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SCHWETZINGEN/ Festspiele: LEUCIPPO von J.A.Hasse

23.05.2014 | KRITIKEN, Oper
Schwetzinger Festspiele: Leucippo/J.A.Hasse 22.5.2014
Unbenannt
Chor, Franziska Gottwald, Netta Or. Foto: Hans Jörg Michel
 
Diese Inszenierung dreht sich weniger darum, dass Leucippo alias Aristeo als Liebhaber der Nymphe Dafne dem Tod verfallen ist, obwohl immer mal auch mit einem Beil hantiert wird. Nein, es ist sozusagen ein gesellschaftliches Experiment, das etwa 13 Personen auf engem Raum zusammenhält, davon die 5 Protagonisten Leucippo, Dafne, Climene, Delio und Nunte sowie SängerInnen von Barock Vokal Mainz. Das Arkadien ist hier ein aseptischer, elypsenförmiger Raum in beige-braunen Holztönen mit Bodenschräge  und einer an den Wänden entlangführenden Sitzbank. Hinten zentral eine nicht sichtbare  schmale Schiebetür, die sich nur von außen öffnet, um Chorleute oder Protagonisten „hinauszusaugen“ (Bb.: Henrik Ahr). Die Damen Climene und Dafne in gelbem bzw. rosa Hängekleidern, Nunte geht in kniekurzen beigen Hosen mit weißen Knieschonern. Leucippo als Countertenor in hellrotem Rock und braunem Blaser, der Priester Narete als einziger in dunklem Anzug, aber mit  Sandalen. Die zusätzlichen DarstellerInnen auch mit kurzen Hosen oder Röcken, aber geschlechts-„verkehrt“ getragen (Kost.: Barbara Drosihn). Sie werden unter Regie des ‚Spielführers‘ Delio alias Apollo  bis auf die Unterwäsche entkleidet, später können sie sich die Sachen wieder abholen (wohl Sinnbild für stattfindenden Seelenstriptease).

Neben diesen ernsten, sich um die arkadische Liebe drehenden Angelegenheiten, bietet die Regie von Tatjana Gürbaca auch witzige Elemente, wenn die Akteure als Hunde auf dem Boden kriechen und sich anbellen. Es geht um den Einbruch der individuellen Liebe bei den Paaren Leucippo -Dafne und Climene – Nunte, die für das platonische Arkadien eine immense Herausforderung darstellt. Ds gelingt bis zu einem gewissen Grad.- Die Musik des ‚Caro Sassone‘ Hasse ist eher sehr empfindsam auf die Dauer und spitzt sich nie echt  dramatisch zu. Sie wird von Concerto Köln unter Leitung von Konrad Junghänel ganz gestisch gespielt, so wie eben Barock oder hier eigentlich Sturm und Drang zu klingen hat, um heute konkurrieren zu können. Ein spritzig auf Kante stattfindendes Musizieren, das von Junghänel mit großer Geste auch evoziert wird.

 
Der seriöse Bariton Holger Falk als Nunte muss erleben, dass seine Liebhaberin, die etwas dicke Climene der Netta Or, von der Liebe abrät, das Beispiel des Leucippo vor Augen. Netta Or ist eigentlich lyrischer Sopran, die Rolle der Clinmene weist sie aber als Koloratursopran aus, den sie sehr flüssig und mit zusätzlichen Verzierungen und Fiorituren ausstattet, wobei ihr auch berückendes Timbre zu Gebot steht. Auch der Narete (Ihr Vater) kann mit einem ganz eigentimbriertem etwas herbem Tenor aufwarten. Leucippo Vasily Khoroshev steht ein besonders sanfter farbenreicher Counter zu Verfügung, den er in den Árien gut auszugestalten, zu variieren und phrasieren versteht. Franziska Gottwald ist als Dafne mit einem etwas monochromen Mezzo zu erleben. Claudia Rohrbach ist der Delio in Hosenrolle mit markantem flexiblem Sopran, den sie  berückend in die Koloraturen führen kann, was sich auch in der potenten Rolle des verkappten Gottes widerspiegelt.                                               

Friedeon Rosén

 

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