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ROBERT SCHUMANN: „EINSAMKEIT“

09.05.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

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ROBERT SCHUMANN: „EINSAMKEIT“; Matthias GOERNE – harmonia mundi CD

Meisterlich interpretiert, Markus Hinterhäuser begleitet auf Augenhöhe

Nach vielen sehr persönlich konzipierten Liedalben aus dem Schaffen Franz Schuberts hat sich der amtierende deutsche „Liedpapst“ Matthias Goerne mit der vorliegenden Edition erstmals seit mehreren Jahren auf CD den Klavierliedern Robert Schumanns zugewandt. Unter dem Motto „Einsamkeit“ sind auf der neuen CD Sechs Gedichte und Requiem Op. 90, Kostproben aus den Myrthen Op. 25 sowie die Gesänge Op. 89 zu hören. „Der Einsiedler“ aus den Drei Gesängen Op. 83, „Mein schöner Stern“ aus dem Minnespiel Op. 101 sowie das „Abendlied“ Op. 107/6 ergänzen die – wie immer – spezifische Auswahl des Sängers. Schumann hat diese vokalen Kleinode im Jahr seiner Heirat (1840) bzw. während seiner glücklosen Zeit als Städtischer Musikdirektor in Düsseldorf (1850-1852) geschrieben.

Im September 1840 hat Robert Schumann seine Clara in Schönefeld bei Leipzig ehelichen können. In nur 10 Monaten hat Schumann „als Früchte eines betörenden, fast suchtartigen Liebes- und Liederrausches in nicht weniger als 138 Einzelwerken vor allem der Frau seines Herzens die musikalische Reverenz erwiesen.“ Roman Hinke. „Die Lotosblume“ oder „Du bist wie eine Blume“ sind des schönster Beweis.

Ganz andere Stimmungen vermitteln hingegen die späten Lieder, die weniger melodienselig am Wort entlang komponiert für das Ohr durchaus auch heute noch als sperrig empfunden werden können. Matthias Goerne versteht es gerade bei diesen von der Atmosphäre her düsteren und weltabgewandteren vokalen Miniaturen mit seinem saftigen, obertonreichen, sehr breit geführten Bariton jene Mischung aus Wohllaut und klarer Botschaft zu erzeugen, die Liedgesang nach wie als eine Herzensangelegenheit vieler Musikfreunde erscheinen lässt. Dem Vernehmen nach folgen nicht alle Opernbesucher kritiklos Goernes künstlerischem Ansatz. Auf Tonträgern gerade im Genre Lied ist er für mich aber unübertroffen. Ein wahres Farbenfeuerwerk ergießt sich über den Hörer. Vokale Diät und esoterische Säuselei sind Goernes Sache nicht, seine in hohen Lagen gesponnenen „unendlichen“ Legati zeugen von einer einzigartigen Differenzierungsgabe.

Der neue Salzburger Festspielintendant und Pianist Markus Hinterhäuser harmoniert nicht nur mit Matthias Goerne aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit musikalisch symbiotisch, er vermag auch die komplexen Stimmungslagen und die orchestral anmutende Dimension der späteren Lieder als eigene impressionistische Klanggemälde erstehen zu lassen. Insoweit ist er auch ein guter Schüler seines genialen Lehrers Oleg Maisenberg.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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