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WIEN / Akzent: HILFE, WIR SIND ERLEUCHTET!

26.02.2015 | KRITIKEN, Theater

Erleuchtet~1

WIEN / Akzent: 
Gabriela Benesch & Erich Furrer
HILFE, WIR SIND ERLEUCHTET!
Premiere: 26. Februar 2015
 

Moden kommen in Wellen, und im Moment scheint die Esoterik ja nicht so „in“ zu sein wie in Zeiten, da man mit Lotte Ingrisch spirituelle Wochenenden im Waldviertel buchen konnte (um ein Heidengeld natürlich) und jede dritte Diskussionsrunde davon handelte. Aber noch immer hat jede Buchhandlung ihre gut bestückte Esoterik-Ecke, und möglicherweise halten sich die Jünger der vielen Möglichkeiten, ihr Bewusstsein zu erweitern, bedeckt, weil sie befürchten, Spott und Hohn einer nüchternen Mitwelt preisgegeben zu werden. Poing, schon geschehen! Gabriela Benesch & Erich Furrer (auch privat ein Paar) jubeln „Hilfe, wir sind erleuchtet!“, und das Publikum im Wiener Akzent hatte eine Mordshetz damit.

Der Abend braucht nichts als seine Interpreten, meist in Doppelconference, teils in Solonummern, um alles nur Denkbare zum Thema zusammen zu tragen und jeden Blödsinn nachzubeten, den man irgendwo schon gehört hat. Von Buddha zur Seelenzählung, vom Mantra zum Shakra. Überlegt wird, warum der Buddha so handlich ist und Jesus (der war aus Israel, der hat Migrationshintergrund!) so tragisch – weil er am Kreuz über dem Esstisch immer so traurig dreinsieht, dass einem der Hunger vergeht!

Beide Interpreten haben ihre persönlichen Höhepunkte, bei Erich Furrer sind es sogar zwei: Wenn er als schwyzerischer Guru „die bengalische Schubkarre“ erklärt, eine nicht ganz einfache Sexübung fürs Wohnzimmer, individuell den Gegebenheit der Paare anzupassen. Und wenn er eine im Kabarett klassische Nummer abzieht, mit völlig erfundenen Worten verschiedene Sprachen zu sprechen – ob Spanisch oder Chinesisch, Russisch oder Japanisch, es klingt immer authentisch, er macht es wirklich sehr, sehr gut.

Dafür holt sich Gabriela Benesch dann als Schamanen-Köchin, die immer wieder ausführlich indischem Whisky zuspricht und in zunehmender Betrunkenheit so aus dem Gleichgewicht gerät, dass sie am Ende auf ihren Liebeskuchen pfeift, dann wiederum ihre Lacher….

Die beiden versteigen sich sogar zu einem zänkischen Dialog als Herr und Frau Gott und die Unzufriedenheit mit ihrer Schöpfung Mensch, und am Ende rappen sie mit Migrations-Akzent unsere ganze schöne neue iPad-Welt zum Teufel…

Übrigens: Was ist eine dicke Vegetarier-Seele? Eine Biotonne! In diesem Sinne!

Renate Wagner

www.beneschfurrer.com

 

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