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STUTTGART/ Junge Oper im „Nord“: LOLLO von Elisabeth Naske

04.06.2019 | Allgemein, Oper


Diatra Zulaika. Foto: Christoph Kalscheuer

„Lollo“ von Elisabeth Naske am 4. Juni 2019 in der Jungen Oper (JOiN) im Nord/STUTTGART

Hilfe für alle Tiere

Wie man Musiktheater für Kinder von 3 bis 6 Jahren passend gestaltet, hat Lavinia Schuchert (Kostüm: Kerstin Hägele) mit Hilfe von Kannen, Dosen, Kleidern und Hosen passend in Szene gesetzt. Auf dem Müll liegt die Puppe Lollo. Jemand hat sie weggeschmissen, aber Lollo will natürlich kein unbrauchbares Gerümpel sein. Und auf diesem Müllberg findet sie dann anderes kaputtes Spielzeug. Die Kinder werden von der wandlungsfähigen Sängerin Diatra Zulaika zusammen mit Stefanie Faber (Klarinette/Bassklarinette) klangfarblich reizvoll aufgefordert, mit den vorhandenen Utensilien ein großes Orchester zu bilden, was gut gelingt. Dadurch erhält diese Aufführung ungeahnte Lebendigkeit.

Das Libretto von Ela Baumann wird durch die chromatisch einfallsreiche Musik von Elisabeth Naske in  interessanter Weise ergänzt. Lollo sammelt dieses doch irgendwie passende Spielzeug ein und fährt damit in den Wald. Das Untere Foyer im JOiN gibt dieser Klanggeschichte zum aktiven Mitgestalten in Bild und Ton zum Thema Müll eine passende Aura. Nach einem Buch von Mira Lobe und Susi Weigel erhält auch das Thema Nachhaltigkeit hier ein starkes Gewicht. Alles, was kaputt ist, wird nun repariert. Und es spricht sich bald im Wald herum, dass Frau Doktor Lollo allen Wald- und Spielzeugtieren helfen kann. Die Kinder bauen neue Häuser und Figuren aus all dem Müll – sie sind ganz bei der Sache und bringen Begeisterung mit. Dackel, Hase, Krokodil, Grille, Frosch, Warzenschwein und Ausziehmaus erwachen plötzlich zu neuem Leben. „Tonne auf, Müll rein, Tonne zu, wie fein!“ lautet das Motto. Und Frau Doktor Lollo ergänzt: „Es wird alles wieder gut!

Besonders schön interpretiert Stefanie Faber ihr Klarinetten-Glissando. Und mit feingliedrigen Kantilenen betört die Sängerin Diatra Zulaika alle Kinder, weckt in ihnen sicherlich auch die Liebe zur klassischen Musik. Diese Kooperation mit der AWS Stuttgart und Mitgliedern des Staatsorchesters Stuttgart kann sich wirklich sehen und vor allem hören lassen. Mit wenig Mitteln entsteht hier ein wahrer Blumenstrauß unterschiedlichster Melodien und ungewohnter rhythmischer Elemente. Und für die Kinder ist es besonders schön, dass jetzt alle Tiere sofort Hilfe bekommen. Im Wald wird dann sogar ein Krankenhaus gebaut – es entsteht eine ganz neue und prachtvolle Schachtelstadt: „Und der Frosch quakt froh dazu!“

Alexander Walther

 

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