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SCHWETZINGEN: MARCO ATTILIO REGOLO von A. Scarlatti

03.02.2012 | KRITIKEN, Oper

Schwetzingen: Marco Attilio Regolo/A.Scarlatti    2.2.2012

Beim „Winter in Schwetzingen“, dem Barockfest des Theater Heidelberg, kommt heuer im Rokokotheater die Oper Marco Attilio Regolo von Alessandro Scarlatti als DE zur Aufführung, Sie wurde 1719 in Rom uraufgeführt. Der Stoff aus den Punischen Kriegen, in dem der geschlagene römische Feldherr M.A.Regolo vom karthagischen Herrscher Amilcare nach Rom zwecks Vorbereitung von Friedensverthandlungen geschickt wird, war damals weit verbreitet und wurde hier im Libretto vion Matteo Noris vertont. Amilcare hat sich in die als Geisel gehaltene Ehefrau Regolos, Fausta, verliebt und ihre Tochter Emilia wird von Amilcares Verbündeten Santippo umgarnt. Die zur arrangierten Heirat mit Amilcare erschienene  Ericlea von Sizilien wird abgewiesen. Nach seiner  Rückkunft erklärt Regolo, daß er den Krieg wegen seiner Ehre mit noch folgenden Truppen fortsetzen wolle, wird aber von Amilcare festgesetzt und gefoltert. Santippo, der ihn ermorden soll, befreit ihn aber aus dem Gefängnis, da er seine Zustimmung zur Ehelichung seiner Tochter Emilia haben möchte. Er schließt mit Ericlea, die sich weiter in Männerkleidern am Hof aufhält, und mit den Damen ein Komplott gegen Amilcare. Fausta ist wegen des vermeintlichen Tode ihres Gatten, und weil sie zunehmend Schwierigkeiten sieht, sich den Avancen Amilcares entgegenzustellen, in temporären Wahnsinn verfallen. Am Ende verzichtet Santippo auf die Ermordung Amilcares, nur weil Ericlea, die ihn noch zum Gatten will, um ihn fleht. Am Ende sind drei Paare glücklich vereint, da auch Regolo seinen Widerstand gegen die Verbindung Emilias mit Santippo aufgibt.

Die UA fällt in die Hochzeit und letzte Blüte der der Neapolitanischen Oper, deren Hauptvertreter A.Scarlatti war.

Das musikalisch vielfältige und für Orchester sehr ergiebige Werk mit abwechlungsreichen musikalischen Gestalten, aber von Scarlatti durchgehend mit dacapo-Arien versehen, wird von den Heidelberger Philharmonikern unter Leitung von Rubén Dubrovsky mit viel Elan, aber auf modernen Instrumenten gespielt. Es wurde aber angekündigt, daß für die nächsten Editionen des Barockfestes auch historisch informierte Ensembles zum Einsatz kommen sollen.

Ein kompaktes  inspiriertes Regieteam (Eva-Maria Höckmayr/Regie, Nina von Essen/Bühne und Julia Rösler/Kostüme) holt auf der Bühne des kleinen Rokokotheaters alles heraus, was in dem Stück steckt. Da mutieren sich kleine Zimmer zu großen Seelenräumen, in denen sich starke Liebes-, Verlassenheits- und Eifersuchtsgefühle bestens abbilden lassen. Es wird viel mit erdigen Farben gearbeitet, der Boden ist selbst oft erdig, und es gibt breite Lamellenvorhänge sowie ein von oben absenkbares 2.Geschoß mit ‚französischem‘ Bett. Die Regie nützt die gesamte Bühnenbreite und -tiefe und kreiert interessanteste Konstellationen. Mit den modernen Kostümem wird natürlich auch gespielt.

Den Santippo singt Daniel Johannsen mit sehr klangreichem,  jugendlich frischem Tenor und erweist sich oftmals bei klarem Verstand als kompetenter Drahtzieher der Handlung. Die Eraclea der Hye-Sung Na ist mit ihrem großen farbenreichen Sopran im Barockfach vielleicht nicht so gut zuhause, macht aber im Frack gute Figur. Die beiden Hauptprotagonisten werden von Countertenören gestellt. Der Amilcare des Antonio Giovannini vertritt dabei den ‚Altpart‘ und kann mit ausgewogenem, schön fließendem Stimmmaterial überzeugen, während der sopranige Terry Wey als Titelfigur in die fast süßlichen Regionen eines Countertenors vorstößt. Dabei verbleiben doch beide sehr männliche Charaktere, die von Höckmayr auch machohaft eingesetzt  werden. Annika Sophie Ritlewski macht als junge Emilia ein eigenes Kleindrama durch und setzt dabei ihren elegisch schön timbrierten Sopran ein. Die Fausta der Sharleen Joint erscheint aber als der stupend changierender Charakter, der hier seine Weiblichkeit auch voll einsetzt und mit schillerndem koloratursicherem Sopran in weitgespannten Arien ihr Seelendrama ausstellt. Der Neuzugang der Kanadierin für das Heidelberger Ensemble ist uneingeschränkt zu begrüßen.
                                   
  Friedeon Rosén

 

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