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STUTTGART/ Staatsgalerie/“Internationale Hugo Wolf-Akademie: GALERIEKONZERT MIT LIEDERN VON GUSTAV MAHLER (Christiane Karg/ Malcolm Martineau)

Internationale Hugo-Wolf-Akademie: Galeriekonzert mit Liedern von Gustav Mahler am 6. März in der Staatsgalerie/STUTTGART

Himmlische Sphären

Das neue Album A Christmas Promenade | Christiane Karg
Christiane Karg. Copyright: Christiane Karg.de

So unerbittlich Gustav Mahler als Orchesterleiter war, so streng beurteilte er auch seine eigenen Kompositionen. Dies betrifft insbesondere seine frühen Lieder, die erstmals im Jahre 1892 erschienen sind. Man kann dieses Urteil heute kaum noch nachvollziehen –  zumal es hervorragende Interpretinnen wie Christiane Karg (Sopran) gibt, die diesen Werken eine geheimnisvolle Tiefe und Größe verleihen.

In der Staatsgalerie wurde sie nun sehr einfühlsam von dem schottischen Pianisten Malcolm Martineau begleitet. Gleich zu Beginn erwachte beim „Frühlingsmorgen“ aus dem Jahre 1882 eine unglaublich vielfältige Harmonik, die sich immer mehr auszuweiten schien. Tonfall, Rhythmus und Wortwahl des alten Volksliedes schimmerten hier in geheimnisvoller Weise durch. Malcolm Martineau (Klavier) gelang es vorzüglich, die sphärenhaften Momente dieser Lieder zu betonen. Dadurch erhielt Christiane Karg auch bei den weiteren Nummern „Rheinlegendchen“, „Verlorne Müh‘!“ sowie „Hans und Grete“ genügend Freiraum. Bei letzterem Lied vertreibt ein volkstümlicher Ländler das Liebesleid. „Ich ging mit Lust durch einen grünen Wald“ stammt ebenfalls aus „Des Knaben Wunderhorn“. Die magische Eigenart erinnerte hier sogar schon ganz entfernt an die Tonsprache Arnold Schönbergs. „Erinnerung“ weckte fast schon metaphysische Assoziationen. Harmonische Ebenen verbanden sich dabei mit reizvollen Klangfarbenspielen,  die Christiane Karg mit ihrer ausdrucksvollen Sopranstimme in bewegender Weise illustrierte. Eine weitere wunderbare Steigerung brachten bei diesem bemerkenswerten Konzert die Rückert-Lieder, deren thematische  Zusammenhänge Christiane Karg und Malcolm Martineau in ausgezeichneter Weise erfassten. Da beeindruckte nicht nur bei „Blicke mir nicht in die Lieder“ und „Ich atmet‘ erinen linden Duft“ die gesangliche Tragfähigkeit der Gesangsstimme, die beim Lied „Um Mitternacht“ auch die dynamischen Schattierungen nicht außer Acht ließ. „Liebst du um Schönheit“ sowie „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ entführten den Zuhörer plötzlich in eine andere Welt. Alles wirkte sparsam, knapp und doch ungeheuer ausdrucksvoll. Einen geradezu hymnischen Abschluss brachten die Lieder aus „Des Knaben Wunderhorn“. „Wo die schönen Trompeten blasen“ und vor allem „Des Antonius von Padua Fischpredigt“ gefielen aufgrund der traumhaft gleitenden Melodien, die Christiane Karg und Malcolm Martineau sensibel auffingen. Das Leid der hilflosen Kreatur bewegte Mahler zeitlebens am meisten. Und hier trat diese Intention deutlich in den Vordergrund.

Die beiden letzten Lieder „Das irdische Leben“ und „Das himmlische Leben“ weckten wiederum Reminiszenzen an die dritte und vierte Sinfonie Gustav Mahlers. Und auch Malcolm Martineau ließ die sinfonischen Dimensionen bei seiner Klavierbegleitung nie außer Acht. Als Zugabe folgte noch das facettenreich dargebotene Mahler-Lied „Nicht wiedersehen!“

Alexander Walther

 

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