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WIEN / Albertina: 250 JAHRE ALBERTINA

Die größten Schätze ausgepackt

20.06.2026 | Ausstellungen, KRITIKEN

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WIEN / Albertina / Propter Homines Hallen:
SAMMELN FÜR DIE ZUKUNFT
250 JAHRE ALBERTINA
Vom 19. Juni 2026 bis zum  11. Oktober 2026

Die größten Schätze ausgepackt

Der Hase. Der Hase. Der Hase. Albrecht Dürtet hat ihn vor 524 Jahren auf Papier gebannt, und er ist nicht nur der wohl berühmteste Hase der Welt, sondern quasi auch Symbol der Albertina. So kostbar, dass man ihn meist wegsperrt, um ihn vor Licht, Feuchtigkeit, Schmutz zu schützen. Tatsächlich ist er erst zehnmal in der Geschichte der Institution ausgestellt worden. Das Original wieder einmal sehen zu können, wird der Albertina-Ausstellung „Sammeln für die Zukunft. 250 Jahre Albertina“ vermutlich einen gewaltigen Publikumszustrom zum Jubiläum sichern. Ganz abgesehen von den anderen Meisterwerken, die man aus dem Depot geholt hat. Wobei sich die Ausstellung gewissenhaft bis ins Heute erstreckt.

Von Renate Wagner

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Ein Jubiläum – wann, wie, wieso    Wie macht man die Gründung einer Institution fest, die als solche nie gegründet wurde? Albertina-Direktor Ralph Gleis entschied sich für einen Tag im Juli 1776, als der Conte Durazzo in Venedig Erzherzogin Marie Christine und Herzog Albert von Sachsen-Teschen ein Konvolut von 10.000 Kupferstichen übergab, das in ihrem Auftrag erworben worden war. Das Paar war damals seit zehn Jahren verheiratet und längst leidenschaftlich mit dem Sammeln von Druckgraphiken befasst. Ihre Sammlung reiste mit ihnen zu den verschiedenen Orten ihrer Existenz, von Preßburg über Brüssel (wo das Paar Statthalter der Niederlande war) und Dresden schließlich nach Wien. Die Sammlung, die durch Tausch mit Graphiken aus der Hofbibliothek gewaltig vergrößert worden war, landete schließlich in jenem Palais des Herzogs, das heute als „Albertina“ mit 1,2 Millionen Exponaten eines der wichtigsten und reichhaltigsten Museen Wiens ist.

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Eine lukrative Liebesheirat    Eine Kaiserstochter wie Erzherzogin Marie Christine, Tochter von Maria Theresia und Franz Stephan von Lothringen, der als Franz I. Kaiser des Heiligen Römischen Reichs war, galt als kostbares „Heiratsgut“. Ihre Schwestern wurden Königinnen (Marie Antoinette von Frankreich, Maria Carolina von Neapel-Sizilien) und bedeutende Herzoginnen (Maria Amalia in Parma). Der sechste Sohn des sächsischem Königspaares hingegen war alles, nur keine „Partie“ für jemanden wie sie. Doch bekanntlich war Marie Christine die Lieblingstochter Maria Theresias (sie teilte mit der Mutter denselben Geburtstag) und war die einzige von deren beachtlicher Kinderschar, die aus Liebe heiraten durfte. Und es war eine wunderbare Ehe mit dem um vier Jahre älteren Albert  – die für den Gatten  noch einen bedeutenden Nebeneffekt hatte. Da Marie Christine im Rang so hoch über ihm stand, blieb sie im Haus Habsburg mit allen Privilegien und Pfründen. Wenn sich die beiden nun in ihrer Kunstbegeisterung trafen, so war es ihr Geld, das die beiden freudig dafür ausgaben – und nur so wurde die Sammlung möglich.

