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STUTTGART: MADAMA BUTTERFLY – Mitten ins Herz

27.05.2015 | Allgemein, Oper

Stuttgart: „MADAMA BUTTERFLY“ 26.5. 2015– Mitten ins Herz

MADAMA BUTTERFLY Vulgaridou, Shin Mai 2015

Alexia Voulgaridou, Andrea Shin. Foto: A.T.Schaefer

 Nach Karine Babajanyan im Dezember und Catherine Naglestad im April bildete mit Alexia Voulgaridou erneut eine Vollblut-Künstlerin das bannende Zentrum einer Aufführungsserie von Puccinis japanischer Tragödie. Im ersten Akt trifft sie den passend hellen und ungetrübten Tonfall der von ihrem Liebesglück berauschten Cio-Cio-San und lässt ihren technisch gut verankerten Sopran leicht durch die Kantilenen schwingen und in den Höhen transparent aufblühen. Der metallische Kern, der als Grundlage auch da schon zu spüren war, kommt dann bei der verlassenen und wie besessen an die Rückkehr des Geliebten glaubenden Kindfrau gebührend zum Tragen, wenn es gilt ihre phasenweise Aggressivität und Unbeherrschtheit zu unterstreichen. Auch in dieser gesteigerten Dramatik behält die Stimme bis in die Spitzen-Ausbrüche ihren klaren Klangcharakter, so sehr sie dazwischen flexibel von expressiv kleinteiliger Deklamation und großzügigem Ton hin und her schaltet. Und wenn sich in ihren Abschiedsgesang eine Spur von Ermüdung in die fordernde Emphase mischt, ist dies zweifelsfrei als nahe Erschöpfung vor dem erlösenden Tod zu verstehen. Für diese totale Identifikation und schonungslose Hingabe war auch dieser Interpretin der Publikumsjubel sicher.

Das Umfeld folgte ihr auf gutem Niveau ohne ihre lückenlose Intensität bzw. vokale Ideal-Ausstattung bieten zu können. Am dichtesten verschmelzen ausdrucksgesättigte Teilnahme und stimmliche Dringlichkeit bei der emotional berührenden Suzuki von Fredrika Brillembourg mit zunächst ungeahntem üppigem Mezzo-Material. Der als Pinkerton neu besetzte Andrea Shin punktet mit einem angenehmen, italienisch geschulten Tenor von respektabler Strahlkraft, dem auf Dauer aber  Nuancen und Farben der Differenzierung fehlen. Bei aller vokalen Wertschätzung fällt es auch schwer, ihm als Asiaten die Rolle des leichtfertigen Marine-Leutnants abzunehmen, wenn auch seine schlussendliche Reue durchaus glaubhaft über die Rampe kommt.

Michael Ebbeckes Sharpless teilt sich in eine persönlichkeitsstarke Gestaltung und eine bei größerer Beanspruchung seines Baritons diesmal wieder sehr spröde ausartende vokale Umsetzung. Unverändert solide und rollendeckend das weitere Personal incl.des Staatsopernchores im ersten Akt: Torsten Hofmann (Goro), Roland Bracht (Onkel Bonze), Dominic Große (Yamadori), Pia Liebhäuser (Kate)  und Anastasjia Harms als zu Herzen gehend beteiligtes Kind. Ivan Anguélov kam mit dem Staatsorchester Stuttgart aufgrund teilweise gedehnter Tempi nicht immer ganz auf einen Nenner, doch konnte dies die von Grund auf von viel Gefühl und Leidenschaft erfüllte und phasenweise dynamisch etwas überreizt ausgekostete Wiedergabe nicht schmälern.

Nicht zuletzt trug auch die ganz auf die Personen und einige spannungsfördernde Licht- und Spiegeleffekte konzentrierte Inszenierung von Monique Wagemakers dazu bei, dass das Drama auch mit teilweise neuem Personal in dieser 63. Aufführung  in aller Tragweite ohne Umwege und ungehemmt zur Geltung kommen konnte.

  Udo Klebes

 

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