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WEIMAR: JONNY SPIELT AUF

07.11.2014 | KRITIKEN, Oper

Weimar:  Krenek: Jonny spielt auf     6.11.2014

 Nicht allzu häufig taucht Ernst Krenek´s Oper „Jonny spielt auf „ auf  den Spielplänen auf. Sehr schade, denn es handelt sich um freche Musik zu eiunem frechem Libretto, immer noch hochmodern und ganz und gar unverbraucht.

Das Staatsthater Weimar bietet in der pointierten Inszenierung von FRANK HILBICH und unter dem Stab von MARTIN HOFF eine sehens- und hörenswerte Aufführung.

Das Bühnenbild von  VOLKER THIEME könnte gar nicht gelungener sein. Geschickt verwandelt sich der Raum vom Museum zum Hotel, von einer surrealen Eislandschaft zu einer realen Lobby.

 Etwas überinszeniert wirkt der stumme Beginn. Der Opernchor geht spielend einzeln über die Bühne. Wehe, wenn sie losgelassen. Nur zu Beginn outriert, wird die Handlungserzählung aber schnell zur klar geführten Personenregie. Das Stück wie die Aufführung jongliert dabei geschickt zwischen Ernst und Witz.

 Auch das Haus-Sängerensemble Weimars kann sich hören und sehen lassen. Eine Entdeckung ist dabei mit ihrer hinreißenden Bühnenpräsenz STEFFI LEHMANN  als Stubenmädchen Yvonne. Wenn sie die Szene betritt, haben es die anderen wirklich schwer. Ihr leichter Sopran ist zudem flexibel und frisch.

Aber auch LARISSA KROKHINA bringt einen warm timbrierten, bestens geführten schweren lyrische Sopran als Anita ein. BJÖRN WAAG singt einen gewitzten selbstverliebten Daniello mit ausufernder Emphase. ALEXANDER GÜNTHER bewältigt die gemein geschriebene Tenor-Partie des Komponisten Max höchst anständig, wenn er auch nicht alle Seelenregungen glaubhaft machen kann. Seine heldische Höhe ist unermüdlich, schöner ist es, wenn er auch Zwischentöne versucht.

Einzig KRISTER ST. HILL als Gast und Titelheld bleibt vor allem stimmlich und in der musikalischen Gestaltung dem Jonny einiges schuldig. Er setzt mehr auf tuntige Balletteinlagen als auf sängerische Interpretation.

 In den kleineren Rollen lässt noch ANTJOM KOROTKOV  mit trägfähigem und noblem Tenor als Hoteldirketor aufhorchen. DAEYOUNG KIM als Manager gibt einen soliden Manager und auch die drei Polizisten (vom Opernchor besetzt) bietet stimmlich wie szenisch starkes Profil. (KLAUS WEGENER, YOUNG JAE MOON, OLIVER LUHN).

 Die Staatskapelle unter MARTIN HOFF  musiziert gewohnt souverän. Der Dirigent ist dabei immer mit Aug und Ohr an der Szene. Die blechbläserlastige Partitur wird nur manchmal zum Handicap, was aber nicht den Ausführenden anzukreiden ist.

 Sehr warmherziger Applaus

 Damian Kern

 

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