Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

VENEDIG: LA SONNAMBULA

26.05.2012 | KRITIKEN, Oper

VENEDIGTeatro La Fenice  „ LA SOMNAMBULA“ . Besuchte Vorstellung am 25. 5. 2012


Der Autobus wartet auf die Skifahrer. Foto: Michele Crosera

Bellinis kompositorische Eingebungen sind wohl der stärkste musikalische Ausdruck der Hoch-Romantik. Die ganz großen Anforderungen an die Virtuosität der Sänger  sind mehr als Artistik, nämlich noch viel mehr die perfekte Wiedergabe von Melancholie und Emotionen.

Das Produktionsteam mit Bepi Morassi/Regie; Massimo Checchetti/Bühne und Carlos Tieppo wollte in allem wohl den Eindruck einer Produktion der 1930-er Jahre erwecken, sowohl in der Personenführung, als auch in den fünf Bühnenbildern (alle haben im Hintergrund eine Szenerie mit den großartigen, schneebedeckten Schweizer Alpen). Die Männer tragen Pumphosen im Stil jener Jahre. Einige Einfälle des Regisseurs: Amina ist vom Conte Rodolfo fasziniert, was die Eifersucht Elvinos verständlich macht. Als Lisa das „Einfangen“ Elvinos endgültig misslingt, wendet sie sich nun dem vorher immer abgewiesenen Alessio zu.

Gabriele Ferro ließ gefühlvoll, aber nie gefühlsselig aufspielen. Das Orchester folgte aufmerksam und zeigte sich sehr gut in Form, ebenso der Opernchor/Claudio Marino Moretti.

Für die Hauptpartien war eine sehr gute Besetzung aufgeboten: So sang die junge Jessica Pratt die Amina. Sie besitzt ein sehr schönes helles Timbre, Fiorituren und höchste Höhen gelingen mühelos. In dramatischen Situationen bekommt ihre Stimme eine gewisse aparte Schärfung.
Gleich für ihre erste größere Szene, die Cavatina „Cara compagne“ bekommt sie Bravos. Die zweite Nachtwandelszene war exzellent. Sie sang in zartestem Piano/Pianissimo sehr berührend und perfekt. Da bekam sie sogar Bravissima-Rufe.

In Wien sang er wunderschön den italienischen Sänger im „Rosenkavalier und machte mit seinem Einspringen als Arturo in den „Puritani“ großes Aufsehen und seitdem eine schöne internationale Karriere mit Belcanto-Rollen. Gemeint ist Shalva Mukeria. Als Elvino erbrachte er eine sehr anerkennenswerte Leistung..

Da auch Giovanni Battista Parodi als Conte Rodolfo über eine mächtige, volle Bassstimme verfügt, der für Belcanto bestens geeignet ist und er dazu auch noch ganz gut ausschaut, konnte man mit großer Freude sich der Vorstellung hingeben.

Julie Mellor war eine besorgte gutstimmige Teresa. Lisa hat gleich anfangs, so aus dem Stand heraus, eine sehr schwere Arie „Tutto è goia“, die nur selten gut gelingt. Anna Viola tat sich recht schwer damit und es wollte ihr keine schöne Linie gelingen. Dario Ciotoli ließ in der kleinen Rolle des Alessio aufhorchen.

Das Publikum war für italienische Verhältnisse äußerst stark angetan. Solch eine Begeisterung erlebt man im Süden nur selten. Die drei Hauptpersonen Pratt, Mukeria und Parodi standen im Zentrum des Beifalls, aber auch der Dirigent Ferro, samt dem Orchester.

Martin Robert BOTZ

 

Diese Seite drucken