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Blick auf Marie Christiine    Da der Blick auf die „Albertina“ schon vom Namen her immer in Richtung von Albert geht, wollte die nunmehrige Ausstellung die Erzherzogin in den Vordergrund rücken. Die Kinder Maria Theresias bekamen eine fundierte künstlerische Ausbildung in Musik, Theaterspiel und Zeichnen, und viele von ihnen, vor allem Marie Christine, waren hier sehr begabt. Die Albertina bietet Arbeiten von ihr, die davon zeugen, dass sie Vorbilder nachgestalten und Techniken bedienen konnte – wie übrigens auch Albert, von dem es auch ein koloriertes Blatt gibt, das ihn selbst zu Pferde zeigt. So verband sie neben der persönlichen Liebe noch die Liebe zur Kunst, und sie konnten ihrer Leidenschaft frönen. Es gibt übrigens ein berühmtes Gemälde, wo Marie Christine und Albert ihrer Mutter und Geschwistern ihre mitgebrachten Schätze zeigen… Als Marie Christine 1798 im Alter von 56 Jahren (kinderlos) starb, ließ Albert ihr in der neben seinem Palais gelegenen Augustinerkirche eines der schönsten Grabmäler (von Canova) errichten. Er selbst lebte noch bis 1822, befasste sich weiter mit seinen Schätzen und setzte Erzherzog Karl als seinen Erben ein. Die Sammlung blieb in der Familie – und ging nach dem Ersten Weltkrieg in den Besitz der Ersten Republik über.

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Die Albertina bis heute     Die Schätze von Marie Christine  und Albert (die bereits gewünscht hatten, die Werke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen) wurden mit den gewaltigen graphischen Beständen der Hofbibliothek zusammen gelegt. Und so gut wie alle Direktoren der „Albertina“ haben weiter Werke „auf Papier“ gekauft, durchaus Zeitgenössisches wie einst Albert und Marie Christine auch (wobei man natürlich nie sicher sein konnte, was an „Modernen“ Bestand haben würde – sonst hätte man sich um mehr als nur ein Blatt von Caspar David Friedrich bemüht). Es gab bedeutende Direktoren, Walter Koschatzky etwa, der Großartiges zur Aufarbeitung und Publikation der vorhandenen Werke leistete. Klaus Albrecht Schröder war es dann, der das Tor der weltberühmten „Graphischen Sammlung“ in alle Richtung aufstieß, mit der Sammlung Batliner kam die Malerei der Moderne, die neue Fotosammlung wuchs schnell, die Sammlung Essl kam zuerst in das neu eröffnete Albertina modern-Haus im Künstlerhaus, mittlerweile ist der ehemalige Essl-Bau in Klosterneuburg wieder aktiviert und eine Außenstelle der Albertina. Ralph Gleis verwaltet ein riesiges Erbe. Neben den Werken hat die Ausstellung auch einen historischen Teil mit Fotografien und Informationen aus der Geschichte der Albertina zu bieten. Ältere Kunstfreunde werden sich noch an die langen Gänge unter gewölbter Decke erinnern, wo einst die Kunstwerke in Vitrinen und an der Wand ausgestellt wurden.

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Der Hase, andere Tiere, Gesichter und Kurioses   Dürers „Hase“ blickt dem Betrachter gleich im zweiten Raum entgegen (der erste ist Marie Christine und Albert gewidmet). Dieser Hase begegnet dem Besucher übrigens als Ikone und Signet des Hauses schon im Shop, farbig-plastisch (vermutlich in Styropor), als Dekorationselement wohl das berühmteste Wiener Kunst-Motiv neben Klimts „Kuss“ (aus dem Belvedere).

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 Darüber hinaus sind weltberühmte Kostbarkeiten im Original zu sehen, der berührende Kinderkopf von Rubens oder Bruegels Fische-Allegorie, Dürers Rhinozeros und der Elefant von Rembrandt, die faszinierende Rückenansicht Michelangelos. Und auch den Caspar David Friedrich, von dem man nichts wusste (Blick auf Arkona mit aufgehendem Mond), kann man bewundern. Und die Ausstellung schreitet fort durch die Moderne,  Frauen spielen eine große Rolle, von Angelika Kauffmann und Käthe Kollwitz bis zu Rosa Barba, die für diese Ausstellung einen Videofilm mit dem Titel „Private Metaphysics“ erstellt hat – weil die Albertina, auch wenn sie heute so enorme „historische“ Schätze beherbergt, im Grunde immer ein Haus der Gegenwart war.

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WIEN / Albertina / Propter Homines Hallen:
SAMMELN FÜR DIE ZUKUNFT
250 JAHRE ALBERTINA
Vom 19. Juni 2026 bis zum 11. Oktober 2026
Täglich | 10 bis 18 Uhr
Mittwoch & Freitag | 10 bis 21 Uhr

 

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