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WIEN / Akademietheater: ZU DER ZEIT DER KÖNIGINMUTTER

23.02.2019 | KRITIKEN, Theater

 
Fotos: Barbara Zeininger

WIEN / Akademietheater des Burgtheaters:
ZU DER ZEIT DER KÖNIGINMUTTER von Fiston Mwanza Mujila
Uraufführung
Premiere: 23. Februar 2019

Selbst wenn man zu den Privilegierten gehört, denen das Pressebüro des Burgtheaters vor der Aufführung den Text zu „Zu der Zeit der Königinmutter“ zugesendet hat, tut man sich schwer, in diesen eineinhalb Stunden ein Theaterstück zu erkennen. Schon gar nicht eines, das für ein großes Haus wie das Akademietheater geeignet ist. Begegnete man der Angelegenheit im Kasino oder im Vestibül, man würde es für afrikanische Poesie, ein bisschen theatralisch aufgemotzt, halten, und die Sache wäre okey. Aber ein definitves Randprogramm als große Premiere? Dafür fehlt es an allem.

Der 38jährige, aus dem Kongo stammende Fiston Mwanza Mujila, der seit zehn Jahren in Graz lebt, hat dieses Stück in deutscher Sprache geschrieben. Eine Textfläche aus Gesprächen, Songs, einer Art von Poesie, ohne Handlungszwang an einander gereiht. Auf der an sich leeren Bühne (Ausstattung: Katrin Brack) gibt es fünf Schauspieler, einen Statisten, der in ein Bärengewand schlüpft, und drei Musiker. Es gibt ein wenig Song und Dance und einige Deklamation. Erzählt werden seltsame Geschichten, wobei Regisseur Philipp Hauß gar nicht versucht hat, die Atmosphäre einer Bar (es soll die im Irgendwo befindliche „New-Jersey-Bar“ sein) zu beschwören, die dem Ganzen einen Rahmen und den Figuren vielleicht Kontur gegeben hätte. Was er liefert, ist eine Nummern-Revue, der man mit unterschiedlichem Interesse zuhört.

Die meisten Geschichten, die man hört, muten seltsam und fremd an – es ist ja auch nicht unsere Welt, mit der wir hier konfrontiert werden, vermutlich hören wir beispielsweise in dem Lied von „Mamba Muntu“ eine afrikanische Ballade oder Überlieferung. Oder beim Schicksal von Solo in dem Lehmkörper. Für dergleichen gewundene Geschichten muss man allerdings einen Sinn haben… Immer wieder wird die gute alte Zeit beschworen, als die Königinmutter noch die Bar leitete, aber warum es damals so gut gewesen sein soll, wird nicht klar.

Getraud Jesserer ist die einzige Frau auf der Bühne, schmal in Schwarz, mit seltsamer hellblauer Wollmütze. Mit dunkel rauchiger Stimme, nicht immer völlig deutlich artikulierend, hat sie zwei „Monologe“, einen am Beginn, wenn sie die Multi-Kulti-Welt der New-Jersey-Bar zu Königinmutters Zeiten beschwört, und am Ende, wenn sie deren Schicksal erzählt – mutig durch die Welt reisend, die Zuflucht für die verlorenen Seelen gründend, am Ende ins Messer eines ihrer Schützlinge laufend…

Warum Sven Dolinski und Simon Jensen in Frauenkleidern herumstaksen, weiß man nicht, Markus Hering trägt einen künstlichen Fettbauch, von Mirco Kreibich rinnt auch schon einmal der Lehm des Solo herab. Alle verdienen hohe Bewunderung, weil sie Textmassen bewältigen, die sich eigentlich nicht wirklich aus der Psychologie heraus „spielen“, sondern nur „gestalten“ lassen. Drei Musiker begleiten, wo es nötig ist. Eine richtige „Show“ mit Unterhaltungscharakter wird es aber auch nicht.

Als es zu Ende war, stöhnte hinter mir ein Herr „Endlich!“, und er war sicher nicht der Einzige, der so fühlte. Aber selbstverständlich: viel Beifall, auch für den Autor.

Renate Wagner

 

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