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Sigmund Romberg: THE STUDENT PRINCE

18.01.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

0761203505821

Sigmund Romberg: THE STUDENT PRINCE 

cpo 2 CD

Schwungvolle „Broadway-Operette“ im Dreivierteltakt

„I will come back to Heidelberg“ Prinz Karl-Franz von Sachsen-Karlsberg

Spannend, wie die Wiener Musiktradition, notabene die Wiener Operette mit ihrer Walzerseligkeit die Musik am Broadway und wohl auch die Gattung Musical inspiriert und beeinflusst hat. Rombergs Operette „The Student Prince“ aus dem Jahr 1924 lief in den zwanziger und dreißiger Jahren in New York länger als alle Hits, die George und Ira Gershwin geschrieben haben. Der ungarnstämmige Romberg, in der Monarchie geboren und in Wien studiert, hat ein Studenten-Sujet aus dem biedermeierlichen Heidelberg vertont, das so populär war, dass der Stoff von Ernst Lubitsch 1927 als Kostüm-Stummfilm („Alt-Heidelberg“) und 1954 als Tonfilm auf Zelluloid gebannt worden ist. Romberg wurde so Garant dafür, dass die Tradition der Wiener Unterhaltungsmusik ihren Weg nach New York und Hollywood fand. 1932 lief die Operette kurz erfolgreich in Berlin, bevor sie aus rassischen Gründen von der Bühne verschwand. Für die jetzige Edition bildeten konzertante Aufführungen aus dem Jahr 2012 die Basis.

Die Operette fusst auf dem Schauspiel „Alt-Heidelberg“ von Wilhelm Meyer-Förster und spiegelte nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs die Sehnsucht nach Idylle und Einfachheit wider, obwohl die Operette kein Happy End hat. Das recht banale Libretto dreht sich um die Liebe des Studenten Prinzen Karl Franz von Sachsen-Karlsberg (Dominik Wortig, Tenor) zur Wirtstochter Kathie (Anja Petersen, Sopran). Aber wie das halt so ist – die Regierungsgeschäfte gehen vor und die geprobte Mesallisance hat nach vier Monaten wieder ein End –  muss der adelige Spross Prinzessin Margaret (Theresa Nelles, Sopran) nehmen, die wiederum auf ihren Hauptmann Tarnitz (Christian Sturm, Tenor) verzichten muss, um Königin werden zu können. 

Dirigent John Mauceri gelingt es, dem fabelhaften WDR Funkhausorchester Köln so viel Schwung und Walzerglück zu entlocken, so viel an Atmosphäre zu schaffen, dass die sentimentale Operette mit einem Schuss abgeklärter Melancholie und Sehnsuchts-Illusion die Begegnung auch abseits des musikhistorischen Interesses eine Bereicherung darstellt. Die Musik klingt teils revuehaft, das Orchester zeigt in der Ouvertüre und einem Serenaden Intermezzo am Ende des dritten Aktes, ein wie geschickter Arrangeur Romberg war. Aufgrund der vielen Walzer klingt das Stück aber eher nach Wien als nach Broadway. Manchmal fledermauselts, auch ein „Gaudeamus Igitur“ darf nicht fehlen. Ragtime und jazzige Nummern wird man hingegen vergeblich suchen. Neben zahlreicher studentischer Chornummern und Trinkszenen (WDR Rundfunkchor Köln) bereichern in den Ensembles außer den bereits erwähnten Protagonisten noch Hauslehrer Dr. Engel (Franz Blees, Bass-Bariton), Gretchen (Arantza Ezenarro, Sopran), Graf Hugo-Detlev (Vincent Schirrmacher, Tenor), Lucas (Wieland Satter, Bass-Bariton)  und Von Asterberg (Joan Ribalta, Tenor) die Szene. Gesungen wird ansprechend bis anständig, stets stilsicher mit passendem Operettenton.  Hervorzuheben ist noch, dass das Booklet einen hochinteressanten Aufsatz des Dirigenten zu den Umständen der Entstehung enthält. Ist „The Student Prince“ eine veritable Entdeckung? Nicht wirklich, aber auf jeden Fall unterhaltsam zu hören.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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