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TRAPANI/ Luglio Musicale Trapanese/ Teatro Giuseppe di Stefano: LA TRAVIATA

23.08.2019 | Allgemein, Oper


„La Traviata“ Francesca Sassu. Luglio Musicale Trapanese

 

TRAPANI/ Luglio Musicale Trapanese/ Teatro Giuseppe di Stefano: LA TRAVIATA

am 21.8.2019

Im Herbst eröffnen gleich drei italienische Opernhäuser ihre Saisonen mit LA TRAVIATA. Nun ist diese „Vom Wege Abgekommene“ natürlich ein unsterbliches Meisterwerk, aber sie gleich dreimal gleichzeitig und noch dazu in drei verschiedenen Produktionen zu spielen (vielleicht sind es auch noch mehr) zeugt ja nicht nur von absoluter Fantasielosigkeit und totaler Feigheit der betreffenden Intendanten, sondern noch dazu von einem scham- und gewissenlosen Umgang mit öffentlichen Geldern.

Die drei großen Teatri Lirici in Italien hätten sich besser zusammengetan und gemeinsam eine sensationelle Inszenierung des kleinen westsizilianischen Festivals Luglio Musicale Trapanese übernommen.


Im Nachtclub. Foto: Luglio Musicale Trapanese

Andrea Cignis Inszenierung ist moderat modern und kommt mit wenigen, sehr zeichenhaft eingesetzten Bühnen-Elementen aus und ist daher auch sehr kostengünstig und einfach zu übernehmen: ein paar Plexiglaskubuse, in die je nach Bedarf andere Hauptrequisiten eingesetzt werden, eine Poledance-Stange am Anfang, einige künstliche Gräser für den Landakt und ein Infusionstropf für das Ende.

Poledancestange ? Ja, denn Cigni nimmt als einer der wenigen Regisseure ernst, dass das Wort „Traviata“ zwar wunderschön klingt, aber genau genommen nur ein euphemistischer Ausdruck für Prostituierte, für.Hure ist. Folgerichtig verlegt er zeitgenössischerweise den Ausgangspunkt der Story in einen Nightclub.


„Parigi, o cara…“. Foto: Luglio Musicale Trapanese

 

In der Titelrolle: Francesca Sassu, eine der derzeit in Italien (Venezia, Bari, etc.) nachgefragtesten Violetta Valérys. SIe glänzt nicht nur stimmlich, sondern kann sich auch im Burlesque-Outfit durchaus sehen lassen. Giuseppe Tommaso als ihr Lover Alfredo kann da leider nur äußerlich mithalten. Sehr berührend hingegen Laura Cherici in der „Nebenrolle“ der Annina, die mit ihrer Herrin mitfühlt und mitleidet, aber ihrem Schicksal hilflos zusehen muss.Männlich und herrisch: Enrico Cossuta als Baron, soigniert, aber unerbittlich: Sergio Vitale als Vater Germont.

Und Andrea Certa an der Spitze des Orchestra del Luglio Musicale hält das alles den ganzen Abend lang konzentriert und souverän zusammen.

Liebe italienische Opernhäuser, besinnt euch doch bitte endlich eines Besseren: machts nur eine gemeinsame Traviata oder Aida oder Trovatore-Produktion pro Jahr, und verwendets das gesparte Geld dann lieber für rarere Werke. Danke !

 

Robert Quitta, Trapani

 

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