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Rossini: „SI, SI, SI, SI!“ Opernarien und Duette – Marie-Nicole Lemieux, Patrizia Ciofi; ERATO CD

12.02.2017 | Allgemein, cd

Rossini: „SI, SI, SI, SI!“ Opernarien und Duette – Marie-Nicole Lemieux, Patrizia Ciofi; ERATO CD

Mehr Likör als Champagner, aber auch zu süße Cocktails machen besoffen

sisi

Erscheinungsdatum: 10. März 2017

Dem Debütalbum der kanadischen Altistin Marie-Nicole Lemieux beim Label Erato liegt ein Live Mitschnitt aus der Opéra Berlioz in Montpellier vom 2. und 5. Dezember 2015 zu Grunde, gewidmet der Musik des Schwans von Pesaro. Und ja, ja ,ja ja, Rossini macht süchtig. Ich kann mich an dem Drive und Tempo dieser Musik nicht satt hören. Das neue Album hat zweifelsohne hohen Unterhaltungswert und seine Meriten, idealen Rossini-Gesang wird der Feinschmecker aber streckenweise vermissen. Das liegt zuvörderst daran, dass die üppig timbrierte und an sich schöne Stimme der grandios sympathischen Marie-Nicole Lemieux jenen Kern und präzisen Fokus vermissen lässt, der einem bei Rossini à la Bartoli aus dem Sessel hebt. Auch könnte die Stimmführung ruhiger und der Vortrag bisweilen weniger betulich sein. Lemieuxs große Atouts liegen demgegenüber in der tollen Tiefe, der pastosen Mittellage à la Marilyn Horne und auch einer hohen interpretatorischen Glaubwürdigkeit. Lemieuxs Stimme ist schwerfälliger als viele andere Rossini-Mezzos und gleicht eher einem süffigen Honiglikör als spritzig perlendem Champagner. Macht nix, schmeckt auch gut. 

Die Stärke des Albums liegt nicht zuletzt in der Programmierung. Der Opernfreund bekommt nicht nur Gassenhauer wie „Cruda sorte“ aus der L‘Italiana in Algeri,“Una voce poco fa“ aus Il barbiere di Siviglia und „Oh patria! … Tu che accendi questo core … Di tanti palpiti“ aus Tancredi serviert, sondern einige selten gehörte Duette. Gleich die dritte Nummer ist das wunderbare Duett Tancredis mit Amenaide. Als Partnerin brilliert die höhentigernde,  leichtfüssige, samtstimmige Patrizia Ciofi, wie übrigens auch in den Duetten aus Matilde di Shabran und La gazza ladra. Die beiden Sängerinnen ergänzen einander von den Stimmfarben her bestens, das Zuhören macht garantiert gute Laune. Im Duett „Quel dirmi, oh Dio!“ aus der frühen Oper La pietra del paragone assistiert gekonnt der Bass Julien Veronése.

Orchester und Chor der Opéra National de Montpellier Occitanie unter der temperamentvollen und belcanto-kundigen Leitung Enrique Mazzolas sorgen dafür, dass auch der instrumentale und chorische Part am finalen Erfolg des Rossini Abenteuers teil hat und echte Theateratmosphäre rein akustisch erlebbar wird. Besonders gut gefällt mir die Arie „In sì barbara sciagura“ aus Semiramide, wohl ein Höhepunkt der CD. Am Schluss gibt es dann das unvermeidliche Katzenduett. Genießer werden auch diese süße Milch mit Vergnügen trinken…..

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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