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STUTTGART/Paul Gerhardt-Saal: KONZERT KATHERINE NIKITINE – mit feurigem Schwung

MIT FEURIGEM SCHWUNG

Pianistin Katherine Nikitine im Paul-Gerhardt-Saal/STUTTGART – 16.02.2014

Diesmal konnte der versierte Dirigent Ulrich Mangold der Paul-Gerhardt-Gemeinde einen besonderen Gaststar präsentieren: Nämlich die 1986 in Paris geborene Pianistin Katherine Nikitine, die aus vielen internationalen Wettbewerben siegreich hervorging und sich unter anderem den ersten Preis Paris 2002 sowie den zweiten Preis beim Internationalen Wettbewerb Scriabin sicherte. Das temperamentvoll musizierende Paul-Gerhardt-Kammerorchester Stuttgart präsentierte unter der einfühlsamen Leitung von Ulrich Mangold die Fassung für Kammerorchester, die die Schwächen des Orchesterparts glücklicherweise weitgehend vergessen lässt. Katherine Nikitine erfasste die Persönlichkeit Frederic Chopins gleich beim ersten Klavierkonzert in e-Moll sehr gut, denn Reife und frühe Vollendung stachen hier deutlich hervor. Vor allem die Gesangsmelodie mit ihrer sehnsüchtig-schwärmerisch auf- und niederschwingenden Linie zeigten Chopins Eigenheiten, die mit Leidenschaft und träumerischer Behutsamkeit hervortraten. Geheimnisse der Themen und immer neue Klangwunder wurden hier von der begnadeten Pianistin beschworen, die immer mehr aus sich herausging. Und auch die Seelenstimmungen voll leiser Wehmut kamen nicht zu kurz. Die Larghetto-Romanze vermittelte dann bei Katherine Nikitines sensibler Wiedergabe den Eindruck eines liebesvollen Hinblickens auf eine Stätte angenehmer Erinnerungen. Lyrische Emphase wurde dabei aber nicht übertrieben. Nach dieser träumerischen Mondglanz-Beschwörung begeisterte das abschließende Vivace-Rondo daraufhin als sprühend-geistvolles Salonstück mit hinreissendem Glanz und Schwung. Im bunten Wechsel seiner mannigfachen Episoden kam auch die reizvolle Poesie nicht zu kurz.

Und die imposante Themenaufstellung beim zweiten Klavierkonzert in f-Moll von Frederic Chopin gefiel den Zuhörern bei dieser Wiedergabe ungemein. Das Orchester machte klar deutlich, dass es sich hier um einen Sonatensatz ohne Coda handelt. Und die Pianistin schöpfte das reich strömende Material voll aus, Kraft und Schönheit der Chopin-Melodien faszinierten das Publikum, zumal Ulrich Mangold der Solistin als Dirigent genügend Spielraum ließ. Das anschließende Larghetto erinnerte sehr stark an die wunderbar intimen Noturnes von Chopin. Die Harmonik wirkte dicht, zugleich verhalten und schwärmerisch und war von geradezu übermächtiger Leidenschaftlichkeit erfüllt. Diese brannte im dramatischen Mittelteil voll auf. Verschwiegende Seelenbekenntnisse waren wiederholt zu vernehmen. Katherine Nikitine erfüllte aber auch das überaus beschwingte Finale mit großartigem Feuer und legte die Verquickung von Walzer- und Mazurka-Themen offen. Poesie, Eleganz und Fantasie mündeten in eine atemlose Schluss-Stretta.

Als Zugabe bot Katherine Nikitine noch eine aufwühlend gestaltete Chopin-Etüde. Übrigens wird dieses denkwürdige Konzert auch als CD-Produktion aufgezeichnet. 

 Alexander Walther

 

 

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