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WEIMAR: MADAMA BUTTERFLY

24.06.2013 | KRITIKEN, Oper

Premiere „Madama Butterfly“ am Deutschen Nationaltheater in Weimar am 22. Juni 2013

In einer regnerischen Nacht sitzt der gealterte, keine Ruhe findende Pinkerton in seiner Wohnung in Amerika und knipst die Tischlampe an. Seine Frau Kate liegt schlafend im gemeinsamem Ehebett.

Dieser Beginn der Inszenierung führte natürlich zunächst zu einiger Verwirrung, die von der Musik ablenkte, bis sich schließlich alles aufklärte. Pinkerton erinnert sich, von Gewissensbissen gequält, an das, was er einst in Japan erlebte. Alles um ihn herum, also die ganze Handlung des 1. Aktes existiert nur in seiner Phantasie. Sein junges alter Ego wird von einem Schauspieler dargestellt.

Pinkerton wird dabei sehr überzeugend von Timothy Richards dargestellt, der auch durch eindrucksvolle Spitzentöne beeindruckt. Im 2. Akt sehen wir dann, diesem Konzept entsprechend die gealterte, grauhaarige Butterfly, deren Selbstmordversuch offenbar nicht gelungen ist (so ja auch in der dem Stück zugrunde liegenden Erzählung von John Luther Long).

Man muss sagen, dass die Regisseurin Eva-Maria Höckmayr mit der Sopranistin Jana Havranová eine ausgezeichnete Besetzung für die Umsetzung ihrer Regieidee gefunden hat. Sehr berührend spielt Havranová die von Erinnerungen heimgesuchte Butterfly, die sich nicht von ihren Träumen, doch einmal eine amerikanische Hausfrau zu sein, lösen kann, und alle Möglichkeiten eines erfüllten Lebens in Japan – so lehnt sie ja auch den Heiratsantrag des sich um sie verzehrenden reichen Fürsten Yamadori (Alexander Günther) trotzig ab –in den Wind schlägt und in ihrem Wahn verharrt.

Gesanglich gelingt Jana Havranová unter anderem das „Un bel di..“ sehr ausdrucksstark, was auch mit starkem Applaus belohnt wurde.

Gleich in der nächsten Szene will Konsul Sharpless, von Alik Abdukayumov großartig dargestellt, Butterfly Pinkertons Brief übergeben. Sie will aber von der Tatsache, dass Pinkerton nicht mehr zu ihr zurückkehren wird, einfach nichts wissen. Alik Abdukayumov ist die Rolle des Sharpless wie auf den Leib geschnitten, sowohl darstellerisch, wobei er überzeugend die Anteilnahme, das Mitgefühl, aber auch das Unvermögen, die Lage zumBesseren zu wenden, gestaltet, als auch stimmlich. Man konnte von ihm herrliche Legato Bögen hören, in denen sein wunderbares, samtiges Timbre voll zur Geltung kam.Als Sharpless ist Abdukayumov sicherlich eine Idealbesetzung.

Die Darsteller der Dienerin Suzuki, Sayaka Shigeshima, des Onkels Bonze, Sebastian Campione, der Butterfly im 1. Akt verflucht, weil sie ihrer Religion zugunsten des Christentums abschwört, des Heiratsvermittles Goro, Frieder Aurich, Kate Pinkertons, Caterina Maier und alle anderen Mitwirkenden fügen sich sehr gut in die Regiearbeit ein, die man als gelungen bezeichnen muss und die zur intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Stück anregt.

Die Staatskapelle Weimar und der Opernchor des DNT Weimar (Einstudierung Fabian Wöhrle) unter der Leitung von Martin Hoff trugen mit ihrer Interpretation der Musik Puccinis ganz entscheidend zum Erfolg des Abends bei.

Dem Publikum hat es gefallen. Es folgte langer, begeisterter Applaus.

 Christoph Karner

 

 

 

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