlerporträts“ eine eindrucksvolle Ausstellung gewidmet.

Von Renate Wagner

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Franz Hubmann (rechts) und Helmut Klewan (alle Fotos aus der Ausstellung)

Franz Hubmann   Geboren 1914 in Ebreichsdorf südlich von Wien, wandte sich Hubmann nach seinem Brotberuf als Textiltechniker nach dem Zweiten Weltkrieg der Fotografie zu. Er durchlief eine Ausbildung an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, Europas älteste Institution, an der Fotografie gelehrt wurde. Er arbeitete bei der Fremdenverkehrswerbung, bis er Karl Pawek kennen lernte, Fachmann für Fotografie und Zeitschriftengründungen. Mit ihm rief er „magnum – die Zeitschrift für das moderne Leben“ ins Leben, die zwischen 1954 und ihrer Einstellung 1966 eine nicht zuletzt wegen Hubmanns Fotoserien zu den bedeutendsten Kulturpublikationen der Zeit zählte. Er fotografierte den Wiener Alltag, die Wiener Künstlerszene, aber sein Ehrgeiz ging auch dahin, die damals schon langsam absterbende europäische Künstlergeneration des 20. Jahrhunderts festzuhalten, was ihm bei mehreren Reisen gelang. Nach dem Ende von „magnum“ war Hubmann weiter unermüdlich tätig, oft in Zusammenhang mit dem Galeristen Helmut Klewan, vor allem aber für über 80 Bildbände, die er für die Verlage Molden, Residenz, Christian Brandstätter u.a. erstellte. Er fotografierte Architektur und Landschaft und die Menschen Österreichs und setzte dem Café Hawelka ein Denkmal in Bildern. Hubmann starb 2007 im Alter von 93 Jahren in Wien.

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Picasso und die anderen    Als „Bildjournalist“ hatte er begonnen, als solcher klopfte Hubmann – ein Exemplar von „magnum“ mit seinen Bildern in der Hand – unangemeldet bei den Berühmtheiten der Zeit an und wurde so gut wie nie abgewiesen. Die Suche nach dem „spontanen“ Bild gelang natürlich nicht immer. Pablo Picasso beispielsweise, der genau wusste, was Fotos für seinen medialen Wert bedeuteten, stellte sich, als Hubmann ihn 1957 in Cannes aufsuchte, mit „Fotografiergesicht“ dermaßen in Pose, so dass Hubmann nur „natürliche“ Schnappschüsse gelangen, als er Picasso erwischte, wie dieser mit dem Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler im Gespräch vertieft war. Dann konnte Hubmann auch die Umgebung, in der Picasso lebte und arbeitete, stimmungsstark einfangen. So wie dieser sind zahlreiche Künstler der Zeit in der Ausstellung vertreten – darunter Berühmtheiten wie Marc Chagall oder Georges Braque. Das skeptische Gesicht von Alberto Giacometti ziert das Plakat zur Ausstellung (zu der es bedauernswerterweise keinen Katalog gibt). Es sind Porträts, die zweifellos etwas vom Wesen der Abgebildeten erzählen.

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Die heimische Szene   Wer von den fünfziger Jahren an in Österreichs Kunst- und Kulturszene Bedeutung hatte, drängte sich oft selbst dazu, von Hubmann porträtiert zu werden. Heute, da man diese Künstler als „alt“ kennt oder in Erinnerung hat, sieht man die Gesichter von einst – einen pudeljungen Arnulf Rainer, einen Hermann Nitsch, damals schon füllig und mit der Weinflasche in der Hand – im Hintergrund erkennt man Schloß Prinzendorf. Es ist österreichische Kulturgeschichte, wenn Hubmann den großen Josef Hoffmann, Meister der Secession und der Wiener Werkstätte, den man in den fünfziger Jahren schon tot glaubte, mit Oskar Kokoschka, dem einst so wilden Expressionisten, auf ein gemeinsames Foto bannte – österreichische Kunstgeschichte, wie sie signifikanter nicht sein könnte (und zeigte, dass Menschen länger zu leben vermögen als künstlerische Strömungen).

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Albertina:
FRANZ HUBMANN: KÜNSTLERPORTRÄTS
DIE SCHENKUNG HELMUT KLEWAN
Vom 2. Juli 2021 bis zum 10. Oktober 2021,
täglich 10 – 18 Uhr
Kuratorin Anna Hanreich

 

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