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Vincenzo Bellini: ADELSON e SALVINI

11.03.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

0792938005621

Vincenzo Bellini:
ADELSON e SALVINI

OPERA RARA 2 CD

Hybrider Studentenstreich mit einem gehörigen Schuss Rossini

Der aus Catania stammende Bellini hat Adelson e Salvini in der Zeit als Musikstudent in Neapel, der Hauptstadt im damaligen Königreich zweier Sizilien,  geschrieben. Die Hauptfigur, Lord Adelson, ist ein Buffobass in neapolitanischem Dialekt singend. Seine erste große Arie erinnert enorm an Rossinis „Il Viaggio a Reims“, auch seine späteren Nummern klingen nach Rossini pur. Rossini war in Neapel des jungen Bellini der künstlerische und musikalische Direktor am Teatro San Carlo. Nichtsdestotrotz war der Zeitgeist in Neapel ein eigener, und die melodische Pracht von Cimarosa, Paisiello und Zingarelli waren Maßstab des Unterrichts und im Zentrum der neapolitanischen Opernschule. 

So wundert es auch nicht, dass neben vielen schwungvollen Arien und kunstvoll gedrechselten Ensembles, die Romanze der Nelly „Dopo l‘oscuro nembo‘ aus dem ersten Akt absolut meisterlich inspiriert ist und mit den besten Eingebungen in „Norma“ oder „I Puritani“ konkurrieren kann. Diese Arie hat Monserrat Caballé mir großem Einsatz wieder bekannt gemacht, heute fühlen sich damit Sängerinnen wie JoyceDi Donato, Elina Garanca oder Nino Machaidze hörbar pudelwohl. Auf der Opera Rara  Aufnahme singt Daniela Barcellona mit luxuriös timbriertem, aber halt doch sehr weit ausschwingendem Mezzo Nelly, die Verlobte von Lord Adelson.

Die Oper spielt in Irland im 17. Jahrhundert. Besagte Fanny ist in ihren Mallehrer Salvini (Enea Scala mit spitzen und in den Höhen gequetscht klingendem Tenor), bester Freund von Adelson (herausragend Simone Alberghini), verliebt. Eine Leidenschaft, die der arme Künstler erwidert. Adelson kehrt aus London auf das Schloss zurück und endlich soll Hochzeit gefeiert werden. Ein zwielichtiger Jägergeselle namens Colonel Struley (Rodion Pogossov) will Nelly mit Hilfe seines Vasallen Geronio (David Soar) nach London entführen. Dabei soll Salvini mittels einer Intrige helfen. In einem gefälschten Brief erfährt er von der angeblichen Heirat Adelsons mit einer anderen. Dann wird es auch richtig gruselig, mit Feuer im Schloss und so weiter. Der hochverschuldete Diener Salvinis, Bonifacio (Maurizio Muraro) erhält die Freiheit, weil er Adelson gesteht, Nelly hätte eine Affäre mit Salvini gehabt, der Schlossherr sei aber selbst schuld daran, weil man eine junge Frau nicht so lange alleine lässt. Salvini glaubt Nelly mit einem Dolch ermordet zu haben. Aus Versehen, das Messer wäre für Struley bestimmt gewesen. Nelly lebt natürlich und hüpft quicklebendig vor dem Vorhang hervor. Schließlich schickt der Adelige den Maler mit einer großen Abfindung wieder zurück nach Italien. Endlich können Adelson und Nelly doch Hochzeit feiern. Uff! Zum Personal des Stücks gehören noch die Haushälterin auf dem Schloss, Madama Rivers (Leah-Marian Jones), Adelsons junger Vasall Fanny (Kathryn Rudge) und Bauern, Hirten und Diener, die dem Chor (Opera Rara Chorus) anvertraut sind.

Von der Oper Adelson e Salvini gibt es jede Menge an Fassungen und Revisionen. Daher hat man sich bei Opera Rara entschieden, die ursprüngliche Partitur als Grundlage der Einspielung zu wählen, diejenige, die zu Lebzeiten Bellinis aufgeführt worden war. Die Aufnahme enthält als Anhang einige Stücke aus späteren Versionen. Bellini hat in anderen Opern gerne auf Nummern aus Adelson e Salvini zurückgegriffen. So hat Bellini die Ouvertüre fast eins zu eins auf die Oper „Il Pirata“  übertragen. Andere Passagen finden sich in „Bianca e Fernando“, „La Straniera“ und „I Capuleti e i Montecchi“. 

Die Oper ist für drei Mezzos, vier Bässe/Baritone und nur einen Tenor geschrieben. Die Dialoge sind gesprochen. Eigentlich steht die Auseinandersetzung zweier Freunde im Zentrum der Handlung, die Liebesgeschichte gibt da nur das Kolorit dazu. In der Neuaufnahme von Opera Rara wird anständig gesungen. Nur Simone Alberghini ragt charakterstark aus dem Ensemble heraus. Das Dirigat des jungen Daniele Rustioni ist exzellent, voller Spannung und Brio, voller Sentiment und Lust am bunten Fabulieren. Insgesamt liegt hier eine musikalisch gute erste Studioaufnahme dieser ersten Oper aus der Feder Bellinis vor.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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