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SAMUEL BARBER: THE LOVERS

06.06.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

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SAMUEL BARBER: THE LOVERS, RANDALL THOMPSON: FROSTIANA, Rondeau CD –

Einen Oscar für chorische Frische und Repertoirewahl

„Body of my woman, I will persist in your grace. My thirst, my boundless desire, my shifting road! Dark river-beds where the eternal thirst flows and weariness follows, and the infinite ache.“ Pablo Neruda

Die CD „The Lovers“ ist ein Manifest begeisterten und mitreissenden Chorgesangs im Rahmen zweier viel zu wenig bekannter, einfühlsamer amerikanischer chorsinfonischer Zyklen. Der Landesjugendchor Sachsen vereint hochmusikalische Sängerinnen und Sänger im Alter von16-30 Jahren aus allen Teilen Sachsens. Die chorische Qualität ist stupend. Jenseits von Textverständlichkeit, lupenreiner Intonation, Ausgewogenheit der Stimmgruppen und intensiver inhaltlicher Auseinandersetzung mit der Musik, vermag der Landesjugendchor Sachsen mit vielleicht dem Alter der Künstler geschuldeter Emphase, leuchtendem Klang, brillanter Phrasierung und großer emotionaler Unmittelbarkeit zu überzeugen. Preisverdächtig!

Dabei hatte das Jugendsinfonieorchester Leipzig 2014 an der Northwestern University in Chicago die erste Bekanntschaft mit Barbers großartigem Zyklus „The Lovers“ für Bariton, gemischten Chor und Orchester mit einem anderen Chor gemacht. Das auf Texten des chilenischen Dichters Pablo Neruda (aus „Zwanzig Liebesgedichte und ein Lied der Verzweiflung“) basierende Werk Barbers zeichnet eine durchaus (verbal)erotische Liebesgeschichte vom überschwänglichen Beginn bis zum schmerzhaften Ende nach. Barber hat das Werk kurz nach der Trennung von seinem Partner Gian Carlo Menotti geschrieben und dürfte dabei eigenes Erleben mit einfließen haben lassen.  Der musikalische Duktus der Komposition könnte als dem deutschen romantischen Lied nachempfunden beschrieben werden. Einige Teile sind je nach Perspektive für Männerchor, andere nur für Frauenstimmen vorgesehen. Im vierten Satz „Close your eyes“ kommt der gesamte große Chor und das Orchester zum Einsatz. Ein Bariton (bei der Uraufführung 1971 von Tom Krause gesungen) darf im ersten und fünften Satz mitmischen. Martin Häßler, der in der vorliegenden Aufnahme ebenfalls ein Stück des Erfolgs für sich persönlich verbuchen darf, verfügt über einen lyrischen virilen-kernigen Bariton der Sonderklasse. Ein Riesenliedtalent, das aber auch in der Oper Erfolge für sich verbuchen kann.

Das Album beginnt mit Randall Thompsons „Frostiana“ in der Fassung von 1965 für gemischten Chor und Kammerorchester. Ganz Findige bzw. Bernstein-Fans werden die Aufnahme seiner 2. Symphonie mit dem New York Philharmonic Orchestra oder dank NAXOS sein Requiem kennen. Samuel Barber und Leonard Bernstein waren Thompsons Schüler am Curtis Institute in Philadelphia. Barber hat für den letzten Satz aus „The Lovers“ ein  Motiv aus Thompson „Frostiana“ verwendet und als wichtiges Thema im letzten Satz,  „Cemetery of kisses“, verarbeitet. Die Klangsprache der Suite ist romantisch, ohne jemals in Kitsch abzugleiten. 

Das Jugendsinfonieorchester Leipzig und sein künstlerischer Leiter Ron-Dirk Entleutner (er leitet ebenso den Landesjugendchor Sachsen) mitteln ihren leidenschaftlichen Funken und ihr Engagement für diese selten aufgeführten Partituren direkt in das Herz des Zuhörers. 

Fazit: Es scheint, dass im Gegensatz zu anderen reellen Welten wirklich goldene Zeiten des Chorgesangs angebrochen sind. Die vorliegende CD ist des bester Beweis! 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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