Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

STUTTGART/ Staatsoper: : LA SONNAMBULA (Die Schlafwandlerin) von Vincenco Bellini. Wiederaufnahme

Stuttgart, La sonnambula/die Schlafwandlerin von Vincenzo Bellini, WA 6.3.2026

musc
Claudia Muschio. Foto aus Video

Das ist die Wiederaufnahme eines der Hauptwerke des großen sizilianischen Belcantisten und Romantikers in der Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito in der 45.Vorstellung seit 2012. Schon das Bühnenbild von Anna Viebrock war eine Wucht. Der  ‚ausladende‘ Raum eines schweizerischen  Landgasthauses ,ganz hinten mit seinen Treppenaufgängen beherrscht die Gesamtbühne. Risenschränke an den Wänden. Ein großes Sofa verstellt große seitliche Eingangstüren und mutiert später zum Bett des Grafen. Der eifersüchtige Gutsbesitzer Elvino ist in der besuchten Vorstellung der Einspringer  Luciano Botelho, der sich zu Beginn vor versammelter Dorfgemeinschaft bei Zuziehung eines Notars die Ehe mit Amina eingehen will. Er musste kurzfristig in die Inszenierung eingewiesen werden, sang seinen Tenorpart mit Aplomb bis in höchste Lagen bei angenehmen aber etwas zurückgenommen Timbre. Seine köstlich von ihrer ‚Ziehmutter‘ Teresa betreute und herausgeputzte Braut Amina, Waise,wird  in jeder Beziehung unübertrefflich von der italienischen Koloratursopranistin  Claudia Muschio  kongenial/zur Komposition verkörpert und durchdrungen. Nach einem nächtlichen Schlafwandel, bei dem sie sich  in das Gastgemach des Grafen verläuft, wird sie von den Dorfbewohnern ‚gestellt‘. Nur aber eben hier in einem weißen Nachthemd, das jetzt völlig blutverschmiert erscheint. Der Graf, der sich in einen Schrank zurückgezogen hatte, kann die Unschuld Aminas bestätigen, und die Wirtin Lisa, ebenfalls verliebt in Elvino, hat sich zu früh gefreut. Nur kann in der erneuten Vereinigung des Liebespaars Elvino das völlig blutverschmierte Nachthemd nicht entgangen sein, er zeigt aber gar keine Reaktion darauf. Es konnte scheint’s die Inszenierungs-Einweisung nicht bis zum final-Happy-end gediehen sein.

Die gesanglose Figur La Strige/’Hexe‘, ähnlich üppig wie die Wirtin Lisa, wird von Sandy Liebehenschel verkörpert.Der Notar ist kurz und knackig Ruben Mora vom Chor. Den Bauer Alessio, verliebt in Lisa, gibt, auch eher dezent, Andrew Bogard. Catriona Smith verkörpert als Wirtin quasi Züge zum “Mannweib‘, ist auch in vorgeschrittenerem Alter gross in dramatischer Sopranstimme und Rollenbeherrschung. Die Teresa in der Gestalt Helena Schneidermans, auch eine Stuttgarter Legende,singt tragende Mezzo-Sopranrollen und erledigt diese als Ziehmutter mit ihr ganzen Routine und Einfühlungsvermögen, auch köstlich gestylt.Graf Rodolfo ist ein ‚beherrschender‘ Typ und in Gestalt von Goran Juric die bassale Autorität,die auch den reichen Gutsbesitzer überzeugen kann. Der klangkompakte Chor, bis in einzelne Mitglieder durchinszeniert, spielt eine packende Rolle (E: Bernhard Moncado).Die Orchsterbegleitung angemessen spritzig, unter der Leitung von Vlad Iftinca spitzen sich die Tempi immer wieder unglaublich zu.

Friedeon Rosen

 

 

Diese Seite drucken