Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WEIL DER STADT:  duo vivido im Klösterle/ Weil der Stadt. Mit fetzigen Rhythmen

 duo vivido im Klösterle Weil der Stadt

Mit fetzigen Rhythmen

duo vivido“ im Klösterle/WEIL DER STADT (18.1.2020)

Sie sind beide noch Studenten an der Stuttgarter Musikhochschule und haben schon viele Preise beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ gewonnen: Adam Ambarzumjan (Klarinette) und Anna Springer (Klavier). Sie werden von der Yehudi Menuhin Stiftung gefördert. Gleich beim fetzigen Klarinettenkonzert von Artie Shaw ging richtig die Post ab. Knisternde Rhythmen und leuchtkräftige Melodien ergänzten sich wie von selbst. „Let’s be happy“ von Giora Feidman hatte es ebenfalls in sich, denn Adam Ambarzumjan und Anna Springer gingen sehr gut aufeinander ein. Dies galt auch für die zahlreichen dynamischen Steigerungen. Von Vincenzo Bellini erklang dann die „Casta diva“-Arie aus der Oper „Norma“. Belcanto-Zauber paarte sich hier mit verminderten Intervallen und reizvollen chromatischen Durchgängen. Die Bearbeitung der „Bohemian Rhapsody“ der Gruppe „Queen“ begeisterte die Zuhörer ebenso aufgrund des leidenschaftlichen harmonischen Überschwangs. Der „Ungarische Tanz Nr. 1“ von Johannes Brahms überzeugte in der Wiedergabe des „duos vivido“ in ähnlicher Weise. Glühende zigeunerische Melodien gipfelten hier in atemlosen rhythmischen Prozessen. Das „Ave Maria“ von Johann Sebastian Bach in der Bearbeitung von Charles Gounod gelang den beiden Musikern nicht so überzeugend wie das „Ave Maria“ von Franz Schubert, dessen ergreifende Schlichtheit das Publikum sofort ergriff. Dafür brillierte Anna Springer als Pianistin beim elektrisierend vorgetragenen Rondo capriccioso in E-Dur op. 14 von Felix Mendelssohn Bartholdy umso mehr. Den kantablen Schmelz der Introduktion erfasste sie ebenso gut wie das pathetische Declamato. Auch die chromatisch aufsteigenden Bassfiguren zu Terzentrillern sowie die Staccato-Sprünge schufen eine hitzige harmonische Atmosphäre. Die Gesangslinie vernachlässigte Anna Springer nie. Vor allem die Coda der Oktavenpassagen gestaltete sie machtvoll und imponierend. Anna Springer verriet dem Publikum auch, dass sie Zucchinis ebenso gern wie die Musik von Mendelssohn Bartholdy mag. Mit präzisen Glissando-Effekten und melodischen Finessen wartete das „duo vivido“ bei der „Rhapsody in Blue“ und „Summertime“ von George Gershwin auf. Geradezu ekstatisch gelang den beiden die Interpretation der Ungarischen Rhapsodie Nr. 2 von Franz Liszt. Das Tanzmotiv mit seiner Wendung nach Dur wurde in ausgezeichneter Weise getroffen. Klavier und Klarinette ergänzten sich dabei in wahrhaft fantastischer Weise. Kantable Grazie und lebhafte Motive wechselten sich facettenreich ab. Zwölf retardierende Takte mündeten dann in eine kurze Kadenz. Und die Prestissimo-Oktavenpassage der knappen Coda wirkte wie ein grandioses Feuerwerk. Ähnlich mitreissend gestalteten Adam Ambarzumjan und Anna Springer zuletzt den „Csardas“ von Vittorio Monti, wo feurige harmonische Blitze zuckten. Dass die beiden hochbegabten jungen Musiker eine besondere Affinität zum Jazz haben, wurde bei diesem sehr gelungenen Konzert deutlich. Balkan, Jazz, Klassik und Klezmer werden vereint. So gab es zu Recht begeisterten Schlussapplaus. 

Alexander Walther

 

Diese Seite drucken