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WIEN / Aktionismus Museum: HERMANN NITSCH

Als das Fundament gelegt wurde

25.03.2026 | Ausstellungen, KRITIKEN

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WIEN / Aktionismus Museum: 
HERMANN NITSCH
1960 bis 1965
26.März 2026 bis 5. Juli 2026

Als das Fundament gelegt wurde

Das Wiener Aktionismus Museum, das von Klaus Albrecht Schröder geleitet wird, bietet zu Beginn seiner Ausstellungstätigkeit einen Säulenheiligen der Bewegung: Hermann Nitsch (1938-2022). Wenn man sich entschlossen hat, „nur“ fünf Jahre seines Schaffens in den Mittelpunkt der Präsentation zu stellen, so handelt es sich bei dem Zeitraum von 1980 bis 1985 (Nitsch war damals Anfang 20) doch um eine entscheidende Phase. Damals wurde das Fundament zu einer Entwicklung und einem Werk gelegt, die letztendlich in den legendären, bis zum Ende umstrittenen „Sechs-Tage-Spielen“ in Prinzendorf kulminierten.

Von Renate Wagner

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Hermann Nitsch   Geboren in Wien, arbeitete Hermann Nitsch nach seinen Studien an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt im Technischen Museum. Mit der Aktion „Die Blutorgel“ trat er in die Öffentlichkeit, provozierte in seiner Heimat Österreich aber dermaßen, dass er nach einigen Gefängnisaufenthalten 1968 nach Deutschland übersiedelte. Er wurde mit seinen Aktionen international berühmt und kehrte 1971, als seine Frau dank einer Erbschaft das niederösterreichischen Schloss Prinzendorf kaufen konnte, nach Österreich zurück. Er arbeitete viel am Theater, Wiener Opernfreunde erinnern sich an seine hochästhetische Aufführung der „Herodiade“ an der Staatsoper. Nitsch errang internationale Anerkennungen durch Aktionen weltweit, Professuren, Ausstellungen. 1998 fand das erste „Sechs-Tage-Spiel“ in Prinzendorf statt. von enthusiastischen Fans gestürmt, von einem Teil der Öffentlichkeit weiterhin kritisch-distanziert betrachtet. 2007 wurde in Mistelbach das Nitsch-Museum eröffnet, seit 2008 gibt es in Neapel ein Museo Nitsch. Er starb 2022 in Mistelbach.

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Von dem Keller in den Keller  Sie wollten die Kunst revolutionieren, und gewissermaßen taten sie es auch, als sich Hermann Nitsch, Otto Muehl und Adolf Frohner 1980 drei Tage lang im Perinet-Keller einsperren ließen. Ein Kunstwerk ist aus dieser „Blutorgel“-Aktion erhalten geblieben, ein neun mal zwei Meter großes Bild, das in einem Leipziger Museum gelandet und für diese Ausstellung bis Anfang Juli nach Wien heimgekehrt ist. In die wie sakral wirkenden, hellen Kellerräume des Aktionismus Museums, die den Werken des Künstlers beeindruckenden Raum geben.

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Es fließt das Blut    Nach wie vor empfindet man die „Rinn- und Schüttbilder“, in denen Blut floß, als charakteristisch für das Werk von Nitsch. Die Ausstellung hat viele Beispiele dazu, wo Blut die „Wunde Mensch“, das „Opfer Mensch“,  symbolisieren sollte. Wenn man heute im Museum in Mistelbach den „sakralen“ Nitsch als Gesamtkunstwerk seines Orgien-Mysterien-Theaers  erleben kann, so hat er schon in der Frühzeit die Kasel, das liturgische Priestergewand, in seine Werke einbezogen, ein Symbol für Machtausübung.

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Ekel und Abscheu    Es war nicht nur das Blut (und das Schlachten der Tiere), das Nitsch bei vielen so unbeliebt machte, sondern auch sein bewusstes Zugehen auf Objekte, die Ekel und Abscheu erregen sollten. Er hat nicht nur Papier-Taschentücher und Pflaster, sondern auch Menstruationsbinden als Reliktmontagen auf Bilder geklebt, wovon es in der Ausstellung gleichfalls zahlreiche Beispiele gibt. Auch wenn man Nitsch mittlerweile kennt und „gewöhnt“ ist, kann man immer noch den Schockeffekt nachfühlen, den er erzeugt hat.

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Klaus Albrecht Schröder    Schröder hat nach seinem Ausscheiden aus der Albertina im privat finanzierten Aktionismus Museum ein Betätigungsfeld gefunden, dem er sich mit seinem bekannten Elan widmet. Wie einst in der Albertina, hat er auch bei den Räumen in der Weihburggasse für umfangreiche Umbauten und Erweiterungen gesorgt. Vorausschauend werden Projekte betrieben, derzeit stellt sich rund um Otto Muehl die Grundsatzfrage nach Kunst und Verbrechen, Opfer und Schuld, die Rolle der Kinder im Komplex des Muehl-Kosmos – das alles wird wohl noch viele Diskussionen aufwühlen. Für den Journalisten war die Pressekonferenz zur derzeitigen Nitsch-Ausstellung eine Rückkehr in beste Zeiten – so brillant, wie Schröder schildert und argumentiert, vermag sich keiner der derzeit amtierenden Direktoren großer Wiener Museen auszudrücken…

WIENER AKTIONISMUS MUSEUM
Weihburggasse 26, 1010 Wien
HERMANN NITSCH
1960 bis 1965
26.März 2026 bis 5. Juli 2026
Täglich (außer Montag) 11-18 Uhr

 

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