Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

SOLOTHURN/ CLASSIC: DON CARLO

02.07.2013 | KRITIKEN, Oper

Solothurn Classsic 29. Juni 2013: Giuseppe Verdi „DON CARLO“

 Der Abend auf der Solothurner St. Ursen Bastion war zu 95% ausverkauft, die Kulisse spektakulär, der Abend freundlich und mild. Die halbszenische Produktion „Don Carlo“ und die Leistung des Ensembles, auf und vor der Bühne wurde vom Publikum mit einem freundlichen Applaus belohnt.

Einen donnernden Szenen- und Schlussapplaus hingegen erhielt die Sopranistin Michèle Crider. Zu Unrecht! Wenn eine Sängerin sich durch eine Opernproduktion, sei es szenisch oder halbszenisch, durchschont- mogelt um dann wie heute bei Don Carlo erst im fünften Akt die Arie „Tu Che Le Vanita“ mit starkem Vibrato in allen Lagen voll singt und sich im Duett mit Carlo wieder schont, verdient sie keinen Applaus, sondern ein kräftiges Buh. Wenn dazu noch die schauspielerische Leistung sich im einem mimischen „Huch- meine Schmuckschatulle“ und einigem Schreiten auf der Bühne erschöpft, wenn überhaupt die Bühnenpersönlichkeit nicht vorhanden ist, wird es für diese „Künstlerin“ Zeit, sich auf Arien- und Liederabende zu beschränken um dem Opernpublikum die Qual des Wartens auf Gesang ohne Schongang zu ersparen!

 Überzeugt hat der Italiener Marzio Giossi als Rodrigo, Marchese di Posa. Die schauspielerische Leistung, bedingt durch die eher altväterische Personenführung des Regisseurs und künstlerischen Leiters Ivan Kyurkchiev, war nicht überzeugend. Das Publikum belohnte Giossi’s Leistung mit kräftigem Szenenapplaus.

Francesco Ellero D’Artegna als Filippo II brilliert mit sattem Bass, kraftvoller Stimme und überzeugender Bühnenpräsenz. Auch bei ihm kommt das vorhandene schauspielerische Talent nur schwach zum Tragen. Dies überrascht umso mehr, da D’Artegna auch als Regisseur arbeitet. Auch D’Artegna wurde mit kräftigem Szenenapplaus belohnt, speziell sein ergreifendes „Ella giammai m’amo“

Julian Konstantinov als Il Grande Inquisitore überzeugte weder mit Stimme noch mit körperlicher Präsenz. Sein Bass war in dieser Produktion kraftlos, ohne Tiefe, sein Gesang voll sängerischer Unarten. Dies fiel umso mehr auf, da im vierten Akt der Dialog mit Filippo gesungen wird und der Unterschied dann doch sehr krass wurde.

Sehr hoch zu bewerten ist die Bühnenarbeit, sängerisch und schauspielerisch, (trotz der schwachen Personenführung) der Mezzo -Sopranistin Katja Lytting als Prinzessin Eboli. Sie spielte die Rolle überzeugend, ihr sängerisches Können, ihre Diktion, lässt aufhorchen.

Der italienische Tenor Mario Malagnini als Don Carlo ist leicht indisponiert, schafft aber seinen Don Carlo recht gut und schont sich nicht. Seine Höhen sind nicht so brillant, wie sie sein könnten und das volle Volumen fehlt. Trotzdem, ein Bravo für sein Durchhalten. Seine Bühnenpräsenz ist sehr beeindruckend.

Der Chor der Staatsoper Russe sang sehr gut und erledigte seine Aufgabe als Chor mit guter Intonation und sauberer Diktion, amtete zugleich noch als Statisterie.

Das Orchester Russe der Staatsoper unter der Stabführung von Nayden Todorov spielte sauber und gekonnt, mit klar herausgearbeiteter Dynamik. Etwas unsicher waren am Anfang die Blechbläser. Nicht absolut überzeugt hat mich der Streicherklang, es fehlte ein bisschen die Homogenität, der einheitliche Bogenstrich.

Dazu kommt die Situation im Freien, wo ohne Wände und Decke kein einheitlicher Orchesterklang entstehen kann. Auch sollte das Orchester etwas enger platziert und nicht über die ganze Bühnenbreite verteilt werden, obgleich dies für die Musiker bequem, weil mehr Platz vorhanden ist.

Nicht überzeugt hat mich gesamthaft die Personenführung/Regie des künstlerischen Leiters der Staatsoper russe, Ivan Kyurkchiev. Auch in einer halbszenischen Aufführung sollte diese stimmen. Es erleichtert den Sängerinnen und Sängern ihre Arbeit auf der Bühne. Dazu sollte der Bühnenbauer eine starre, eventuell leicht gekrümmte Rückwand der Bühne anbieten, sodass die Akustik etwas verbessert wird. Nüssli Konstruvit kann dies.

Die junge Intendantin von Solothurn, Iris Reardon-Kofmel, erhofft sich vom Programm 2014 eine bessere Auslastung der vorhandenen Plätze.

Es werden folgende Werke aufgeführt: Giaccomo Puccini „LA BOHEME“ und TOSCA“, Georges Bizet „CARMEN“, Charles Gounod „FAUST“, Franz Lehar „DIE LUSTIGE WITWE“, W. A. Mozart „DON GIOVANNI“. Dies ist ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm. Viel Erfolg und gutes Wetter wünsche ich dem ganzen Team von Solothurn Classic 2014.

 Peter Heuberger Basel

 

 

Diese Seite drucken