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WIEN / Akademietheater: 3000 EINZELTEILE

Der Anteil am „Opfer“-Kuchen

24.05.2026 | KRITIKEN, Theater

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Fotos:  c)Tommy Hetzel

WIEN / Akademietheater des Burgtheaters: 
3000 EINZELTEILE
nach seinem Film THREE THOUSAND NUMBERED PIECES von Ádám Császi
Premiere: 8. Mai 2026.
besucht wurde die zweite Vorstellung am 24. Mai 2026

Der Anteil am „Opfer“-Kuchen

Wir wissen es schon, die Welt ist strikt geteilt. Die bösen Täter, das sind wir, die privilegierten Weißen, die grundsätzlich an allem schuld sind. Die Opfer, das sind alle, die man unter den Begriffen Diversität, LGBTQ und #me too-Frauen zusammen bringen kann.

In diesem Stück, das der Ungar Ádám Császi auf die Bühne des Akademietheaters stellt, sind die Opfer vor allem die… na, früher hat man das Z-Wort verwendet (das war noch in kuscheligen „Carmen“-Zeiten), dann sagte man „Sinti“ und „Roma“ (ohne zu wissen, wer ist wer), nun wird es mit „Rom:nja“ noch komplizierter. Viele „originale“, aus dem Ungarn des „bösen“ Orban geflohen, stehen hier auf der Bühne und erzählen, wie versichert wird, ihre eigenen Geschichten.

Wahrscheinlich bekommt man die ganze Gewaltbereitschaft, die in diesen Berichten steckt, nicht allein von Text (man muss ja dauernd Übersetzungen lesen), sondern vor allem von dem über-aggressiven Ton mit, der da ins Publikum geschleudert wird.

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Aber man müsse ja Verständnis haben, wird man aufgeklärt, denn der Abend hat eine Rahmenhandlung. Da zappelt Markus Meyer als Regisseur gemeinsam mit seinem schwulen Geliebten, dem PoC Ernest Allan Hausmann als Dramaturgen, herum, und will – bitte schön! – auch seinen Teil der Opferrolle. Nur weil man reich und weiß ist, darf man sich als Homosexueller nicht als benachteiligt fühlen? Und obwohl sein Freund offenbar schon in der dritten Generation in Österreich lebt, bezieht er sich gern auf seine Herkunft aus Ghana, sonst kann man ja die rassistischen Verletzungen nicht für sich beanspruchen…

Und wenn dann der Theaterdirektor (Norman Hacker als Schmieren-Parodie schlechthin) all die albernen Fragen stellt, die man heute tausendfach aus Fernsehdiskussionen kennt, dann wird schon klar, dass dieser Teil des Abends parodistisch gemeint ist. Jeder will halt sein Stückchen vom Opfer-Kuchen, sonst gehört man ja nicht richtig zu den Guten…

Im übrigen beschimpft der Abend das dauer-attackierte Publikum als Nazis, warnt vor Kickl als bevorstehendem österreichischen Orban, und ist im übrigen an chaotischer Nicht-Dramaturgie kaum zu überbieten. Und noch ein kleiner Fehler: Man erweckt, so wie man sie da auf der Bühne erlebt, nicht einen Hauch von Sympathie für die „Rom:nja“, denen man – so wie sie sich da gebärden – nicht im wahren Leben begegnen möchte. Wer ungefähr das Schlimmste sehen will, was er sich vorstellen kann, das ist sein Stück.

Renate Wagner

P.S. Ich hatte die Premiere versäumt und kaufte mir eine Balkonkarte für die zweite Vorstellung. Als ich ins Theater kam, sagte mir eine freundliche junge Dame, der Balkon sei gesperrt, ich sollte mich unten hinsetzen, wo Platz sei. Tatsächlich war das kein Problem… Nun, es war Pfingstsonntag, vielleicht nicht der Termin, wo man ins Akademietheater geht, wenn das Haus nicht einen seiner Hits präsentiert. Aber ein Stück, das nur wenige sehen wollen. anzusetzen (wie leer wäre es erst ohne den ungarischen Anteil des Publikums gewesen!) – da fragt man sich, wieviel Instinkt Stefan Bachmann als Burgtheaterdirektor für sein Wiener Publikum schon erworben hat…

 

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