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VINYL/CD MIKHAIL PLETNEV spielt Préludes von FRÉDÉRIC CHOPIN und ALEXANDER SCRIABIN; Deutsche Grammophon

30.12.2025 | Allgemein, cd

VINYL/CD MIKHAIL PLETNEV spielt Préludes von FRÉDÉRIC CHOPIN und ALEXANDER SCRIABIN; Deutsche Grammophon

LP 180g, pur analoges Vinyl, 45 RPM: Chopin Préludes op. 28 Nr. 1-24, Scriabin Préludes op. 11 Nr. 1-24

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1978 gewann er, 21 Jahre jung, den Internationalen Tchaikovsky-Klavierwettbewerb. Mikhail Pletnev, Pianist, Komponist, Orchestergründer und Dirigent, war Klavierschüler von Jewgeni Timakin und Jakow Flier. Vertreter der großen romantischen russischen Klavierschule, ist bei Pletnevs Interpretationen beinahe als Alleinstellungsmerkmal stets der überlegte Strukturalist, der feinsinnige Klangmagier, der tiefgründige Anschlagspoet und auf Transzendenz abzielende Künstler herauszuhören.

Nach 20 Jahren Pause nahm er für die Deutsche Grammophon im November 2024 in den Emil Berliner Studios die 24 Préludes von Chopin und Scriabin auf. Beide Zyklen starten dem Quintenzirkel folgend in C-Dur und enden in d-Moll. So fragmentarisch und knapp manche der kaum eine Minute langen Préludes wirken mögen, in ihrem Gesamtzusammenhang ergibt sich eine Art von in Schönheit schwelgendem Weltschmerz und dessen pianistische Entsprechungen, in denen Scriabins Schwager Boris de Schloezereine starke Sensibilität, eine verfeinerte Emotionalität, eine fast kränkliche Zartheit, dazu Krisen fiebernden Leidens, einen Hang zum melancholischen Träumen, aber auch heftige explosive Energien“ ausmachte.  

Was das Album so einzigartig macht, sind einmal und vorrangig Pletnevs unglaublich märchenhaft gepinselte Klangbilder. Dazu kommt, dass es sich um die erste rein analoge DG-Neuproduktion seit den Achtzigerjahren handelt und Pletnev als Instrument einen japanischen Shigeru Kawai wählte. Dieser seit 1999 produzierte Edelflügel, der mit spezifischen Dampfern und verlängerten Tasten bei aller Präzision besonders samtig klingen kann, ermöglicht ein einzigartig reiches Spektrum an flirrenden Pastelltönen.  

In einer einzigen, viereinhalbstündigen Sitzung entstanden, sorgten die Techniker der Emil Berliner Studios mit einer Studer C37-Röhrenbandmaschine und eigens produzierten Sennheiser Mikros für das analoge Equipment. Parallel zu der analogen, mittels herkömmlicher Klebeverfahren erstellten Bänder wurde eine weitere Version für CD und Streaming mit zusätzlichen Mikrofonen digital aufgezeichnet. Selbstredend klingt die Analog-Version transparenter, lyrisch verträumter und so natürlich, als ob das Klavier mitten im Raum stünde.

Am Ende ist es Pletnevs unbeschreibliche Ader für Chopins und Scriabins pianistisches Wünschelrutengold, die immer wieder verblüffend spontan mittels somnambuler Einfühlung, atmosphärisch unendlich wandelbaren Licht- und Schattenspielen zutage tritt. Kaum je wurde die künstlerische Verwandtschaft der beiden im zeitlichen Abstand von etwa fünfzig Jahren entstandenen Zyklen so offenkundig wie hier. Aus einem Stück Sehnsuchtsholz geschnitzt, entfalten die Miniaturen – ihrer Bekanntheit ungeachtet – eine beinahe kindliche Freude und Zauberkraft, als ob ein neuer Kontinent sich aus dem Meer erhöbe. Als müsste es so sein, vermeintlich konventionell und doch so eigenwillig. Pletnev sei Dank.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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