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ST. MARGARETHEN: TOSCA oder spätes Puccini-Glück im Römersteinbruch

09.07.2015 | KRITIKEN, Oper

TOSCA ODER  SPÄTES PUCCINI-GLÜCK IM RÖMERSTEINBRUCH (8. Juli 2015)

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Davide Damiani, Martina Serafin. Foto: Arenaria/Armin Bardel

Nur wer gute Nerven hatte, kam im Römersteinbruch von St. Margarethen in der Nacht vom 8. zum 9. Juli 2015 zum späten Puccini-Glück. Seine monumentale „Tosca“ erlebte eine musikalisch exzellente Wiedergabe – mit der hinreißenden Martina Serafin in der Titelrolle – und in der opulenten Regie von Robert Dornhelm (Ausstattung Amra Bergmann). Jedenfalls  katapultierte sich mit dieser Premiere  das burgenländische Festival in die erste Reihe der open-air-Sommerfestivals von Bregenz bis Aix. Und die neue Intendantin Maren Hofmeister kann sich über das nötige Quäntchen „Glück im Unglück“ nicht beschweren. Denn bis 22 Uhr regnete es mit der Intensität eines mittelenglischen Landregens. Dann : zum letztmöglichen Zeitpunkt des Zuwartens hörte das feuchte Nass schlagartig auf und die Tosca begann als Vorstellung, die einen sofort in ihren Bann zog. Unter der Leitung des jungen deutschen Dirigenten Michael Güttler am Pult des Orchesters des Prager Nationaltheaters ging eine grandiose Puccini-Premiere in Szene, die von den hochkarätigen Sängern ebenso profitierte wie von der zeitgemäßen Version eines Stückes, das zur Napoleon-Zeit im Juni 1800 in Rom spielt und an identifizierbaren Orten in Szene geht : in der Kirche Sanct‘ Andrea della Valle , im Palazzo Farnese und in der Engelsburg. Dornhelm und seine Ausstatterin Bergmann bauen eine historisierende  Phantasie-Welt, die mit Hilfe moderner Technik geradezu überborden lassen. Da wird hinter die Szene geblendet (Folter-Szene), da erlebt man die Hauptdarsteller mehrfach und hautnah (Tosca’s Eifersucht) und das Finale des 1. Aktes wird zur „Selbstanklage“ hochstilisiert. Zweifellos – die Dornhelm-Regie wird polarisiren aber dem Publikum wird’s gefallen. Am Ende des 1- Aktes gibt es sogar ein sprühendes Feuerwerk… Aber Tosca benötigt die richtigen Protagonisten. Und die waren tatsächlich vorhanden.

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Andrea Caré, Clemens Unterreiner. Foto: arenaria/ Armin Bardel

Der junge italienische Tenor und Pavarotti-Schüler Andrea Caré hat das gewisse Etwas! Seine Stimme ist höhensicher, das Legato mitunter verbesserungswürdig. In der Folterszene überzeugt er besonders, der Sternenarie fehlt doch noch der Pano-Glanz. Insgesamt ein Sänger, dessen Namen man sich merken wird. Sein „Gegenspieler“ ist Davide Damiani – machtlüstern, viril und doch erotisch. Kein Monstrum sondern ein im Grunde einsamer Mensch. Mit einer idealen Verdi-Stimme bewältigt er die anspruchsvolle Partie, die man so verschieden porträtieren kann. Martina Serafin ist in Höchstform. Verliebt und eifersüchtig im 1. Akt; in ihren Wutausbrüchen im 2.Akt ist sie derzeit konkurrenzlos (und doch mit einem lyrisch-elegischen Gebet). Aber so richtig in ihrem Element ist sie im 3.Akt. Sie glaubt an die nahe Rettung, der Funke der Hoffnung gleißt wie der Sternenhimmel über Rom und stimmtechnisch hat sie mit den vielen Sprüngen (Messer-C!) keinerlei Mühe.

Bleiben noch zu erwähnen. Clemens Unterreiner ist ein Angelotti der Superklasse, Leonardo Galleazzi ein kauziger Mesner und Christan Koch ein verschlagener Spoletta. Als Chor überzeugte der Philharmonia-Chor Wien. Am Ende Jubel ohne Buhs, es war immerhin schon nach  1 Uhr. Und der Start der neuen Intendanz war ein voller Erfolg.

Peter Dusek

 

 

 

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