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SOLOTHURN/Classic: RIGOLETTO

01.07.2013 | KRITIKEN, Oper

Solothurn Classsic  29. Juni 2013. Giuseppe Verdi  „RIGOLETTO“

Die halbszenische Produktion in der Solothurner „Rhythalle“ fand beim Publikum grossen Anklang und die Leistung des Ensembles wurde mit einer Standing Ovation belohnt.
 
Sehr gut ist die sängerische Leistung des Italieners Marzio Giossi als Rigoletto zu bewerten. Bewegend seine Interpretationen von „Pari Siamo“, „Patria.. Parenti.. Amici“ ebenso wie „Cortigiani, vil razza dannata“. Nicht  hundertprozentig überzeugt hat mich dagegen seine schauspielerische Leistung, welche eher an der Rampe stattfand. Dies hängt wahrscheinlich mit der Personenführung des Regisseurs zusammen.

 Die junge Sopranistin Natalia Roman als Gilda überzeugte durch klare Diktion, sauberen Gesang ohne falsches Vibrato und durch Ihre Bühnenpräsenz. Etwas hart noch die Höhen, welche sauber intoniert ohne Anschleichen an den richtigen Ton daherkamen. Mit der Entwicklung ihrer Stimme werden sicherlich die Höhen ebenso lyrisch sein wie der Rest der Stimmlage. Roman schafft es im richtigen Zeitpunkt die richtige Stimmung zu erzeugen. Ihr „Gualtier Maldè“ empfinde ich als die Romanze einer verliebten jungen Frau, subtil und überzeugend mit obiger Ein-schränkung. Auch hier wiederum überzeugte die schauspielerische Leistung nicht völlig.
 Der Stimme des  bulgarischen Tenors Peter Kostov als Duca di Mantua fehlt die Kraft.

Seine Höhen sind zwar rein und sauber gesungen, aber ohne Körper, farblos. So singt Kostov „Ella Mi Fu Rapita“ und „La Donna e Mobile“ emotionell genau gleich ohne Differenzierung. Kadenzen in einzelnen Arien mögen in Konzerten angehen, in einer Opernproduktion, sei diese szenisch oder wie in Solothurn halbszenisch, sind für meinen Geschmack fehl am Platz und überholt.
 Julian Konstantinov als Sparafucile überzeugte mit Stimme und körperlicher Präsenz. Sein Bass ist kraftvoll und rein. Er erinnert in der Tiefe, ausser mit seiner Diktion, ein bisschen an Gottlob Frick. Vielleicht spürt auch Konstantinov den Ochs nicht in sich. (Baron Ochs von Lerchenau).
 Eher schwach zu bewerten ist die Leistung, sängerisch und schauspielerisch der Mezzosopranistin Petia Tsoneva als Maddalena. Obgleich eine kleine Rolle, sollte dieser Part gut besetzt sein, da dieser dramaturgisch wichtig ist.
 Stoyan Stoyanzhof als Ceprano und Marullo, Plamen Beykov als Monterone, Alexandar Baranov als Borsa, Mariya Stoyanova als Giovanna und Mariya Tsvetkova als Gräfin Ceprano sangen ihre Rollen annehmbar ohne hervorzustechen. Diese Sänger und Sängerinnen sind Solisten an der Staatsoper Russe Bulgarien.
 Der Chor, auch dieser aus der Staatsoper, erledigte seine Aufgabe mit optimaler Intonation und sauberer Diktion.
 Das Orchester Russe der Staatsoper  unter der Stabführung von Nayden Todorov spielte sauber und gekonnt, mit klar herausgearbeiteter Dynamik. Etwas unsicher waren am Anfang die Blechbläser. Nicht absolut überzeugt hat mich der Streicherklang, es fehlte ein bisschen die Homogenität, der einheitliche Bogenstrich. Sehr sauber in ihrer Präzision die Perkussionistin und der Perkussionist/Paukenist.
 Nicht überzeugt hat mich gesamthaft die Personenführung/Regie des künstlerischen Leiters der Staatsoper russe Ivan Kyurkchiev. Auch in einer halbszenischen Aufführung sollte diese stim-men. Es erleichtert den Sängerinnen und Sängern ihre Arbeit auf der Bühne. Dies umso mehr, als in Solothurn die Bühne ca. 50% breiter ist als z.B. die Portalbreite in Basel. Wenn nun im Quartet Gilda/Rigoletto und Maddalena/Duca die beiden Gruppen ganz an die linke, respektive rechte Ecke gestellt werden, haben die ZuhörerInnen, welche nicht mittig platziert sind keine Chance beide Paare zu hören.
Umbesetzungen scheinen in Solothurn üblich zu sein. So hat Eva Lind als Gilda abgesagt und wurde durch die junge Natalia Roman ersetzt. Auch Kamen Chanev hat seine Rolle als Duca di Mantua an Peter Kostov abgegeben. Der Dirigent, vorgesehen war David Crescenzi für „RIGOLETTO“ und das „VERDI REQIEM“, hiess in beiden Werken Nayden Todorov. Dies scheint mir eine unübliche Anzahl von Umbesetzungen zu sein, wenn ich dies z. B. mit dem Theater in  Freiburg/D vergleiche.

Alles in Allem ein recht befriedigender Abend                             

Peter Heuberger Basel

 

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