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WIEN / Albertina: DAS WIENER AQUARELL

14.02.2018 | Ausstellungen, KRITIKEN

Aquarell Plakat~1

WIEN / Albertina / Propter Homines Hallen:
DAS WIENER AQUARELL
Vom 15. Februar 2018 bis zum 13. Mai 2018  

Von Maria Theresia bis zur Eisengießerei

Im Anfang steht die kaiserliche Familie im Jahr 1776, am Ende der Blick, den der greise Rudolf von Alt im Jahr 1903 auf die Eisengießerei Kitschelt in der Wiener Skodagasse warf. Dazwischen entfaltet die Albertina mit mehr als 200 Werken, eines exquisiter als das andere, einen Überblick über die Geschichte des Wiener Aquarells. Das über die enorme künstlerische Bedeutung hinaus noch eine topographische hatte – Aquarelle wurden in den Vor-Fotografie-Zeiten bestellt, um die Welt und die Zeit, in der man lebte, darzustellen.

Von Renate Wagner

Aquarell Füger x~1

Die Schätze der Albertina    Die Albertina besitzt an die 2.500 Aquarelle bedeutender österreichischer Künstler, wobei Wien auch für jene ein Zentrum war, die von der Geburt her aus den Kronländern der Monarchie stammten oder aus Deutschland zuzogen. Wie jener Heinrich Friedrich Füger aus Heilbronn, dessen Aquarell mit Albert von Sachsen-Teschen, Erzherzogin Christine und Kaiserin Maria Theresia zu Beginn der Ausstellung einen Schwerpunkt setzt (und ausgerechnet dieses Werk musste die Albertina vom Belvedere borgen…). Als frühes Beispiel der Kunst des Aquarells (als Techniken werden unter diesem Begriff Wasserfarben, Deckfarben, Tempera und Guachen zusammen gefasst), gilt es nicht nur als eine Art „Gründungsdokument“ der Albertina, weil das Ehepaar Albert und Christina darin der Schwiegermutter / Mutter Bilder präsentieren, die sie aus Italien mitgebracht haben (und auf dieser Sammlung beruht ja die Albertina); gleichzeitig räumt das Blatt auch mit der Idee auf, das Aquarell sei ein Markenzeichen des „bürgerlichen“ Biedermeier.

Kaiser und Fürsten   Der Wunsch, die Gegenwart zu dokumentieren, konnte vor der Erfindung der Fotografie natürlich auch mit einem Ölgemälde befriedigt werden, doch war diese Technik zu zeit- und arbeitsaufwendig. Neben der Zeichnung bot das Aquarell – trotz künstlerischer Hochwertigkeit, Sorgfalt, handwerklicher Meisterschaft – die Möglichkeit, Dinge schneller festzuhalten. Wer es sich leisten konnte, verpflichtet zu diesem Zweck sogar große Meister – Erzherzog Johann beschäftigte u.a. Matthäus Loder und Thomas Ender, die ihn auf Reisen begleiteten. 40 Jahre lang sorgte der Erzherzog für die Dokumentation seiner Länder und seiner Reisen. Der kranke Erzherzog Ferdinand, der 1835 als Kaiser seinen Vater Franz I. beerbte, schickte Maler wie Karl Ruß und Vater und Sohn Alt auf Reisen, um ihm die Länder und Menschen seines Reiches zu malen, worauf er die Bilder mittels eines Guckkastens betrachten konnte.

Aquarell Interieurs x~1Und Rudolf von Alt, bald der Star der Aquarellisten-Szene, malte für Fürstenhäuser wie die Liechtensteins, Rasumofskys oder Harrachs die kostbaren Innenräume ihrer Paläste… man wollte zeigen, was man hat.

Eine Welt in Porträts     Die kaiserliche Familie, wie sie zu Maria Theresias Zeiten so oft gemalt und aquarelliert wurde, zählte immer zu den Kunden der Maler: So gab man Familienbilder in Auftrag, wie jenes, das Peter Fendi 1834 malte und das Kaiser Franz I. und seine Gattin Caroline Auguste im Kreis der ungeheuer zahlreichen Familienmitglieder zeigte, viele Kinder inbegriffen, die mit ihrem Spielzeug befasst waren. 1839 malte Fendi Erzherzogin Sophie mit ihren Kindern – der spätere Kaiser Franz Joseph kniet als kleiner Junge andächtig im Gebet. Porträts gab es in Form von Medaillons, aber auch halber oder ganzer Figur – der so jung verstorbene Sohn Napoleons, der Herzog von Reichsstadt, ist als zauberhafter junger Mann zu sehen, gemalt von Daffinger. Daneben allerdings auch ein Porträt von Franz Schubert – auch die Künstler hatten ihren Stellenwert als „Modelle“ in dieser Zeit.

Genreszenen und Blumenbilder, Städte und Landschaften… Moritz Michael Daffinger, Friedrich von Amerling und Josef Danhauser zählten zu den großen Porträtmalern (auch viele schöne Frauen, nicht nur adelige), die sich aber auch in anderen Genres bewegen – Fendi mit seinen Volks- und Genreszenen, Daffinger mit seinen Blumenbildern, andere, wie Thomas Ender mit seinen eindrucksvollen Gletscherlandschaften, fanden eigene Schwerpunkte. Und sie alle sind viel gereist und brachten „Wiener Aquarelle“ auch mit römischen Ruinen oder Meeresszenen zurück… ganz zu schweigen von eigen geschaffenen Genres wie jene „Ungarn“- und „Zigeuner“-Bilder, mit denen Anton Romako geradezu eine Mode schuf.

Aquarell Esengießerei x~1

Rudolf von Alt, der Großmeister    Nicht nur seiner langen Lebenszeit wegen (er wurde 93 Jahre alt) ist Rudolf von Alt der ungekrönte König des Wiener Aquarells. Von seinem Vater Jakob (er selbst auch ein Meister dieser Kunst) perfekt ausgebildet, begann er mit später kolorierten Bleistiftzeichnungen und hat dann Wiener Stadtszenen „nach der Natur“ geschaffen. Die präzise Genauigkeit, wunderbare Farbigkeit, souveräne Behandlung des Lichts und dabei die ganz persönlicher Handschrift – die Albertina bezeichnet seine Werke als „Kleinode“, die einen Beitrag zur Weltkunst liefern. Alt ist viel gereist, hat aber die Stadt Wien durch das ganze 19. Jahrhundert auch in ihren Veränderungen begleitet. Gewissermaßen war er auch der Vorgänger einer Künstlerschar von Naturmalern – seine „Praterbäume“ wirken wie Vorgängerstudien zu Tina Blaus Meisterwerken. Auch in der Ära von Franz Joseph hoch geschätzt, hat Rudolf von Alt bis ins hohe Alter gearbeitet – am Ende der Ausstellung steht nicht nur sein Selbstporträt als alter Mann (an sich war er kein Porträtist), sondern auch jenes Bild der Eisengießerei Kitschelt in der Wiener Skodagasse, auf die er von seiner Wohnung hinabblickte – und die ihn als Künstler genau so interessierte wie die luxuriösen Fürsten-Interieurs, die er vor 1848 gemalt hatte…

Albertina: Das Wiener Aquarell
Bis 13. Mai 2018,  täglich von 10 bis 18 Uhr,  Mittwoch & Freitag von 10 bis 21 Uhr

 

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