FLENSBURG/ Marienkirche: THE QUEEN’S SIX
„On Her Majesty’s Secret Service“
am 18.7.2026

The Queen’s Six begeisterten Flensburg | © The Queen’s Six (Windsor)
The Queen’s Six begeistern in der Flensburger Marienkirche
Schon beim Betreten der Marienkirche am Nordermarkt lag am vergangenen Samstag eine besondere Atmosphäre in der Luft. Der Kirchenraum war stimmungsvoll mit Kerzen beleuchtet, wegen des großen Andrangs mussten sogar zusätzliche Stühle aufgestellt werden. Kein Wunder: Mit The Queen’s Six gastierte eines der renommiertesten Vokalensembles Großbritanniens in Flensburg.
Die sechs Sänger, die als Lay Clerks der St George’s Chapel auf Schloss Windsor regelmäßig für die britische Königsfamilie singen, präsentierten ihr Programm „On Her Majesty’s Secret Service“. Dabei verbanden sie Musik der Renaissance mit modernen Arrangements und bekannten Titeln aus der James-Bond-Welt. Die Sänger führten selbst mit charmantem britischem Akzent auf Deutsch durch den Abend und lockerten das Konzert mit trockenem englischem Humor und amüsanten Anekdoten auf. Köstlich war die Geschichte über amerikanische Touristen, die sich angeblich wundern, warum Windsor Castle ausgerechnet in der Einflugschneise des Flughafens Heathrow gebaut wurde.
Musikalisch überzeugte das Ensemble vom ersten bis zum letzten Ton. Die ausgezeichnete Akustik der Marienkirche ließ selbst feinste Pianissimo-Passagen mühelos bis in die letzten Reihen tragen, ohne dass einer der Sänger seine Stimme forcieren musste. Der homogene Ensembleklang beeindruckte ebenso wie die individuelle Qualität jeder einzelnen Stimme.
Tom Lilburn begeisterte mit seinem Countertenor, der außergewöhnlich klar und frei von jeder Schärfe erklang. Elizabeth Paul, die erste Frau in der Geschichte des Ensembles, fügte sich nahtlos in den Gesamtklang ein und setzte zugleich immer wieder solistische Glanzpunkte. Für Überraschungsmomente sorgte Bariton Andrew Thompson, der nicht nur sang, sondern bei mehreren Arrangements mit verblüffender Beatbox-Technik ein komplettes Schlagzeug ersetzte. Selbst seine Bewegungen erinnerten dabei an einen Drummer, obwohl sämtliche Rhythmen ausschließlich aus seinem Mund stammten. Auch die beiden Tenöre Nicholas Madden und Dominic Bland trugen entscheidend zum ausgewogenen Gesamtklang bei. Madden überzeugte mit einer warmen, geschmeidigen Stimme und ließ sich selbst in den dichtesten polyphonen Passagen mühelos heraushören, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Bland setzte mit seinem hellen, klar fokussierten Tenor feine Akzente und verlieh dem Ensemble zusätzliche Strahlkraft. Erst seit diesem Jahr gehört Thomas Lowen zur Besetzung. Mit seinem sonoren, tragfähigen Bass verlieh er dem Ensemble ein sicheres Fundament und sorgte besonders in den ruhigen Passagen für eine beeindruckende klangliche Tiefe, ohne jemals schwer oder dominant zu wirken.
Das Ensemble trat überwiegend zu sechst auf, ließ einzelne Werke aber auch in Quartett- oder Quintettbesetzung erklingen. Gerade diese wechselnden Formationen sorgten für zusätzliche klangliche Vielfalt.
Zu den bewegtesten Momenten des Abends gehörte für mich Nikolai Golowanows Slava, Yedinorodnii Sine. Die eindringliche Klangsprache und die enorme Ausdruckskraft dieses Werkes gingen tief unter die Haut und wurden für mich zum persönlichen Höhepunkt des Konzerts. Golowanow komponierte diese hochemotionale Sakralmusik kurz vor der Russischen Revolution, bevor das stalinistische Regime geistliche Werke rigoros verbot. The Queen’s Six entfalteten mit ihrer Interpretation eine fast physisch spürbare, spirituelle Kraft.
Ebenso faszinierte Andrew Thompsons Arrangement von Billie Eilishs No Time To Die. Die bekannte Bond-Melodie wirkte nicht wie eine bloße Bearbeitung, sondern entwickelte sich im Arrangement von Andrew Thompson zu einem eigenständigen Kunstwerk, das den Charakter des Originals bewahrte und gleichzeitig völlig neue musikalische Facetten offenbarte.
Überhaupt zeigte sich die große Stärke von The Queen’s Six darin, scheinbar mühelos zwischen Jahrhunderten und Stilrichtungen zu wechseln. Renaissance-Motetten von William Byrd oder Thomas Morley standen gleichberechtigt neben Jazz, Pop, südamerikanischen Klängen und James-Bond-Melodien. Trotz dieser Vielfalt wirkte das Programm nie beliebig, sondern folgte einer klaren dramaturgischen Linie mit sakralem Beginn bis hin zum mitreißendem Finale.
Mit dem einsetzenden Schlussapplaus erhoben sich die Zuhörer zu spontanen Standing Ovations. Den Schlusspunkt setzte das Ensemble mit einer augenzwinkernden Zugabe: Video Killed the Radio Star, die den Abend ebenso hochklassig beendete, wie er begonnen hatte.
The Queen’s Six bewiesen eindrucksvoll, dass exzellente Vokalmusik höchste musikalische Qualität mit Unterhaltung verbinden kann. Das Publikum in der Flensburger Marienkirche dankte es den sechs Sängern mit lang anhaltendem Jubel.

