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WIEN / Albertina: FLORENTINA PAKOSTA

31.05.2018 | Ausstellungen, KRITIKEN

 

WIEN / Albertina / Propter Homines Halle:
FLORENTINA PAKOSTA
Vom 30. Mai 2018 bis zum 26. August 2018

Die Gewalt im Kopf…

Für nur wenige Tage, aber immerhin, beherbergt die Albertina gleichzeitig zwei der großen „alten Damen“ der heimischen Gegenwartskunst: Noch bis 3. Juni läuft die Ausstellung der 78jährigen Martha Jungwirth, und ab 30. Mai huldigt man Florentina Pakosta anlässlich ihres 85. Geburtstags mit einer großen, umfassenden Werkschau. Wobei die Künstlerin, die so lange um ihre Stellung in der Kunstwelt (und im Kunsthandel) ringen musste, heute zu den großen Namen Österreichs zählt – bereits 2004 gab es eine Ausstellung in der Albertina, 2011 hat ihr das Leopold Museum eine Großausstellung gewidmet. Nun setzt die Albertina mit nicht weniger als 110 Werken noch einmal nach.

Von Renate Wagner

Florentina Pakosta     Geboren am 1. Oktober 1933 in Wien, gab es prägende Kindheitserlebnisse (etwa, dass man dem kleinen Mädchen den Kopf schor), die später in ihr Werk Eingang fanden. Ab ihrem 19. Lebensjahr studierte sie an der Akademie der bildenden Künste in Prag, später in Paris, ab 1956 in Wien bei Josef Dobrowsky. Sie musste schwere Rückschläge in einer damals von Männern dominierten Kunstwelt hinnehmen, bis sie 1971 Mitglied der Wiener Secession wurde (später gehörte sie auch dem Vorstand an). Ihre Werke teilen sich in Phasen und spezifische Gruppen – die großformatigen Gesichter ab 1975, danach die mit Gegenständen deformierten Köpfe, ab 1979 die Massen und ab 1988 die „Waren-Landschaften“, ab 1989 schließlich die so genannten „Trikolore“-Bilder, in denen sie (auf der Idee von Holzscheiten basierend) Balken aller Art verschiedenfarbig kombiniert und vom stilisierten Realismus der Frühzeit über ihren „Surrealismus“ zur geometrischen Abstraktion fortgeschritten ist.

Die Gesichter   Die Gesichter sind großformatig, dunkel, kahlköpfig und sie starren den Betrachter frontal an, sie mögen grinsen, schreien, sich verzerren. Diese Radierungen, die eindeutig an die Köpfe von Franz Xaver Messerschmidt erinnern, strahlen Brutalität aus und sind ausschließlich männlich – ein weiblicher Protest von Anfang an, der Florentina Pakosta zu den wichtigen feministischen Künstlerinnen zählen lässt. Gewalt ist auch ihr Thema, wenn sie – in seltsam nüchternen Werken – männliche und weibliche Genitalien zeichnete. Dann wandte sie sich, von ihren eigenen Händen zu und widmete ihnen ausführliche Bewegungsstudien.

Die „Herrenbilder“   Die Kreidebilder Ende der siebziger Jahre stellen Männerköpfe anders als davor ins Zentrum: Wenn ein Auto aus ihnen wächst, ist es noch die verhältnismäßig harmlose Variante. Aber da ist auch die Pistole im Kopf, da wird der Kopf zum Toilettensitz, da ist er in Gestänge und Schraubstöcke eingepresst, da wird der Mund zur Schere, zur Säge oder es kommt eine Kurbel heraus, da steckt ein Taschenmesser im Kopf – Alpträume, die aus Horrorfilmen zu stammen scheinen.

Grotesk das Selbstbildnis, das die Künstlerin „Zungenschlag“ nennt und wo ihr eine geballte Faust aus dem Mund wächst – und das Bild sieht aus, als wäre es eine Paraphrase von Donald Trump…

Der Blick auf die Massen   „Zeitgenossen“ nannte Florentina Pakosta ein Werk von 1982, wo sie in Schablonentechnik Menschenköpfe nebeneinander montierte. Später wurden in ihren „Warenbildern“ aus Massen von Kluppen, Schlüsseln, Farbtuben oder „Schuhlandschaften“ daraus. Hier kann man auch ohne Erklärung die Absicht der Künstlerin am leichtesten erkennen.

 

Die Trikolore-Bilder   Wenn Florentina Pakosta später begann, in nie versiegendem Einfallsreichtum Balkenelemente zu kombinieren, sind diese „Trikolore“-Bilder mit ihrem oft mathematischen Hintergrund von hohem ästhetischen Reiz und haben die Schockwirkung der früheren Werke verloren. Allerdings mag es Titel geben, die auf politische Konzepte hindeuten, die man in der Verfremdung nicht zu erkennen vermag. Nun ist Florentina Pakosta auch Schriftstellerin, und die Albertina-Ausstellung „führt“ den Betrachter durch Zitate der Künstlerin oft in die richtige Richtung, wie ihr Werk zu betrachten und zu interpretieren sei.

Albertina: Florentin Pakosta
Kuratorin   Elsy Lahner
Bis 26. August 2018, täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch und Freitag 10 bis 21 Uhr

 

 

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