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WEIMAR: FALSTAFF. Premiere

22.10.2012 | KRITIKEN, Oper

FALSTAFF  am Deutschen Nationaltheater in Weimar – 20. Oktober 2012


Uwe Schenker-Primus als „Falstaff“

Die Premiere von Verdis herrlichem Abschiedsgesang von der Opernbühne „Falstaff“ brachte für das gesamte Team, den Chor und das Staatsorchester Weimar unter der Leitung von  GMD Stefan Solyom einen großen, vom Publikum bejubelten Erfolg.

Schon dem Darsteller des Falstaffs, Uwe Schenker- Primus, war durch seine Statur und Körperfülle die Figur des Titelhelden wie auf den Leib geschnitten. „Mein Bauch ist mein Königreich“ wirkt hier vollkommen glaubwürdig.  Andererseits beweist der  Sänger auf der Bühne eine außerordentliche Beweglichkeit, ja Behändigkeit,  wenn er einmal wie ein Balletttänzer springt, ein andermal sich bei der Annäherung an Alice Ford auf einen Klavierflügel wirft.
Beachtlich ist,  dass der Sänger nach der Absage von  George Gagnize die Rolle kurzfristig übernahm und neu einstudierte. Mit schöner, kräftiger Baritonstimme gelang ihm sein Schlüsselmonolog aus dem 1. Akt –„ L’onore! Ladri.“- diese Absage an  den Ehrbegriff, besonders eindrucksvoll. Von diesem sympathischen Sänger wird man bestimmt noch viel  hören.
Alik Abdukayumov, als Ford der Gegenspieler Falstaffs,  brachte stimmlich, aber auch darstellerisch eine Glanzleistung. Er setzte  seinen warmen, edel timbrierten, farbenreichen Bariton stets mit  großer Musikalität ein.  Seine große Arie im 2. Akt  „È sogno? o realtà“ war einer der  Höhepunkte des Abends. Diese Art des Singens kann süchtig machen.  Alik Abdukayumov ist ja auch in Wien kein Unbekannter; in der vergangenen Saison wurde er an  der Wiener Volksoper als Escamillo, Tonio in „Der Bajazzo“, Vater Germont und Michele in „Der Mantel“ vom Publikum bejubelt.
Hoffentlich können wir diesen Sänger bald wieder in Wien hören.
Philipp Heo, der Fenton, sang seine Arie mit zarten Pianos und strahlenden Höhen. Die Oberösterreicherin Elisabeth Wimmer ließ mit einer schönen, gut geführten Stimme aufhorchen und verzauberte mit ihrer Arie aus dem 3. Akt „Sul fil d’un soffio etesio“, der letzten Arie, die  Giuseppe Verdi in seinem Leben komponierte.
Regie und Bühnenbild des Teams Sabine Hartmannshenn und Stefan Heinrichs sind interessant. Das Stück spielt auf einer Baustelle mit hohem Gerüst und alter Badewanne, in die Falstaff gekippt wird. Das alles soll wohl die Unvollkommenheit und Beschränktheit der Welt ausdrücken.
Aber darauf antwortete das gesamte Ensemble, indem es in den Zuschauerraum vor den Orchestergraben trat, mit der  unvergleichlichen Fuge „Tutto nel mondo è burla“,  „Alles auf Erden ist Spaß“

Helena Köhne
, Mrs. Quickly mit schöner Tiefe, Jörg Eichler, Dr. Cajus, Frieder Aurich, Bardolfo; Sebastian Campione, Pistola; Maria Zumbült, Alice Ford und Ulrika Strömstedt, Meg Page.

Alle gemeinsam führten den Abend zu einem triumphalen Abschluss. Es folgte minutenlanger, tosender Applaus.

Ein Opernfest für Weimar.

  Christoph Karner

 

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