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SOLINGEN: DER BARBIER VON SEVILLA – Wiederaufnahme-Premiere

07.06.2012 | KRITIKEN, Oper

SOLINGEN:  BARBIER VON SEVILLA  Premiere am 6. Juni

Im traditionellen Opernspielplan ist ein bekanntes Werk nach einem Jahrzehnt durchaus mal wieder fällig. Im Falle des Wuppertaler Rossini-„Barbier“ (Erst-Premiere 2003) wird einem als ein möglicher Grund Kostenersparnis schon deswegen suggeriert, weil MORITZ NITSCHES Ausstattung lediglich aus vier weißen Wänden besteht (ergänzt durch etwas Mobiliar), die verschieden arrangiert werden können und bei der Gewittermusik auch ein wenig „mitspielen“. Vor ihnen heben die sich farbintensiven, historisierenden Kostüme JUDITH FISCHERS scharf ab. Ein groß dimensioniertes Puppenstuben-Ambiente, welches gestaltungsästhetisch auf die Inszenierung durchschlägt. Mit psychologischer Ausdeutung hat Oberspielleiter JOHANNES WEIGAND nichts im Sinn. Er typisiert die Figuren ein wenig in Richtung Commedia dell’arte, wobei man nach dem Warum von Gesten und Bewegungen nicht immer fragen sollte. Viel wird an der und an die Rampe hin gespielt. Weigands Regiehumor wirkt mitunter schon etwas abgestanden (Berta – obwohl von der famosen JOSLYN RECHTER gegeben). Es bedarf schon eines so ausgefuchsten Komödianten wie dem auch vokal potenten DARIUSZ MACHEJ (Bartolo), um alte Wirkungen neu zu beleben.

Häufig wechselnde Lichtstimmungen sorgen für Augenreize, es gibt sogar einen Verantwortlichen für „Astroplanetographie“, was immer das heißen mag. Das Publikum in Solingen, wo die Wiederaufnahme-Premiere stattfand (weitere Vorstellungen  im zweiten, regelmäßigen Gastspielort Remscheid, danach Übernahme ins Repertoire des Wuppertaler Stammhauses) fühlte sich offenkundig gut bedient und zeigte sich beifallsfreudig. Die BERGISCHEN SINFONIKER, derzeit in ihrer Existenz gefährdet, musizierten – bei kleineren Spieldefiziten – unter FLORIAN FRANNEK agil und durchaus moussierend.

Der junge Koreaner MARTIN JS. OHU gibt bassgewaltig den Basilio. CHRISTIAN STURM hingegen müsste an seinem Almaviva feilen: Höhe, Mezzavoce, Koloratur – alles etwas vage. Dann aber ELENA FINK und THOMAS LASKE. Sie ist eine Sopran-Rosina, die allerdings auch mal eine Alt-Phrase ihres „Una voce poco fa“ meistert. Der perfekte Ziergesang beglückt. Wohl wegen ihrer leichten Höhe hat die Sängerin die „Unterrichts“-Arie im 2. Akt etwas ausgebaut. Der Bariton (Jahrgang 1969), seit langem Ensemblemitglied bei weitläufiger Gastspieltätigkeit, überschwemmt die Hörer beim „Largo al factotum“ geradezu mit seiner maskulinen, kernigen, beweglichen und auch tenoral sicheren Stimme; dazu ist er ein enorm spielfreudiger Akteur.

Die nächste Rossini-Produktion in Wuppertal sollte sich vielleicht mal einem der unbekannteren Werke zuwenden.

Christoph Zimmermann

 

 

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