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SALZBURG/ Festspiele: IL TROVATORE – doppeltes Opernglück mit „Il Trovatore“ und Anna Netrebko

16.08.2014 | KRITIKEN, Oper

Salzburger Festspiele: DOPPELTES  OPERNGLÜCK IN SALZBURG MIT VERDI’S  „IL TROVATORE“ UND ANNA NETREBKO (15.8.2014)

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Anna Netrebko. Foto: Salzburger Festspiele/ Forster

„Stiegst Du vom Himmel herab?“ Mit dieser Frage endet das erste  große Finale vor der Pause – Leonora Anna Netrebko wird vom Troubadour Francesco Meli vor dem Grafen Luna Placido Domingo gerettet und stimmt eine jener „unsterblichen“ Melodien an, die uns Opernfreunde zu Süchtigen werden lassen. Und Anna Netrebko ?  Sie klingt tatsächlich wie aus einer anderen, besseren Welt. Die Stimme ist groß und  rund und blüht wie eine Rose, die Technik ist perfekt. Und Singen wird zum intensivsten Instrument zum Artikulieren von Gefühlen. In meinen nunmehr 56 Opernjahren ist mir eine ähnliche Leistung nur sehr selten „untergekommen“. Der vergangene Mariahimmelfahrts-Tag gehört jedenfalls zu diesen raren Vorstellungen. Dabei begann die Trovatore-Reprise mit Beginn-Zeit 16 Uhr mit einem Auftritt von Alexander Pereira, der eine Indisposition von Placido Domingo entschuldigte. Und auch die Rahmenbedingungen waren gleichgeblieben. Daniele Gatti brachte die Wiener Philharmoniker und den Wiener Staatsopernchor in „Geberlaune“. Die Inszenierung (samt Ausstattung) des Letten  Alvis Hermanis verheddert sich erneut  in viel zu viele „Bilder-Wechsel“, die Azucena der Franko-Kanadierin Marie Nicole Lemieux reicht an keine der großen Vorbilder heran . Immerhin liefert der Italiener Francisco Meli über weite Strecken eine gute Leistung. Abgesehen von zwei misslungenen hohen C’s fehlt ihm aber doch die Attacke, der „Biss“ – aber vielleicht kommt das noch. Der Abend wird einmal mehr getragen durch Placido Domingo und Anna Netrebko. Der spanische Sänger war zwar nicht in Höchstform – aber was   Verdi-Feuer heißt, konnte man bei ihm allemal studieren. Mentaler und vokaler Totaleinsatz blieb sein Markenzeichen auch im 39.Jahr bei den Salzburger Festspielen. Doch zurück zu Anna Netrebko, die auch für ihre eigenen Verhältnisse  in Bestform war. Die Leonore in „Il trovatore“ verlangt einer Sopranistin alles  ab: schwebende Piani, ein Miserere in Alt-Lage, Koloraturen und drei heimtückische Arien. Anna Netrebko meistert dies alles mit einer Selbstverständlichkeit, die ihres gleichen sucht. Sie sieht wunderbar aus, die Stimme ist noch gewachsen, die Intonation ist perfekt, der  Registerwechsel wird souverän gemeistert, es gibt keine Schärfen oder Tremolos.-Man darf ihr für diese Leistung jedenfalls gratulieren und sich glücklich schätzen, live dabei sein zu dürfen. Hoffentlich geht’s weiter zu Tosca oder gar Aida. Ich habe übrigens nach einer Einkehr im legendären Triangel den Trovatore ein zweites Mal erlebt. Ich war so begeistert, dass ich mir die zeitversetzte TV-Ausstrahlung als „doppeltes Opernglück“ auch noch gab. Der Live-Eindruck hielt auch bei der ORF-Übertragung. Die Inszenierung kam via Bildschirm besser, bei den Sängern fielen  auch der Ferrando des Riccardo Zanellato  und der Ruiz Gerard Schneider positiv auf. Aber das Ereignis hieß Anna Netrebko- Glücklich, wer bei einem solchen Jahrhundert-Event live  oder via Bildschirm dabei sein durfte. Immerhin.-  auch das ORF-TV-Archiv besitzt  nun einen Opern-Edelstein mehr.

Peter Dusek

 

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