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Werner Rosenberger: HIETZING

18.11.2018 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

Werner Rosenberger:
HIETZING
Von Künstlervillen und Künstlerleben
288 Seiten, Amalthea Verlag, 2018  

Häuser und Schicksale hat Autor Werner Rosenberger zu seinem Spezialgebiet gemacht, man hat bei ihm schon nachgelesen, wer im Wiener Cottage, wer auf der Hohen Warte wohnte. Und nun ist er in Hietzing angelangt – und selbst der Hietzinger wundert sich über die ungeheure Fülle und Ballung von Künstlern, die hier in seiner Umgebung gewohnt haben… Buchstäblich alles, was Rang und Namen hatte.

Interessant die Eckpunkte, die der Autor wählt – zuerst Schloß Schönbrunn, der kleine Wolferl Mozart spielt vor Maria Theresia, und jenes Erzbischöfliche Schloß Ober St.Veit, wo sich (wie in Schönbrunn) Fresken des bekannten Johann Bergl finden, der die Natur so schön an die Wand gemalt hat wie einst die alten Römer… Damit ist man noch im Barock. Endpunkt ist dann der Hietzinger Friedhof, wo sich auch die Berühmtheiten drängeln – von Grillparzer (der allerdings eher zufällig hier gelandet ist und mit Hietzing wenig zu tun hatte) bis Klimt, der hier sein schönes Atelierhaus besaß.

Wandert man die Adressen ab (es gibt eine Menge Bildmaterial, aber man würde gerne noch viel mehr Häuser sehen!), so taucht der Autor tief und kenntnisreich in die Kulturgeschichte Wiens ein, und alle, alle tauchen auf, der Johann Strauß und die Stella Hohenfels, die Charlotte Wolter, die Lotte Medelsky, die Katharina Schratt (also das halbe Burgtheater), aber auch Namen, die nur noch der Fachmann kennt wie Friederike Kronau, die es schaffte, eine Prinzessin Lobkowitz zu werden (einen Adeligen zu heiraten, war das höchste Schauspielerinnen-Ziel), oder Leopoldine Konstantin, die ihre grandiose europäische Theaterkarriere später mit Hollywood vertauschte – immerhin spielte sie in einem Hitchcock-Film mit.

Man musste schon gut verdienen, um sich eine Villa in Hietzing leisten zu können (hier bauten auch Architekten von der Größenordnung eines Adolf Loos, eines Josef Frank), aber Operettenkomponist Leo Fall hatte damit kein Problem – er nannte sein Haus in der Lainzer Straße 127 „Villa Dollarprinzessin“, weil er wusste, wo das Geld herkam… Aber auch Alban Berg, gleichfalls ein Hietzing-Bewohner, ist mit seiner Musik ziemlich reich geworden – jedenfalls mit dem „Wozzeck“.

Von Klimts Atelier in der Feldmühlgasse war schon die Rede, aber in der Hietzinger Hauptstraße erfüllte sich auch das Schicksal von Egon Schiele – vis a vis wohnte jene Edith, die er heiratete und die ihm 1918 in den Tod durch die Spanische Grippe voraus ging… Ein schönes Foto zeigt übrigens Klimt mit Malerfreunden beim Frühstück in der Meierei Tivoli in Schönbrunn…

Hans Moser, Rudolf Prack, Hilde Sochor (Hausbesitzerin am Platz in Hietzing) oder auch Maria Lassnig – man trifft viele Berühmtheiten, und oft tritt der Ort des Geschehens in den Hintergrund, weil das spannende Schicksal der Besitzer erzählt wird. Was ja auch kein Fehler ist.

Das Buch hat nur einen schweren logistischen Fehler. Es gibt am Vorsatz auf einer Hietzinger Karte 27 Standorte an, was zum Finden sehr bequem wäre – wenn die Nummern wenigstens im Inhaltsverzeichnis, wenn schon nicht bei den Artikeln selbst angegeben wären. Aber darauf hat man schlicht vergessen. Man muss also jedes Mal zählen, bei welchem Kapitel man gerade ist, um die Nummer zu kennen, die man im Stadtplan suchen will… Da wäre für die nächste Auflage etwas nachzubessern!

Renate Wagner

 

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