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SCHLOSS HOF/ Niederösterreich: WIENER BLUT „Operettenfest 2012“

22.06.2012 | KRITIKEN, Oper

Schloss Hof : KEIN FEHLSTART MIT „WIENER BLUT“ – 21.6. 2012 „Operettenfest 2012“

Auch das weiträumige Schloss Hof, Prinz Eugens Barockjuwel im südlichen Weinviertel nahe Donau und March, sollte ab nun sein sommerliches Musiktheater-Spektakel verkraften können. Die Philharmonie Marchfeld, seit über drei Jahrzehnten in der Region aufspielend, hat auf Initiative ihrer Dirigentin Bettina Schmitt und auf eigenes Risiko als Versuchsballon heuer das „Operettenfest 2012“ mit vier Aufführungen von „Wiener Blut“ gewagt. Mit beschränkten Mitteln, doch durchaus geglückt. Wie es in den nächsten Jahren weiter gehen könnte? Die Kulturabteilung des Landes Niederösterreich tendiert zu einem Werbedesign für Schloss Hof mit stärkerem barocken Zuschnitt. Sicher ist jedenfalls: Der Arkadenhof des stattlichen Baues – Johann Lukas von Hildebrandt, Stararchitekt seiner Zeit, hat für Prinz Eugen geplant –  lädt die Besucher zu durchaus eindrucksvollem Musikgenuss ein. Und mit der Reithalle steht ein Ausweichquartier zur Verfügung.

Also, zum Auftakt gibt es mit „Wiener Blut“ einen Ausflug ins längst verflossene Operetten-Wien. Ohne viel Aufwand, ganz der Konvention verhaftet. Das Füllhorn der Johann Strauß-Schlager (kein Strauß-Original: Adolf Müller jun. hat knapp nach dem Tod des Walzerkönigs 1899 dessen zündenden Melodien in jeder Hinsicht perfekt arrangiert) wird von Bettina Schmitt und ihren Musikern mit viel Schwung, sehr impulsiv, stets einfühlsam für die Sänger und diese gut bettend, ausgekostet. Als Szenerie: Fast nichts – das Ambiente bietet jedoch eine ansprechende Atmosphäre. Die Regie von Martin Gesslbauer: Spielfreudig und locker und ganz wie überliefert. Alle vertrauten Lacher kommen an. Der Gesang: Gelegentlich etwas schriller. Ballett: Eine elegante Walzer- und spritzige Polka-Choreografie von Christian Tichy.

Und im Mittelpunkt steht Gerhard Ernst, dominant als Wiener Typ Kagler, der urwüchsige Ringelspiel-Kaiser und Klarinettenbläser. Ihm zur Seite: Barbara Payha (Gabriele), Verena de Best (die Probiermamsell Pepi), Eugene Amesmann (Schwerenöter Graf Zedlau), Alois Walchshofer (Fürst Ypsheim-Gindelbach), Marcus Ganser und weiteres adrettes Gefolge, welches durchgehend gute Stimmung vermittelt. Kein Fehlstart somit.

Meinhard Rüdenauer

 

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