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SALZBURG MOZARTWOCHE: „ALLEGRO KV 626b/16“ ALS SENSATION / MOZART ALS ARRANGEUR / PHILHARMONISCHE KAMMERMUSIK-WELTMEISTER

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Kammermusik. Copyright: Wolfgang Lienbacher

SALZBURG MOZARTWOCHE: „ALLEGRO KV 626b/16“ ALS SENSATION / MOZART ALS ARRANGEUR / PHILHARMONISCHE KAMMERMUSIK-WELTMEISTER

28.1. 2021 –  Karl Masek

Der wissenschaftliche Leiter der Stiftung Mozarteum, Dr. Ulrich Leisinger, konnte für die Mozartwoche 2021 mit einer Sensation aufwarten. Ein Klavierstück von gerade einmal 94 Sekunden Dauer. Aber ein vollendetes Stück – ganz im Gegensatz zu vielen späteren Mozart-Fundstücken, die aber allesamt unvollständige Skizzen geblieben waren.

Das Stück ist in der 3. Auflage des Köchelverzeichnis angeführt. Man stückelte einfach nach dem letzten „KV 626“ – dem Requiem – an und katalogisierte später vorgefundene Werke einfach als Sammeleintrag „KV 626b/1, 2, 3,…“ Und so erhielt dieses „Allegro in D“ die fortlaufende Nummer 16.  Prompt witzelte Rolando Villazón: „Da hat uns Mozart  nach seinem Tod noch etwas komponiert?“

 Diese Original-Handschrift Mozarts (die Vorder- und Rückseite eines querformatigen Notenblattes, mit größter Wahrscheinlichkeit aus den ersten Monaten des Jahres 1773, wie eine anscheinend zuverlässige Expertise des Jahres 1844 nahelegt) wurde Ende der 20-er Jahre des vorigen Jahrhunderts in einem Antiquariat in Paris erworben, blieb dort beinahe 90 Jahre in Familienbesitz, . Erst die Vermittlung eines in London ansässigen Spezialisten für Musikautographe, Stephen Roe, der das Manuskript schließlich in Amsterdam einsehen konnte, brachte den Fund nach weiteren genauesten Recherchen  nach Salzburg.

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Rolando Villazon, Seong-Ji -Cho, Dr. Ulrich Leisinger im Mozarteum/ Großer Saal.Copyright: Wolfgang Lienbacher

Amüsante Fachsimpelei im Rahmen des Streams zwischen Ulrich Leisinger und dem hingerissenen Künstlerischen Leiter Rolando Villazón, bevor der koreanische 26-jährige Shooting-Star unter den Pianisten, Seong-Ji Cho, in die Tasten griff, um die wertvolle und charmante Miniatur aus der Taufe zu heben (Das Werk wurde knapp vor Ausbruch der Corona-Krise von der Stiftung Mozarteum erworben).

Umrahmt wurde diese Weltpremiere mit Klavierwerken, die uns Wolfgang Amadé Mozart als musikalischen Arrangeur im Kindesalter näherbrachten. Ein Allegro in C-Dur aus einem Salzburger Notenbuch z.B. arrangierte der 12-Jährige so für Klavier, dass man es für „waschechten“ Mozart halten konnte. Und auch beim Klavierstück des Zehnjährigen (ein lustiger Tanz mit der Bezeichnung „Pimpinella“) amüsierte köstlich. Bei der Klaviersonate F-Dur, KV 332 von 1784 nahm Seong-Ki Cho durch absolut perfekte Technik, natürliche Musikalität, feingliedriges Spiel, „sprechenden“ Vortrag, lustvolle Inspiration für sich ein.

Philharmonische Kammermusik-Weltmeister gab es auch dieser Tage zu feiern.

Die KonzertmeisterInnen der Wiener Philharmoniker,  Albena Danailova und Rainer Honeck, die Mitglieder der Wiener Philharmoniker,  Bratschist Tobias Lea, Solocellist Tamas Varga, Soloflötist Karlheinz Schütz und Soloklarinettist Matthias Schorn warteten mit besonderen Gustostückeln Mozart’scher Kammermusik auf.

Den Anfang machte das Streichquartett C-Dur, KV 175. Es war eines der Quartette, das Mozart, knapp 17jährig, während seiner 3. Italienreise, komponierte. „Der Wolfgang befindet sich wo(h)l, er schreibt eben für die lange Weile ein quatro…“, schrieb Vater Leopold  aus Südtirol nach Hause. Weil ihm außerhalb der Auftritte (die Uraufführung seiner Oper „Lucio Silla“ fand etwa zu Weihnachten 1772 statt) anscheinend fad geworden war, schrieb er gleich 6 Streichquartette, fein säuberlich in ihren Tonarten nach dem aufsteigenden Quartenzirkel sortiert. Dreisätzig, neapolitanische Opernsinfonien vor Augen. Es ist dies ein besonders „sonniges“ Werk, mit viel mediterranem Flair.

Das Quartett D-Dur für Flöte, Violine,Viola und Violoncello, KV 285, entstand während der Reise, die Mozart, begleitet von seiner Mutter 1777 über München, Augsburg und Mannheim nach Paris führte, wo die Mutter 1778 der Tod ereilte.  Der 22-Jährige zeigt sich in diesem Auftragswerk auf einem Höhepunkt seines Könnens. Flötenkantilenen voller Leuchtkraft, besonders virtuose Passagen geben dem reifen Meisterwerk das Gepräge. Wobei der Mittelsatz, ein elegisch-verträumtes Adagio, das Soloinstrument, umspielt vom Pizzicato der Streicher, von seiner besonders verinnerlichten Seite zeigt. Karlheinz Schütz glänzte mit weichen, sinnlichen „Legatissimo-Wundern“. Gleichgestimmt die anderen. Großartig!

Und noch ein Highlight mit dem Geniestreich des Quintetts für Klarinette, zwei Violinen, Viola und Violoncello, KV 581 aus dem Jahr 1789. Geschrieben wurde es für den legendären Klarinettisten der Wiener Hofkapelle und Freimaurer-Freund  Anton Stadler. Er war auch bei der klangtechnischen Weiterentwicklung „seines“ Instrumentes beteiligt. Die Bassettklarinetten hatten einen größeren Tonumfang, was die tieferen, samtigen Regionen des Instruments betraf. Was Mozart offenbar besonders gut gefiel. Dies kam auch dem Widmungswerk besonders zugute. Besonders kantable Passagen finden sich auch hier im Mittelsatz, dem tief empfundenen Larghetto, einem perfekten Vorläufer zum langsamen Satz des  Klarinettenkonzerts, KV 622. Matthias Schorn, der Universalmusikant, war in diesem Fall, sozusagen der Anton Stadler der Gegenwart, blies seine Kantilenen berührend. Mit gekonntem, virtuosem Zugriff gestaltete er die Ecksätze. Mozart hätte gejubelt.

Leider nur virtueller Jubel für 6 Erz- und Edelmusiker/innen!

 

Karl Masek

 

 

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